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die ungarn kommen nicht, wenigstens vor der hand, sie haben mir aber
das Programm zugeschickt. Zugleich ist in den grenzboten ein Aufsatz von
Pulszky erschienen, worin ganz dasselbe gesagt wird, was Batthyany mir
sagte, nämlich gegenseitige unterstützung, sie auf dem Wege der landtags-
verhandlungen, wir durch die Presse.1 die regierung scheint über diesen
neuen Streich, der sie an ihrer empfindlichsten Stelle trifft, den Verstand
verloren zu haben, denn sie hat so eben die unbegreifliche Ungeschick-
lichkeit begangen, den lithographen des Programms festsetzen und den
stein wegnehmen zu lassen, nachdem tausende von Abschriften bereits
verschickt waren, und der druck des Programms der regierungsparthey,
welche eigentlich alle diese conferenzen und Programme zuerst hervorrief,
indem sie dazu das Beyspiel gab, ganz frey gestattet wurde.2 daß sie dabey
mich scharf beobachten, ist kein Zweifel, und es geht mir an den hals. ich
habe einstweilen durch moering eine Brochure in der verabredeten Weise
und einen Artikel für kuranda als Antwort auf den Pulszkyschen anferti-
gen lassen und will selbst in diesen tagen ein paar Worte der Allianz an die
Allgemeine Zeitung einschicken. ob sie es aufnimmt? cotta hat mir neulich
einen unendlich verbindlichen Brief geschrieben: er wolle Alles thun, um
mich zufrieden zu stellen, ich möchte mich nur ja nicht zurückziehen etc.3
mein Aufsatz über den 4. stand in niederösterreich ist in allen städtischen
Archiven der Provinz hinterlegt worden.4 ich habe so eben einen ausführ-
lichen Bericht über den hiesigen landtag an kolb gesendet und überhaupt
in letzter Zeit viel gearbeitet, so daß ich nun au courant bin und alle Pro-
vinzen absolvirt habe.5 Auch für die neue deutsche Zeitung habe ich einen
längeren Aufsatz über unsere Zustände an lerchenfeld geschickt, denke
aber nun vorerst zuzuwarten, wie sich diese Zeitung stellt, wenn ich nicht,
1 die grenzboten. Zeitschrift für Politik und literatur 6 (1847), i. semester, ii. Bd., 422–425:
Ungarn und Oesterreich (Aus einem Privatbriefe an die Redaction); Von den Ufern der
theiß, ungezeichnet.
2 es handelte sich um die im hinblick auf die deputiertenwahlen in den komitaten für den
bevorstehenden landtag entworfenen Programme der konservativen und der ungarischen
opposition.
3 der Brief v. 10.6.1847 ist nach einer kopie im cotta-Archiv gedruckt in rietra, Wirkungs-
geschichte, 208f.
4 gemeint ist wohl Andrians Aufsatz die niederösterreichischen stände, datiert Wien 23.
mai, in Allgemeine Zeitung v. 5.6.1847, Beilage 1243–1247.
5 Andrian veröffentlichte eine reihe von Artikeln über die landtagssitzungen in der Allge-
meinen Zeitung, so am 30.5., 1199, und am 24.6., Außerordentliche Beilage 105 über den
böhmischen landtag, am 15.6., Beilage 1324f. über den steirischen landtag, am 22.6., 1384
über die mährischen stände und abschließend am 27.6.1847, Beilage 1420–1422, datiert
Wien 15. Junius über niederösterreich.
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Tagebücher 1839–1858, Volume I
- Title
- „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
- Subtitle
- Tagebücher 1839–1858
- Volume
- I
- Author
- Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
- Editor
- Franz Adlgasser
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2011
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78612-2
- Size
- 17.0 x 24.0 cm
- Pages
- 744
- Keywords
- Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
- Category
- Biographien