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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 665 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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6657. März 1847 mich wegen der möglichen folgen für meine persönliche sicherheit gewarnt, und ich gestehe, daß ich beynahe mit einiger Bangigkeit nach Wien gehe, aber was ist zu thun? que la volonté dieu s’accomplisse, besonders unter den ungarn in Wien soll der 2. theil sehr gefallen – gutes omen. ein dekret inzaghys, welches sehr dringend und wichtig seyn soll, und das man durchaus nicht ins Ausland schicken wollte, hat mich in Wien wie- derholt und erst jetzt wieder gesucht, was mag es enthalten? man erzählt hier die Abdankung des königs von Bayern als gerücht, neu- lich war ich bey erzherzog carl ferdinand, erzherzog stephan ist in Wien. Abends gehe ich meistens zu Belcredi, wo immer viel leute sind, nachher manchmal in die ressource. Waldsteins sind fort, neulich sah ich im theater den „feensee“ mit prächtiger Ausstattung. Wien 7. märz 1847 seit donnerstag dem 4. bin ich hier. die conferenzen und ständischen Be- rathungen bey fritz deym, Pepi thun und neuberg (die sich, obwol sie alle 3 im ganzen denselben gang gehen, dennoch spinnefeind sind) dau- erten in den letzten tagen meines Aufenthaltes fort, und noch am tage meiner Abreise war ich fast 3 stunden lang bey deym und verabredete das nöthige wegen unserer künftigen geschäftsverbindung. Wegen meiner wei- tern idee: der herausgabe alter ständischer handfesten und Privilegien, werde ich aus Böhmen wohl nicht viel material erhalten, denn so mächtig die böhmischen stände auch im mitteltalter waren, so existiren doch, und vielleicht gerade deßhalb, nur sehr wenige eigentliche freyheitsbriefe, ur- kunden, etc. im ganzen scheint mir die schwäche der böhmischen stände hauptsäch- lich in folgendem zu liegen: 1. daß sie noch viel zu sehr aristokratisch sind, was auch daher kömmt, daß der ritterstand beynahe gar nicht zu den land- tagen etc. erscheint, der 4. stand ist ohnehin fast null, namentlich bey un- serer schmählichen municipalverfassung, der ständische kanzleydirektor falk hat übrigens hierüber so eben eine Brochure herausgegeben, welche mir neuberg gab.1 2. die insubordination des ständischen Ausschusses, wel- che so weit geht, daß er z.B. die steuern anders ausschreibt, als die stände sie bewilligten. 3. der mangel einer geschäftsordnung, so daß der landtags- direktor in leitung der debatten etc. eine unglaubliche macht hat. unbe- greiflicherweise wollen aber die leute selbst keine geschäftsordnung und instruction für den Ausschuß verfassen, weil sie sagen, sie würden sich da- mit nur für die Zukunft die hände binden. 1 vincenz falk, die landesverfaßungsmäßigen verhältniße der königlichen städte als vier- ten standes im königreiche Böhmen (Prag 1847).
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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