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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 645 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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64512. Dezember 1846 großfürstinn helene zu sehen, heute Abends geht er wieder weg, er brachte 12 tscherkessen mit, um die leiche nach Petersburg zu begleiten.1 ich studire jetzt unser ständisches Wesen mit möglichster gründlichkeit, sitze über alten landesordnungen, Partheidingen etc., denn darin liegt un- ser Weg. Auch habe ich angefangen ungarische sprachlektionen zu nehmen, kurz ich arbeite mich ein für meine künftige Wirksamkeit. Abends gehe ich manchmal ins theater oder zu gabrielle etc., später auch zur fürstinn chri- stiane [colloredo], seltener zu der grundlangweiligen ritter etc. [Wien] 12. december das erscheinen meines 2. theiles wird sich wohl, d.h. seine Ankunft loco Wien, bis nach der mitte Jänner verzögern, denn bey dieser Jahreszeit und den schlechten straßen dauert Alles länger, als man berechnete. ich habe bis jetzt von hamburg erst nachricht über die Ankunft der 2. sendung, von leipzig über die der dritten, jetzt hat campe jedenfalls das ganze. einst- weilen studiere ich hier mit vieler Anstrengung unsere ständischen verhält- nisse, lese die alten landesordnungen, ständischen Akten, die desiderien von 1790, mache mir Auszüge, sammle materialien und hoffe, mir nach und nach eine ziemlich vollständige registratur über das ständewesen der ver- schiedenen Provinzen zu verschaffen. Böhmen, mähren und niederöster- reich werden mir keine schwierigkeiten machen, da habe ich schon durch doblhoff und egbert Belcredi (welcher eben hier ist und ganz in meinem sinne abundirt) das wichtigste beysammen und hoffe, das fehlende noch zu ergänzen, hinsichtlich der andern Provinzen aber dürfte es schwerer halten, wegen obderenns habe ich mich an Breuner und franz saint Julien gewen- det, im übrigen muß ich auf mittel und Wege sinnen. meine Abreise dürfte um neujahr stattfinden, ich habe eine abermalige einladung von Ansbach aus erhalten, ich werde mich 8–10 tage in mün- chen aufhalten, dann über Augsburg, wo ich mit kolb manches bespre- chen möchte, nach Ansbach gehen. meine rückreise werde ich wohl über Prag nehmen, um mich dort mit den böhmischen matadors zu besprechen, bis dahin wird als précurseur auch mein Buch erschienen seyn. so will ich das nützliche mit dem Angenehmen zu vereinigen suchen. ich ward neu- lich ganz aufgebracht, als mir die stadttrompete edmund Zichy erzählte, es heiße allgemein, ich habe einen gnadengehalt!! von 2000 fl erhalten! die infamieen und nadelstiche der Polizey fangen wohl schon an. das kann nur ein absichtlich ausgesprengtes gerücht seyn. 1 die am 19.11.1846 in Wien verstorbene großfürstin maria michailovna war eine tochter von großfürst michael, einem Bruder des Zaren und onkels des thronfolgers Alexander, und seiner frau helene, geb. Prinzessin von Württemberg.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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