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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 633 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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63312. Oktober 1846 ches nicht mehr wie damals die vollständige schilderung unserer Zustände enthalten, sondern die idee der trias: ständewesen, intelligenz und kom- munalfreyheit, als einziges rettungsmittel ausführen soll. Zudem räth mir doblhoff, ja nichts zu sagen, was die Welt der Banquiers etc. erbittern oder verwunden könnte, da dieses mein dankbarstes lesepublicum sey. nun sind aber meine Ansichten in finanzsachen dem interesse dieser leute schnur- stracks entgegen. da liegt also ein knäuel von complicationen. übrigens ist mir das Werk unter der hand angewachsen, so daß es weit stärker werden wird als das frühere, und mit den vielen urkunden, wel- che ich im Anhange abdrucken lasse, werden die 20 Bogen, welche campe wünschte, wohl noch überschritten werden. ich hoffe, der ton wird im gan- zen weniger verletzen, dagegen aber tiefern eindruck machen als der des 1. theiles, im ganzen kann der eindruck nur ein tröstlicher seyn, denn jetzt spreche ich meine hoffnung einer heilung unserer schäden und die leich- tigkeit, dieselbe zu bewirken, offen und lebhaft aus, während ich damals so ziemlich an der rettung verzweifelte. Auch praktischere, gereifte Ansichten und kenntnisse und weniger gelehrt seyn sollende Zitationen wird man in diesem 2. theile finden, kurz ich hoffe, es soll der Welt beweisen, daß diese 5 Jahre für mich nicht umsonst verstrichen sind. dagegen wird er die Bureau- kratie, die ich dießmal noch rücksichtsloser angreife, freylich tief verwun- den. indessen erzählt man in Wien die fabelhaftesten geschichten von mir, meiner entlassung aus dem staatsdienste etc., und ich scheine wirklich für den moment l’héros du jour zu seyn. neulich als ich auf ein paar stun- den in der stadt war, sprachen mich mehrere leute auf der straße deßhalb an. heute erzählte mir doblhoff eine ganze geschichte, welche ich neulich beym schwan beym essen über die Art meiner entlassung erzählt haben soll! während ich meinen fuß nicht in jenen saal gesetzt habe. daß ich un- angenehmen Augenblicken entgegen gehe, besonders wenn mein 2. theil erscheinen wird, ist kein Zweifel, und deßhalb wäre es vielleicht besser ge- wesen, wenn mein inkognito noch um sechs monate länger gedauert hätte. Jedenfalls muß ich mich nach einer neuen lebensstellung umsehen, was bey meinen zerrütteten vermögensumständen nicht ohne kampf abgehen wird. Aber seit ich zu dieser notorietät gelangt bin, kann ich, wenn ich auch wollte (was ich nicht will), nicht mehr zurück, außer ich wollte geradezu pater pec- cavi sagen und mich zum hasenfuß, Zedlitz oder so etwas stempeln, wovor mich der herr in gnaden bewahren wird. es bleibt mir nichts übrig, als mit der gegenwart abzuschließen und meine hoffnungen in die Zukunft zu set- zen. Bin ich doch 30 Jahre alt, und unsere faiseurs 70 – ! doch läugne ich nicht, daß mir manchmal sonderbar zu muthe ist, hätte ich mein vermögen noch, so wäre das gewiß nicht der fall, indessen ohne
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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