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jouait très-serré, übrigens doch viel mehr sagte als er wollte, weil ich ihn
immer und allein reden ließ, nicht sagen, welches die Ausdrücke des Pro-
gramms seyen. Auch in die instruktionen des Pesther comitats wollen sie
und zwar hier mit der größten klarheit und Bestimmtheit diesen Punkt auf-
nehmen. dagegen verlangen sie, oder wenigstens Bathiany: daß von dem,
am 4. dieses monats zu Pesth zu publicirenden, Programme Anlaß genom-
men werde, im publicistischen Wege eine demonstration zu gunsten der
magyarischen nationalität und die sache der opposition gemacht werde,
denn die leute fürchten, daß, wenn bey uns das konstitutionelle Princip
erstarken sollte, wir dieses zur erdrückung des magyarismus anwenden
würden, die dummen germanisirungstiraden von schuselka & c. haben
sie mißtrauisch gemacht. Weiter verlangen sie, daß diese verbindung zwi-
schen uns und ihnen keine isolirte bleibe sondern fortdauere, zu welchem
Zwecke Batthyány wünschte, mit einigen der hiesigen leaders in Berührung
gebracht zu werden. Beydes sagte ich natürlich gerne zu, wiewohl mich die
idee einer conferenz zwischen ungarn und oesterreichern etwas stutzig
machte, car m’étant réservé la main haute dans cette affaire, weiß eigent-
lich Keiner meinen ganzen Gedanken. Meine Wahl fiel daher auf Stifft (der
übrigens eben abwesend war) und doblhoff, vielleicht in Zukunft kleyle und
lamberg. da doblhoff gerade in Baden war, so fuhr ich denn hinaus, um
mit ihm zu sprechen, und fand ihn weit über meine erwartung muthig und
gut disponirt, er griff die sache mit großem eifer auf, meinte, er würde,
z.B. mit schmerling, den er für besonders geeignet hält, einen Abstecher
nach Pesth oder während des landtags nach Presburg machen, quasi eine
demonstration etc. Auch stehe er dafür, daß, wenn der ungarische land-
tag eine Adresse, motion etc. im obigen sinne durchbrächte, im hiesigen
landtage eine öffentliche Anerkennungs- und freundschaftsadresse votirt
werden würde etc. etc. Als ich nun Alles dieses Bathiany erzählte und ihm
vorschlug, ihn nunmehr mit doblhoff zusammenzubringen, da retraitirte
Batthyány plötzlich, meinte, er wolle lieber warten, bis er lazzi teleki oder
sonst wen seiner Parthey mit sich hätte, er müsse morgen frühe abreisen
etc. Am 10. oder 11. dieses monats wolle er mit ein paar freunden wieder
her kommen, und dann könnte die entrevue statthaben. Am selben morgen
hatte er noch zu Bethlen gesagt, er wolle noch ein paar tage bleiben, um
mich mit deák, der eben hier war, bekannt zu machen. übrigens steckt al-
lem Anscheine hinter diesem nur eine Weibergeschichte, nämlich caroline
karoly, welche gerade um diese Zeit aus italien kam und sich ein paar tage
mystérieusement éclipsirte. Jedenfalls aber sehe ich, daß ich mich in dieser
sache mehr an teleki als an Bathiany halten muß, habe auch seitdem in
diesem sinne gehandelt und warte nun, ob sie am 10. kommen werden.
mein Jäger ist richtig von der hochlöblichen Polizey in sold genommen
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien