Feistritz ob Bleiburg

Feistritz ob Bleiburg
Wappen von Feistritz ob Bleiburg
Feistritz ob Bleiburg (Österreich)
Feistritz ob Bleiburg
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Völkermarkt
Kfz-Kennzeichen: VK
Fläche: 54,19 km²
Koordinaten: 46° 33′ N, 14° 46′ O46.55694444444414.759444444444550Koordinaten: 46° 33′ 25″ N, 14° 45′ 34″ O
Höhe: 550 m ü. A.
Einwohner: 2.110 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 38,94 Einw. pro km²
Postleitzahl: 9143
Vorwahl: 0 42 35
Gemeindekennziffer: 2 08 05
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
St. Michael 79
9143 Feistritz ob Bleiburg
Website: www.feistritz-bleiburg.gv.at
Politik
Bürgermeister: Friedrich Flödl (LFA)
Gemeinderat: (2009)
(19 Mitglieder)
9 LFA, 4 SPÖ, 4 EL, 2 BZÖ + BL
Lage der Gemeinde Feistritz ob Bleiburg im Bezirk Völkermarkt
Bleiburg Diex Eberndorf Eisenkappel-Vellach Feistritz ob Bleiburg Gallizien Globasnitz Griffen Neuhaus Ruden Sankt Kanzian am Klopeiner See Sittersdorf Völkermarkt KärntenLage der Gemeinde Feistritz ob Bleiburg im Bezirk Völkermarkt (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
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(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Feistritz ob Bleiburg (slowenisch: Bistrica nad Pliberkom) ist eine im Bezirk Völkermarkt in Kärnten gelegene zweisprachige Marktgemeinde mit 2110 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Filialkirche St Katharina am Kogel
Achteckiger Bildstock in Gonowetz

Die Gemeinde erstreckt sich zwischen dem Jaunfeld und dem Petzen-Massiv der Karawanken. Die namensgebende Ortschaft Feistritz ist ungefähr 5 Kilometer von der österreichisch-slowenischen Staatsgrenze entfernt. Durch das Gemeindegebiet fließt der gleichnamige Fluss, das einzig größere stehende Gewässer ist der 3,5 Hektar große Pirkdorfer See.

Gemeindegliederung

Feistritz ob Bleiburg ist in die vier Katastralgemeinden Unterort (Podkraj), Feistritz (Bistrica), Sankt Michael (Šmihel) und Penk (Ponikva) gegliedert. Das Gemeindegebiet umfasst folgende 15 Ortschaften (Einwohnerzahl Stand 2001):

  • Dolintschitschach (Dolinčiče) (58)
  • Feistritz ob Bleiburg (Bistrica nad Pliberkom) (332)
  • Gonowetz (Konovece) (326)
  • Hinterlibitsch (Suha) (50)
  • Hof (Dvor) (230)
  • Lettenstätten (Letina) (103)
  • Penk (Ponikva) (209)
  • Pirkdorf (Breška vas) (110)
  • Rischberg (Rišperk) (1)
  • Ruttach-Schmelz (Rute) (19)
  • Sankt Michael ob Bleiburg (Šmihel pri Pliberku) (382)
  • Tscherberg (Črgoviče) (97)
  • Unterlibitsch (Podlibič) (59)
  • Unterort (Podkraj) (135)
  • Winkel (Kot) (17)

Nachbargemeinden

Eberndorf Bleiburg Bleiburg
Globasnitz Nachbargemeinden Mežica
Eisenkappel-Vellach Črna na Koroškem

Geschichte

Im Gemeindegebiet wurden etliche Spuren vorgeschichtlicher Besiedlung ausgegraben, so ein Bronzewerkzeug aus der Urnenkultur (ca. 1000 v. Chr.), Brandgräber aus der Hallstattzeit, sowie eine befestigte Siedlung auf dem Katharinakogel (7. bis 5. Jh. v. Chr.). Um 100 n. Chr. gab es eine Römerstraße am Petzenabhang.

Die erste urkundliche Erwähnung von Feistritz stammt von 1261 als Veustricz. 1473 schlugen die Türken bei ihrem ersten Einfall in Kärnten ihr Hauptlager in Pirkdorf auf.

Der 1850 gegründeten Gemeinde wurden 1921 die nach dem Ersten Weltkrieg nicht an Jugoslawien gefallenen Teile der Gemeinden Schwarzenbach und Mießberg zugeschlagen. 1973 wurde Feistritz nach Bleiburg eingemeindet, nach einer Volksbefragung verselbständigte sich die Gemeinde 1991 wieder. Am 28. August 2008 wurde Feistritz ob Bleiburg zur Marktgemeinde erhoben.

Bevölkerung

Einwohnerzahl

Nach der Volkszählung 2001 hat die Gemeinde Feistritz ob Bleiburg 2.128 Einwohner, davon sind 96,4 % österreichische und 1,5 % bosnische Staatsbürger. 64,5 % gehören der deutschsprachigen und 32,7 % der slowenischsprachigen Volksgruppe an.[1] [2]

Religionen

Zur römisch-katholischen Kirche bekennen sich 92,9 % der Gemeindebevölkerung, zur evangelischen Kirche 1,3 % und zum Islam 1,1 %. Ohne religiöses Bekenntnis sind 2,9 %.

Die katholische Pfarre Sankt Michael gehört zum Dekanat Bleiburg. Sie ist heute zweisprachig.[3] Zur Pfarrkirche St. Michael/Šmihel pri Pliberku zählen die Filialkirchen Hof/Dvor, Rinkolach/Rinkole, St. Katharina am Kogl/Sv. Katarina, und Wackendorf/Večna vas.[4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Feistritz ob Bleiburg

  • St. Katharina am Kogel hat eine dominante Stellung im Jauntal und war einst Verwaltungssitz. Sie geht auf das Jahr 1404 zurück. [5]

Slowenische Kulturgeschichte

Mit der Zuwanderung der Slawen und der Festigung des karantanischen Staatswesens, vor allem aber spätestens mit der Christianisierung der Karantaner beginnt die slowenische Kulturgeschichte auf dem Gemeindegebiet, zumal die ältesten, bereits dem Slowenischen zugeschriebenen Schriftdenkmäler, die Freisinger Denkmäler für die Zwecke der Christianisierung geschaffen wurden (deren mündliche Grundlage nach Mitte des 9. Jahrhunderts, deren Niederschrift gegen Ende des 10. Jahrhunderts).[6]

Am 31. Juli 1870 wurde in Feistritz/Bistrica die erste einer Reihe großer politischer Versammlungen unter dem Namen Tabor mit über 9000 Teilnehmern veranstaltet. Die Teilnehmer forderten die Verwirklichung der in Artikel 19. des Grundrechtskatalogs der sogenannten Dezemberverfassung aus dem Jahre 1867, das heißt die Gleichstellung der Sprache in der Schule, in Ämtern und vor Gericht. Die einzige Möglichkeit der Verwirklichung dieser Grundrechte in dem damals fast ausschließlich slowenisch bewohnten Gebieten Südkärntens sahen sie in einer Vereinigung der slowenischen Kronländer in einer eigenen Verwaltungseinheit innerhalb der Monarchie. Das diesbezügliche Programm des Trägervereins Trdnjava (deutsch: Festung) lautete Zedinjena Slovenija (deutsch: Vereintes Slowenien).[7] Auch die letzte Tabor-Versammlung fand laut Pfarrchronik in der Gemeinde statt, diesmal bei der Kirche der hl. Katharina am Kogel im Jahre 1914, an dem 4.000 Personen teilnahmen. [8]

Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts blühte das slowenische Vereinswesen in der Gemeinde und ihrer Umgebung auf, teilweise wohl auch als Reaktion auf den steigenden Germanisierungsdruck. Der slowenische Kyrill und Method Schulverein Družba sv. Cirila in Metoda gründete eine Reihe von Zweigvereinen im Jauntal: Bleiburg und Umgebung 1888, Sankt Kanzian am Klopeiner See und Umgebung 1888, Pribelsdorf und Umgebung 1890, Völkermarkt 1893, Loibach und Umgebung 1902.[9] [10]

Bereits 1890 entstand der erste slowenische Gesangsverein "Gorotan" und der Tamburizza-Chor wurde 1903 gegründet. In St. Michael ob Bleiburg war auch eine der ältesten slowenischen Spar- und Darlehenskassen (gegründet 1888) sowie eine Milchgenossenschaft. Am 2. April 1908 wurde die Hranilnica in posojilnica in Bleiburg gegründet[11], die eine wichtige Rolle im wirtschaftlichen - und als Sponsor - im kulturellen Leben der Menschen und der Region hatte und bis heute hat.[12]

In dieser Zeit bedeutete das Aufblühen des slowenischen Gesangswesens in Kirchenchören und Vereinen auch einen wichtigen Beitrag zur Sprachkultur, denn wer den Gesang in Chören pflegte, beherrschte grundsätzlich auch die slowenische Schriftsprache.

Vereine

  • Slowenischer Kulturverein KPD Šmihel. Zu den wichtigsten Akteuren des (slowenischen) Kulturlebens in der Gemeinde zählt zweifellos der slowenische Kulturverein KPD Šmihel, der am 16. Dezember 1906 unter dem Namen Slovensko katoliško izobraževalno društvo za Šmihel in okolico (Slowenischer katholischer Bildungsverein für Sankt Michael und Umgebung) gegründet worden war. Ein wesentliches Vereinsziel war, Bildungsarbeit zu leisten für die Stärkung der kulturellen Identität. Der erste Vorsitzende, Ivan Tominc, war gleichzeitig auch Bürgermeister, ebenso wie sein nachfolger Jurij Rudolf. Wesentliche Wirkungsbereiche waren Bildungsvorträge, Theater und die Vereinsbibliothek. Der Ausgang der Kärntner Volksabstimmung führte zur Vertreibung der slowenischen Intelligenzia und bedeutete einen schweren Schlag für das Kulturleben in ganz Südkärnten. Doch in Sankt Michael ob Bleiburg begann der slowenische Kulturverein bereits 1922 mit der Wiederaufnahme seiner Aktivitäten und führte 1923 das bekannte Theaterstück Miklova Zala auf, das eine Metapher für die Unterdrückung und den kulturellen Anspruch der Slowenen ist. Mit dem Anschluss Österreichs verstärkte sich der bereits in der Ersten Republik ständig wachsende Druck gegen die Slowenen noch mehr und so wurde nach dem Überfall auf Jugoslawien im April 1941 jegliches slowenische Kulturleben verboten, alle Vereine aufgelöst und deren Hab und Gut entweder zerstört oder eingezogen. Doch sehr bald nach dem Zweiten Weltkrieg begann die Kulturarbeit erneut zu blühen. Theater, Tamburizzamusik und Gesangswesen bildeten die wesentlichen Säulen der Bemühungen um ein kulturelles Miteinander. 1969 wurde die Räumlichkeiten des neuen Pfarrsaals erworben und bereits 1970 mit einem Theaterstück eingeweiht. Im selben Jahr begann auch die Tätigkeit des slowenischen Musikschule Glasbena šola. Unter der Vereinsleitung Karl Gril beginnt ebenfalls im selben Jahr das Puppenschauspiel, das große Erfolge feiert. 1999 beherbergt der Verein das internationale Puppenfestival ANIMA und wird so zum Zentrum der Fachwelt.[13]
  • Verein Kunst Radweg : [14]

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Od Pliberka do Traberka – tradicionalna čezmejna srečanja pevskih zborov (Von Bleiburg bis Traberg - ein traditionelles grenzüberschreitendes Treffen von Chören), jedes Jahr im März [15]

Wirtschaft und Infrastruktur

Laut Arbeitsstättenzählung 2001 gab es in der Gemeinde 61 Arbeitsstätten mit 1.420 Beschäftigten sowie 604 Auspendler und 1.164 Einpendler. Es gibt 136 land- und forstwirtschaftliche Betriebe (davon 30 im Haupterwerb), die zusammen 3.940 ha bewirtschaften (1999).

Mit dem Werk der Mahle Filtersysteme Austria GmbH in St. Michael besitzt die Gemeinde den zweitgrößten Produktionsbetrieb in Kärnten. Das Werk produziert vor allem für die Autoindustrie und beschäftigt rund 1.800 Mitarbeiter (Stand 2005). Ein weiterer wichtiger örtlicher Arbeitgeber sind die Petzen Bergbahnen GmbH, die die Kabinenbahn auf der Petzen sowie im Winter die zugehörigen Pisten und Loipen betreiben.

Durch die nördlichen Ortschaften des Gemeindegebiets führt die Bleiburger Straße (B 81).

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat hat 19 Mitglieder und setzt sich seit der letzten Gemeinderatswahl 2009 wie folgt zusammen:[16]

Direkt gewählter Bürgermeister ist Friedrich Flödl (LFA).[17]

Wappen

Im Wappen der Gemeinde symbolisiert der Wellenbalken die Feistritz. Die goldene Krone steht für den Ungarnkönig Matthias Corvinus (Kralj Matjaž), der der Sage nach im Innern der Petzen schlafen und nach seinem Erwachen ein goldenes Zeitalter herbeiführen wird. Die goldene Waage ist das Attribut des Erzengels Michael, Pfarrpatron und Namensgeber des Hauptortes der Gemeinde.

Wappen und Fahne wurden der Gemeinde am 23. Oktober 1992 verliehen. Die Fahne ist Grün-Gelb mit eingearbeitetem Wappen.

Einzelnachweise

  1. A. F. Reiterer: Lebenswelt Muttersprache, Das Slowenische und seine heutige Wahrnehmung – ein Bericht. In: K. Anderwald, P. Karpf, H. Valentin (Hg.): Kärntner Jahrbuch für Politik 2000. Klagenfurt 2000, 340-362.
  2. A. F. Reiterer: Minderheiten Wegzählen? Methodische und inhaltliche Probleme amtlicher Sprachenzählungen. In: M. Pandel [e.a.] (Hg.): Ortstafelkonflikt in Kärnten – Krise oder Chance? Wien 2004, 25-38.
  3. vgl. Liste der Pfarren im Dekanat Bleiburg/Pliberk
  4. Štefan Singer: Kultur- und Kirchengeschichte des Dekanates Bleiburg, Klagenfurt/Celovec 1979 (Nachdruck)
  5. http://www.karawanken-zukunft.eu/
  6. J. Jež: Opombe h zgodovini slovenskega naroda a časa brižinskih somenikov. In: Monumenta Frisingensia = Brižinski spomeniki : la prima presentazione in Italia dei Monumenti letterari Sloveni di Frisinga del X-XI secolo coevi alle prime tracce scritte della lingua italiana : con traduzione dei testi cenni di storia degli Sloveni e dati sugli Sloveni in Italia / Janko Jež ; prefazione ed appendici storiche di Paolo G. Parovel ; [a cura di Ariella Tasso-Jasbitz e Paolo G. Parovel]. Trieste, Firenze 1995, 91-105.
  7. A. Malle: Tabori na Koroškem. In: ZČ 41 (1987) 599-622.
  8. glej: http://www.smihel.at/
  9. Enciklopedija Slovenije, Lemma: „Družba sv. Cirila in Metoda“, 2. Band, Ljubljana 1991, S. 363-364.
  10. Andrej Vovko: »Slovenski Branik« o koroških podružnicah CMD. In: Koroški koledar 1985 (Klagenfurt/Celovec 1984) 155-165.
  11. Posojilnica Bank Pliberk/Bleiburg: http://www.pbpliberk.at/index.php/de/footer/ueber-uns.html
  12. Posojilnica ist Sponsor des Handballklubs Aich / Dob: http://www.pbpliberk.at/index.php/de/home/nachrichten/items/verlaengerung-des-sponsorvertrages-besiegelt-zusammenarbeit-1728.html
  13. glej: http://www.smihel.at/
  14. http://www.kunst-radweg.at/
  15. www.jskd.si
  16. Amt der Kärntner Landesregierung, abgerufen 18. März 2009.
  17. Amt der Kärntner Landesregierung, abgerufen 18. März 2009.

Weblinks

 Commons: Feistritz ob Bleiburg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien