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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I
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Page - 729 - in „Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ - Tagebücher 1839–1858, Volume I

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72921. November 1847 meine reise nach Presburg hatte 2 motive: die wochentlichen land- tagsberichte, welche ich für mich, die österreichischen und die böhmischen stände zu bestellen hatte, und die endliche realisirung meines lange vorbe- reiteten Planes der Besprechung unserer politischen Zustände am ungari- schen landtage. das erste geschäft brachte ich bald ins reine, und zwar mit tóth lörinz, der mir schon deßhalb hierher geschrieben hatte. das zweyte, weit wichtigere hoffe ich ebenfalls auf das Beste besorgt zu haben. ich hatte nämlich am Abende des 18. vor dem Balle bey erzherzog stephan eine lange entrevue mit kossuth, zu welchem l. teleki mich führte. tags darauf war ein politisches diner bey louis Batthyány, wo ich wieder mit jenen Beyden, dann mit szentkirályi und szémére, also den sommitäten der opposition zusammen kam. Bey dieser gelegenheit so wie überhaupt bey den vielen, ja fast unausgesetzten Besprechungen, welche ich über diesen gegenstand hatte, verhielt ich mich immer sehr zurückhaltend, ließ die leute anfangen davon zu sprechen, und vermied systematisch den schein, als käme ich um ihre intercession zu bitten. ich sagte: ein resultat ihrer discussion, ein Pa- ragraph in der Adresse etc. sey uns ziemlich gleichgültig, denn ein solcher würde für uns doch keine praktische Wirkung haben, es sey mir mehr um eine lange und lebhafte discussion zu thun, und zwar vornehmlich aus der höhern politischen rücksicht der Annäherung zwischen den gleichgesinnten beyder länder, welche beyde denselben gegner hätten, folglich schon von natur darauf angewiesen seyen, sich einander zu nähern, ohne Bedingun- gen und concessionen von irgend einer seite, welche bey der verschieden- heit der fragen, interessen etc. hier und dort unnütz und unmöglich seyen. übrigens würde der ungarische landtag erst durch die Behandlung solcher fragen aufhören, ein bloßer Provinciallandtag zu seyn, eine europaeische Bedeutung gewinnen und das gewicht einer nation von 14 millionen men- schen in die Wagschale des liberalen europas werfen, welches auch erst jetzt seit dem letzten Programm der opposition auf ungarn aufmerksam zu wer- den beginne (hier liegt die ungarische Achillesferse). ich wüßte sehr wohl, sagte ich, daß wir deutsche in ungarn unpopulär seyen, aber das sey die folge der irrigen Auffassung der ungarn, welche uns für solidarisch für die regierung verantwortlich ansähen, ohne zu bedenken, daß wir unter ihren streichen hundertmal mehr als sie gelitten haben, etc. ich glaube, damit keine geringe Wirkung gemacht zu haben, szentkirályi und kossuth erklär- ten mir, dieser landtag müsse ein Wendepunkt in der Politik und den na- tionalsympathieen ungarns werden etc. morgen fängt die Adreßdebatte an, und da werden unsere Angelegenheiten vorkommen, zum großen schrecken erzherzog stephans und der regierung. übrigens fand ich die Partheyen noch ziemlich unklar und verworren, das Zahlenverhältniß ist noch ziemlich ungewiß, und die instructionen ändern
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„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“ Tagebücher 1839–1858, Volume I
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
„Österreich wird meine Stimme erkennen lernen wie die Stimme Gottes in der Wüste“
Subtitle
Tagebücher 1839–1858
Volume
I
Author
Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg
Editor
Franz Adlgasser
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2011
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-205-78612-2
Size
17.0 x 24.0 cm
Pages
744
Keywords
Viktor Andrian-Werburg (1813 - 1858), Revolution 1848, Austrian Neoabsolutism, Austria future (1842), Late Vormärz, Reform and Repression
Category
Biographien

Table of contents

  1. Vorwort (Ffritz Fellner) 9
  2. Viktor Franz Freiherr von Andrian-Werburg (1813–1858) – eine Lebensskizze 11
  3. Überlieferung der tagebücher 37
  4. Editionsrichtlinien 41
  5. Tagebücher 1839–1847 43
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