Erika Pluhar

Erika Pluhar auf der Leipziger Buchmesse 2012

Erika Pluhar (* 28. Februar 1939 in Wien) ist eine österreichische Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Erika Pluhar ist die Tochter von Anna und Josef Pluhar, der während des Zweiten Weltkriegs als Verwaltungsbeamter im Generalgouvernement tätig war. Ihre ältere Schwester ist Brigitte King, ihre jüngere die Malerin und Bildhauerin Ingeborg G. Pluhar.

Sie studierte nach der Matura 1957 am Max-Reinhardt-Seminar, der Wiener Akademie für Musik und Darstellende Kunst (Abschluss 1959 mit Auszeichnung), und wurde danach Schauspielerin am Burgtheater, wo sie von 1959 bis 1999 Ensemblemitglied war.

Wichtige Rollen waren unter anderem Luzie in Hermann Bahrs Das Phantom (1959), Ismene in Antigone (1961), Doña Angela in Calderóns Dame Kobold (1964), Amalia in Die Räuber (1965), Desdemona in Othello (1967), Königin in Grillparzers Die Jüdin von Toledo (1968), Ljudmila in Babels Marija (1969), Königin in Don Carlos (1973), die Titelfigur in Maria Stuart (1974), Lady Milford in Kabale und Liebe (1975), Ruth in Harold Pinters Heimkehr (1977), die Titelfigur in Ibsens Hedda Gabler (1978), Helene in Hofmannsthals Der Schwierige (1978), Esther in Vitracs Victor oder die Kinder an der Macht (1978), Warwara in Gorkis Sommergäste (1979), Regine in Musils Die Schwärmer (1981), Ranjewskaja in Tschechows Der Kirschgarten (1982), Katarina in Lars Noréns Dämonen (1985/1986), Natalja in Turgenjews Ein Monat auf dem Lande (1986) und die Mutter in Noréns Nacht, Mutter des Tages (1991). Sie gastierte unter anderem an den Münchner Kammerspielen (1973), bei den Bad Hersfelder Festspielen, Bregenzer Festspielen und den Burgfestspielen Jagsthausen.

Nach großen Erfolgen unter mehreren Intendanten, besonders zur Zeit von Achim Benning, wurde sie unter der Leitung von Claus Peymann kaum mehr besetzt und entschied sich gegen diese Theaterarbeit. 2004 kehrte sie in St. Pölten auf die Theaterbühne zurück und spielte mit Werner Schneyder in dessen Dramatisierung ihres Romans Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?

Ihrer ersten Ehe mit Udo Proksch von 1962 bis 1967 entstammte Tochter Anna Proksch (1962–1999). Ihr Sohn, der Schauspieler Ignaz Pluhar, der bei ihr lebt, ist eigentlich der von ihrer Tochter zur Adoption auserkorene Enkel afrikanischer Abstammung. Erika Pluhar adoptierte ihn selbst, um ihm die Turbulenzen rund um den Namen „Proksch“ zu ersparen [1] – Udo Proksch, dessen Schuld Pluhar bis heute bestreitet,[2] wurde wegen sechsfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine zweite Ehe ging sie 1970 mit André Heller ein, die – lange nach der Trennung 1973 – erst 1984 geschieden wurde. Nach der Trennung war sie auch einige Jahre, bis zu dessen Suizid 1978, mit Peter Vogel verbunden.

Anfang der 1970er Jahre begann ihre gesangliche Karriere. Erika Pluhar interpretierte zunächst Schlager der 1920er und 1930er Jahre sowie Lieder von André Heller, Stephan Sulke und Wolf Biermann. Seit Anfang der 1980er Jahre singt sie nurmehr eigene Texte. Musikalische Wegbegleiter waren und sind Antonio Victor D’Almeida, Peter Marinoff und Klaus Trabitsch.

Geschrieben hat Erika Pluhar seit Kindertagen. Die erste Buchveröffentlichung erfolgte 1981.

Politisch gilt Pluhar als der SPÖ nahestehend und tritt unter anderem gegen nationalsozialistische Wiederbetätigung ein, etwa anlässlich der Kandidatur von Barbara Rosenkranz zur Bundespräsidentin.[3]

Werke

Pluhar bei einer Lesung in Wien 2009

Bücher

  • Aus Tagebüchern. 1981.
  • Über Leben. Lieder und ihre Geschichten. 1982.
  • Lieder. 1986.
  • Als gehörte eins zum anderen. Eine Geschichte. 1991.
  • Zwischen die Horizonte geschrieben. Lieder, Lyrik, kleine Prosa. 1992.
  • Marisa. Rückblenden auf eine Freundschaft. Hoffmann und Campe, Hamburg 1996.
  • Am Ende des Gartens. Erinnerungen an eine Jugend. 1997.
  • Matildas Erfindungen. 1999.
  • Der Fisch lernt fliegen. Unterwegs durch die Jahre. 2000.
  • Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?. 2001.
  • Die Wahl. 2003.
  • Erika Pluhar. Ein Bilderbuch. 2004.
  • Die stille Zeit. Geschichten und Gedanken nicht nur zu Weihnachten. 2004.
  • Reich der Verluste. 2005.
  • Paar Weise. Geschichten und Betrachtungen zur Zweisamkeit. Residenz, St. Pölten 2007, ISBN 978-3-7017-1472-8.
  • Er. Roman. Residenz, St. Pölten 2008, ISBN 978-3-7017-1491-9.
  • Mehr denn je. Alle Lieder. Residenz, St. Pölten 2009, ISBN 978-3-7017-1513-8.
  • Spätes Tagebuch. Residenz, St. Pölten 2010, ISBN 978-3-7017-1537-4.
  • Im Schatten der Zeit. Roman. Residenz, St. Pölten 2012, ISBN 978-3-7017-1588-6.

Hörbuch

Diskografie

  • Erika Pluhar singt (1972)
  • So oder so ist das Leben (1974)
  • Die Liebeslieder der Erika Pluhar (1975)
  • Hier bin ich (1976)
  • Beziehungen (1978)
  • Vom Himmel auf die Erde falln sich die Engel tot: Pluhar singt Biermann (1979)
  • Narben (1981)
  • Über Leben (1982)
  • Liebende (1983)
  • Wiener Lieder
  • Bossa a la Marinoff (1989)
  • For ever
  • Ein Abend am Naschmarkt (1995)
  • Jahraus, jahrein (1998)
  • I geb net auf (1999)
  • Lieder vom Himmel und der Erde (2002)
  • Es war einmal (2004)
  • Damals (2006)
  • Lied. Wien. Wir. (2006)
  • Die Stille Zeit (2007)

Filmografie

Auszeichnungen

Zitat

„Schreiben ist für mich eine Überlebensform geworden.“

– aus: Kölnische Rundschau Nr. 47, 25. Februar 2009, Seite 9 „Kultur. Der ehrliche Satz“

Einzelnachweise

  1. ORF2 „Lebens-Künstler“ am 6. Januar 2008 17Uhr10, Erika Pluhar im Gespräch mit Helmut Zilk
  2. diepresse.com
  3. oe24.at

Weblinks

 Commons: Erika Pluhar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien