Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
Page - 657 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 657 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

Image of the Page - 657 -

Image of the Page - 657 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

Text of the Page - 657 -

65712. Februar 1847 man mißhandelte die sonnambula, und ich riß in der mitte des 1. Aktes aus mit dem vorsatze nie wieder zu kommen. erzherzog stephan ist unter dem Jubel der opposition zum locumtenens in ungarn ernannt worden, über den landtag verlautet noch nichts,1 dage- gen scheint die opposition nach und nach in siebenbürgen am landtage die oberhand zu gewinnen. montalembert hat in der französischen Pairskam- mer wegen krakau eine donnernde aber magnifique rede gehalten, worin er uns mit seinem mitleide beehrte. und Alles, guizot voraus, gab ihm recht. dahin ist es mit uns gekommen, dank metternich und konsorten. denn es läßt sich nicht läugnen, unsere gegner haben recht, schlagendes recht, und in Allem und Jedem recht. das ist die nemesis, welche dem gelobhudelten minister noch vor seinem ende die maske abzieht und ihn in seiner ganzen Jämmerlichkeit darstellt. der Bruch zwischen frankreich und england, eigentlicher zwischen guizot und Palmerston scheint durch die nunmehr in beyden ländern den kammern vorgelegten Papiere rücksichtlich der spanischen heirathen ein unheilbarer geworden zu seyn.2 Jedenfalls aber hat der hundsjude louis Philippe auf ewig das vertrauen der Welt verloren. die preußische staatszeitung hat wieder so ein perfides requisitorium ge- gen die „kommunistische Partey“ erlassen, indem sie Bruchstücke aus den schriften von marr und freiligrath veröffentlicht, die nun die runde durch alle Blätter machen. die Weser Zeitung antwortete in einem sehr schönen Artikel, und kolb versprach mir denselben als entgegnung aufzunehmen, sonst gerathen die köpfe unserer k.k. dummköpfe wiedrum in Brand. ob er es aber thut, steht dahin, denn die Allgemeine Zeitung ist und bleibt ein nichtsnutziges, perfides und serviles Blatt, und wenn ich mit ihr paktire, so geschieht dieß nur aus noth, weil sie nämlich die einzige ist, welche in oester reich einen bedeutenden leserkreis hat. heute schrieben mir clara und celia horrocks aus mannheim, ich möchte sie doch besuchen, ist leider nicht möglich. [Ansbach] 12. februar ich langweile mich hier wie ein mops. Besonders seit ein paar tagen fange ich nun schon an, die stunden bis zu meiner Abreise zu zählen. das leben hier in der familie ist aber auch gar zu einförmig und spießbürgerlich. der 1 mit 16.1.1847 (datum des kaiserlichen ernennungsschreibens) wurde erzherzog stephan zum statthalter (locumtenens) von ungarn ernannt, am 27. märz legte er den eid ab. mit der Wahl durch den am 12.11.1847 eröffneten ungarischen reichstag folgte er seinem am 13.1.1847 verstorbenen vater erzherzog Josef auch als Palatin von ungarn nach. 2 Zur doppelhochzeit im spanischen königshaus vgl. eintrag v. 22.9.1846.
back to the  book „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I"
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“