Fink und Fliederbusch

Fink und Fliederbusch ist eine Komödie in drei Akten von Arthur Schnitzler, die am 14. November 1917[1] im Volkstheater in Wien uraufgeführt wurde. 1901 bis 1916 entstanden, erschien der Text 1917 bei S. Fischer in Berlin.[2]

Der junge Karrieremacher Fliederbusch findet den Weg nach oben.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

1

Der 23-jährige begabte Journalist Fliederbusch publiziert in der liberalen Wiener Tageszeitung Die Gegenwart, einem "demokratischen Organ", eine Entgegnung auf einen Artikel. Den hat ein gewisser Herr Fink in dem Wochenblatt Die elegante Welt veröffentlicht. Es geht um eine Parlamentsrede des Grafen Gisbert Niederhof, Vertreter der Feudalen im Parlament, zu Unruhen in Strakonitz. Fliederbusch wendet sich gegen eine menschenverachtende Äußerung[3] des Grafen. Entstammt Fliederbusch doch einer verarmten kinderreichen Wiener Familie und wird vom Chefredakteur für seine Arbeit schlecht bezahlt.

Auf Betreiben des verantwortlichen Redakteurs will sich die Gegenwart von Fliederbusch trennen. Der Chefredakteur, der eine Nase für Talente hat, bedauert das zwar, ist jedoch mit dem geplanten Hinauswurf einverstanden.

2

Fink und Fliederbusch, so wird der Zuschauer bald überrascht, sind ein und dieselbe Person[4]. Graf Niederdorf nimmt - vornehmlich mittels zahlungskräftiger Herren in Hinterhand - massiven Einfluss auf die "Tonart" in der Eleganten Welt. Ein "militanter" Ton soll in dem Blatt angeschlagen werden. Fink alias Fliederbusch tutet in das Horn des Grafen; stellt ihm seine Feder zur Verfügung. Der Herr Graf ist hoch erfreut.

Herr Styx, ein Mitarbeiter der Eleganten Welt, hat zu Hause die Schränke berstend voll mit Material gegen alle möglichen Leute in Wien. Der ehemalige Offizier, ein übler Erpresser, hat Spielschulden. Er enttarnt Fliederbusch unter vier Augen[5] - natürlich um des eigenen Vorteils willen.

Zwei weitere Herren von der Eleganten Welt lesen aus Fliederbuschs o.g. Entgegnung eine Beleidigung ihres jungen Kollegen Fink heraus. Die Schande muss mit Blut abgewaschen werden. Fink hat nichts gegen das Duell. Die Modalitäten sind rasch verhandelt.

3

Fink biedert sich bei dem Grafen so sehr an, dass der Adelige - gleichsam als Verursacher des Duells - sich für Fink schlagen möchte. Der Journalist lehnt ab. Am Ort des Duells klärt Fliederbusch den Grafen, die Vertreter der beiden Zeitungen und die anderen Anwesenden über die Identität der Duellanten auf. Beide Chefredakteure überbieten sich mit einträglichen Angeboten. Jeder beansprucht den talentierten Schreiberling für sein Blatt. Die Gegenwart, deren Chefredakteur nicht zahlen und Fliederbusch entlassen wollte, macht das Rennen.

Selbstzeugnis

Schnitzler beschreibt den Unterschied zwischen Schriftsteller und Journalist: "Der Dichter scheint sich vom Literaten manchmal nur durch seine geringe Geschicklichkeit in den Bemühungen um einen äußeren Erfolg zu unterschieden."[6]

Rezeption

  • Der erhoffte Premierenerfolg der "bissigen Satire" sei ausgeblieben.[7]
  • Der "politische Journalismus" wird verspottet.[8]
  • Einige Wiener Journalisten glaubten seinerzeit (anno 1917), sich in dem Stück wiederzufinden.[9]
  • Arnold[10] gibt vier weiter führende Literaturstellen zu dem Stück an (Jeffrey B. Berlin (1992), G. J. Weinberger (1993 und 1996) sowie Sigurd Paul Scheichl (1996)). Perlmann[11] nennt noch Blair Ewing (1966), Ernst L. Offermanns (1970) und Kilian (1972).

Verfilmung

Hörspiel

Eintrag 25 in: Hörspiele

Literatur

Quelle
  • Arthur Schnitzler: Fink und Fliederbusch. Komödie in drei Akten S. 271 bis 380 in Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Arthur Schnitzler: Komödie der Verführung. Zeitstücke 1909 - 1924. Mit einem Nachwort von Hermann Korte. S. Fischer, Frankfurt am Main 1961 (Ausgabe 2000). 553 Seiten, ISBN 3-10-073559-5
Erstausgabe
  • Arthur Schnitzler: Fink und Fliederbusch. Komödie in drei Akten. S. Fischer Berlin 1917. Kartoniert. 156 Seiten
Sekundärliteratur
  • Therese Nickl (Hrsg.), Heinrich Schnitzler (Hrsg.): Arthur Schnitzler. Jugend in Wien. Eine Autobiographie. Mit einem Nachwort von Friedrich Torberg. Fischer Taschenbuch. Frankfurt am Main 2006. 381 Seiten, ISBN 978-3-596-16852-1 (© Verlag Fritz Molden, Wien 1968)
  • Michaela L. Perlmann: Arthur Schnitzler. Sammlung Metzler, Bd. 239. Stuttgart 1987. 195 Seiten, ISBN 3-476-10239-4
  • Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Arthur Schnitzler. Verlag edition text + kritik, Zeitschrift für Literatur, Heft 138/139, April 1998, 174 Seiten, ISBN 3-88377-577-0
  • Giuseppe Farese: Arthur Schnitzler. Ein Leben in Wien. 1862 - 1931. Aus dem Italienischen von Karin Krieger. C. H. Beck München 1999. 360 Seiten, ISBN 3-406-45292-2. Original: Arthur Schnitzler. Una vita a Vienna. 1862 - 1931. Mondadori Mailand 1997
  • Peter Sprengel: Geschichte der deutschsprachigen Literatur 1900 - 1918. München 2004. 924 Seiten, ISBN 3-406-52178-9
  • Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Deutsche Autoren A - Z. S. 555, 2. Spalte, 10. Z.v.u. Stuttgart 2004. 698 Seiten, ISBN 3-520-83704-8

Einzelnachweise

  1. Nickl, H. Schnitzler, S. 371, Eintrag anno 1917
  2. Quelle, S. 544 und S. 551, vorletzter Eintrag
  3. "Schießt nur hinein in das Gesindel, wenn es aufmuckt!" Quelle, S. 289, 18. Z.v.o.
  4. Quelle, S. 317, 5. Z.v.u. bis 1. Z.v.u.
  5. Quelle, S.337, 5. Z.v.o. ff.(Schnitzler hat mit keinem Wort herausgearbeitet, wie Styx zu seinem "Wissen" gekommen ist)
  6. Perlmann, S. 102, 22. Z.v.o.
  7. Farese, S. 193 oben
  8. Sprengel, S. 504, 10. Z.v.o.
  9. Korte in der Quelle, S. 544 unten bis S. 545
  10. Arnold, anno 1998, S. 159/160, Absatz 3.5.6
  11. Perlmann, S. 108, vorletzter Eintrag