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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Tagebücher682 geschäfte aber gehen jetzt per Post, nachdem sie früher den schnecken- gang gingen, und heute, gestern und morgen geschieht mehr als bisher in einem Jahre, die feilbiethung wird morgen bewilligt und in ein paar tagen vom Bezirksgerichte cervignano ausgeschrieben.1 vielleicht dürfte sich so- gar wegen der cession meiner forderungen etwas machen. die gescheidtesten hier sind noch die Beamten aus stadions schule,2 so hat mich z.B. sesto codelli überrascht, sogar mein Buch ist hier bekannt, auch die grenzboten werden von ihnen gelesen. codelli hat mir das vielbe- sprochene hiesige Zwangsarbeitshaus gezeigt, stadions bizzare schöpfung: alles militairisch organisirt, exerzieren, gliederweise zur Arbeit marschiren etc., welches aber gute resultate zu haben scheint. Auch stadions gemeinde- ordnung hat er mir gegeben, die ich studiren will. ich hoffe samstag wieder fortzukommen. sonntag habe ich frank ein rendezvous in grätz gegeben. sonst nichts neues hier, überall die alten gesichter, die alte indolenz, das alte klagen, die alte unwissenheit und die alten einfallenden häuser, überall stillstand, stagnation und unbekümmertheit, in görz sollte unsere regierung ihren sitz aufschlagen. Wien 18. may Zu meinem großen verdrusse mußte ich in görz um einige tage länger bleiben als ich dachte, indem das landrecht, statt die lizitation gleich zu bewilligen, vorerst noch auf den 10. eine tagsatzung zur festsetzung der Licitationsbedingnisse bestimmte. Diese fiel jedoch ganz nach meinem Wunsche aus, und ich konnte dabey mehrere formelle unrichtigkeiten (be- sonders in den landtafelextrakten) berichtigen, welche mir sonst jahre- lange mühe und schreiberey verursacht haben würden. in spangher habe ich meinen generalbevollmächtigten aufgestellt, welcher meine geschäfte sowohl bey der versteigerung als im falle einer cession so eifrig und un- eigennützig betreiben wird, als ich selbst es thun könnte, der mann ist ein wahrer diamant. übrigens langweilte ich mich über die maßen, die hitze war mir an das nördlichere clima gewöhnten unausstehlich, und dafür hatte ich gar keine entschädigung, lauter menschen, deren sprache und ideen himmelweit von den meinigen differiren. Am 11. früh fuhr ich frohen muthes ab, frühstückte mit toni coronini in schönpass und setzte mich da in den eilwagen, in Wippach besuchte ich 1 Andrian versuchte bereits seit längerem, zur Verbesserung seiner finanziellen Situation das familiengut Papariano zu verkaufen. 2 graf franz stadion war von 1841 bis zu seiner versetzung nach lemberg 1847 gouverneur in triest, dem auch die grafschaft görz unterstand.
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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