Komödie der Verführung

Komödie der Verführung ist ein Bühnenstück in drei Akten von Arthur Schnitzler, das am 11. Oktober 1924 am Burgtheater unter der Regie von Hans Brahm in Wien uraufgeführt wurde. 1923 vollendet, erschien der Text 1924 bei S. Fischer in Berlin.[1]

Gevatter Tod klopft am 1. August 1914 an die Tür des 24-jährigen Kadettfeldwebels Max von Reisenberg. Der Wiener Lebemann besinnt sich. Max will das junge Fräulein Seraphine Fenz heiraten - die werdende Mutter seines ungeborenen Kindes. Die Halbwaise Seraphine gibt dem Bonvivant einen Korb.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Max, der vom väterlichen Erbe lebt, hat während der Handlungszeit - vom 1. Mai bis zum 1. August 1914 - nacheinander Liebesaffären mit drei jungen Frauen. Gräfin Aurelie von Merkenstein, die ihr Wort bereits dem Freiherrn Ulrich von Falkenir gegeben hat, erliegt dem Charme des Verführers. Pikanterweise war Jahre zuvor der Vater von Max, ein Wiener Schürzenjäger, vom Vater der Gräfin im Duell erschossen worden. Aurelie aber, sowohl vom Freiherrn als auch vom Prinzen Arduin von Perosa heftig umworben, liebt eigentlich Falkenir. Die Gräfin - "keines Menschen Braut"[2], an einer "Verstörung" leidend - geht mit dem Freiherrn ins Wasser. Die 20-jährige Sängerin Judith Asrael, Schwägerin eines Bankpräsidenten, schätzt Max nüchtern ein und gibt nicht so schnell nach. Auf den Bühnen Europas gastierend, diktiert die erfahrene Frau dem Liebhaber ihre eigenwilligen Bedingungen. Max soll in Wien warten. Judith wird ihn rufen - zu einer einzigen Liebesnacht. Danach muss er gehen. Gesagt, getan. Die Liebe des merkwürdigen Paares in der Nacht zum oben genannten 1. August 1914 in Gilleleije am dänischen Strand nahe bei Skodsborg, markiert in der Tat das Ende dieser zweiten Beziehung des Protagonisten Max. Prinz Arduin, zwar Generalmajor der österreichisch-ungarischen Armee und Major eines französischen Kavallerieregiments, denkt nicht an Krieg und verlässt auf seiner Jacht mit Judith das kriegslüsterne Europa, diese "Narrenwelt", auf Nimmerwiedersehen.

Der Zuschauer kann das Stück als die Geschichte der Liebe von Seraphine zu Max sehen. Mit Fleiß und dank verständnisvoller väterlicher Erziehung hat sich die Kleinbürgerin Seraphine, die um ein Haar "Telephonfräulein" geworden wäre, zur Violinsolistin emporgearbeitet. Eine Gastspielreise führt sie durch Mitteleuropa. Der Vater, ein ehemaliger Kammersänger, begleitet die Tochter. Schon in Wien kannte Seraphine ihre Schwäche für den geliebten Max. Als das Mädchen "auf der Geige spielte, ging er vorbei. Darum... hat es so schön geklungen."[3] In Wien war es auch, in jenem Mai 1914, als sich Max und Seraphine - nur für eine Nacht - liebten. Erst am Tage des Kriegsausbruchs gesteht Seraphine dem Geliebten ihre Schwangerschaft, doch sie verstößt den Ungetreuen.

Zitate

  • "Wo kein Geheimnis ist, da ist keine Gefahr."[4]
  • "Mit dem Widerhall fängt die Kunst erst an."[5]

Zeitstück

Kriegseuphorie im Mai 1914

  • Der Staatsanwalt Braunigl meint, "ein Krieg würde zweifellos reinigend wirken." Und die Fürstin pflichtet ihm bei: "Ein wahrer Jungbrunnen für die Menschheit."[6]

Rezeption

  • Musil[7] bespricht 1924 die Uraufführung. Inhalt, Form und Sprache des Stück können den Rezensenten nicht befriedigen. Musil beklagt die beständige Indirektheit: "Nie wird das Aktuelle erlitten, immer das Zwischenaktuelle."[8] Kafka lehnt Schnitzlers Dramatik ab.[9]
  • Die Komödie - ein verwirrendes Gesellschaftsspiel mit zahlreichen Kontrahenten - erschließt sich nicht leicht. Korte weist in dem Zusammenhang auf das "Anspielungssystem" Schnitzlers hin und nennt "Leitmotive der Verführung": Watteau, Mozart und Wagner.[10]
  • Nach Le Rider steht am Vorabend des Ersten Weltkriegs der Freitod von Aurelie und Falkenir als Symbol für den Todestrieb der ganzen Gesellschaft. Zudem befänden sich alle Figuren des Stücks in einer Identitätskrise. Obwohl die Männer Spieler und die Frauen Spielzeuge seien, machten die Frauen noch die bessere Figur.[11]
  • Arnold gibt weiterführende Arbeiten an: Gerhard Kluge (1984), Reinhard Urbach (Frankfurt am Main 1985) und Heide Eilert (1991).[12] Perlmann[13] nennt noch Melchinger (1968), Andreas Török (1971), Kilian (1972), Offermanns (1973) und William H. Rey (1977)

Literatur

Quelle
  • Arthur Schnitzler: Komödie der Verführung. In drei Akten S. 381 bis 533 in Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Arthur Schnitzler: Komödie der Verführung. Zeitstücke 1909 - 1924. Mit einem Nachwort von Hermann Korte. S. Fischer, Frankfurt am Main 1961 (Ausgabe 2000). 553 Seiten, ISBN 3-10-073559-5
Erstausgabe
  • Arthur Schnitzler: Komödie der Verführung. In drei Akten. S. Fischer Berlin 1924. Broschur. 263 Seiten
Ausgaben
  • Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Arthur Schnitzler. Ausgewählte Werke in acht Bänden. Komödie der Verführung. Zeitstücke. Nachwort von Hermann Korte. 560 Seiten. S. Fischer, Februar 2002, ISBN 978-3-10-073559-1
Sekundärliteratur
  • Michaela L. Perlmann: Arthur Schnitzler. Sammlung Metzler, Bd. 239. Stuttgart 1987. 195 Seiten, ISBN 3-476-10239-4
  • Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.): Arthur Schnitzler. Verlag edition text + kritik, Zeitschrift für Literatur, Heft 138/139, April 1998, 174 Seiten, ISBN 3-88377-577-0
  • Gero von Wilpert: Lexikon der Weltliteratur. Deutsche Autoren A - Z. S. 555, 2. Spalte, 8. Z.v.u. Stuttgart 2004. 698 Seiten, ISBN 3-520-83704-8
  • Jacques Le Rider: Arthur Schnitzler oder Die Wiener Belle Époque. Aus dem Französischen von Christian Winterhalter. Passagen Verlag Wien 2007. 242 Seiten, ISBN 978-3-85165-767-8

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Quelle, S. 546 Mitte, S. 544 und S. 551, letzter Eintrag
  2. Quelle, S. 440, 15. Z.v.o.
  3. Quelle, S. 400, 16. Z.v.u.
  4. Quelle, S. 422, 7. Z.v.u.
  5. Quelle, S. 468, 5. Z.v.o.
  6. Quelle, S. 448, 16. Z.v.o.
  7. Perlmann, S. 106, 22. Z.v.o.
  8. Perlmann, S. 106, 12. Z.v.u.
  9. Perlmann, S. 106, 9. Z.v.u.
  10. Quelle, S. 547 unten
  11. Le Rider, S. 104 Mitte bis S. 105
  12. Arnold (1998), S. 162, linke Spalte, Kap. 3.5.16
  13. Perlmann, S. 108, letzter Eintrag