Herwig Seeböck

Herwig Seeböck (* 7. Dezember 1939 in Wien; † 28. Februar 2011 ebenda) war ein österreichischer Schauspieler, Regisseur und Kabarettist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ursprünglich studierte Seeböck an der Akademie für angewandte Kunst Malerei. Nachdem er nebenbei am Burgtheater Statistenrollen übernommen hatte, wandte er sich bald der Schauspielschule zu. Privaten Unterricht bekam er von Albin Skoda. Am Burgtheater brachte ihm dies erst auch keine größeren Rollen. Aus diesem Grund gründete er ein eigenes Theater, das aber auch nur kurze Zeit überlebte. Von Gerhard Bronner wurde er als Kabarettist ans Neue Theater am Kärntnertor geholt.

Mit 25 Jahren wollte er nach einem Heurigen-Besuch mit einem Freund bei zwei Küchenmädchen im oberen Stockwerk eines Wirtshauses in Grinzing fensterln. Sie wurden für Einbrecher gehalten, von der Polizei gestellt und Seeböck nahm eine Boxerstellung ein, aus Notwehr wie er beteuerte. Die Polizei war anderer Meinung und er wurde wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu viereinhalb Monaten Gefängnis verurteilt. Aus dieser Erfahrung entstand die Große Häfenelegie (aus Häfen, umgangssprachlich für Gefängnis und Elegie für Klagegedicht) mit Charakterstudien, kriminellen Tipps und Alltagsphilosophien, sein bekanntestes Stück. Es wurde 1965 im Neuen Theater am Kärntnertor unter Kurt Sobotka uraufgeführt und zwei Jahre lang gespielt. Insgesamt spielte Seeböck das Stück etwa 3.000 Mal und auch Sohn Jakob brachte es schon zur Aufführung.[1][2]

Es folgten Engagements in Basel, Freiburg im Breisgau, von 1967 bis 1969 in Graz, von 1970 bis 1973 und von 1977 bis 1979 am Wiener Volkstheater und zwischen 1973 und 1976 am Burgtheater. Ab 1981 arbeitete er als freier Schauspieler. Daneben gab er Schauspielunterricht und unterrichtete unter anderem am Reinhardt-Seminar. Zu seinen Privatschülern – die auch Fechtunterricht erhielten – zählten unter anderem Roland Düringer, Alfred Dorfer, Josef Hader, Werner Sobotka, Werner Brix, Florian Scheuba, Christoph Fälbl und Andrea Händler. Weiters führte er Regie, schrieb zahlreiche Stücke fürs Kabarett, spielte selbst Kabarett, malte und übersetzte.

Herwig Seeböck war mit der Schauspielerin Erika Mottl verheiratet, mit der er das „Seeböck-Ensemble“ gegründet hat. Ihr gemeinsamer Sohn Jakob Seeböck wurde ebenfalls Schauspieler.

Vom Schauspieler-Dasein hatte er sich schon einige Jahre vor seinem Tod zurückgezogen. „Ich war bis fünfzig so wild, dass mir das heute wehtut. Mein wildes Leben rächt sich jetzt.“ (2010)[1]

Am 28. Februar 2011 ist Herwig Seeböck im Alter von 71 Jahren verstorben. Er wurde unter großer Anteilnahme in der Feuerhalle des Krematoriums Wien-Simmering verabschiedet. Die Urnenbeisetzung fand im engsten Familienkreis auf dem Grinzinger Friedhof statt.

Werke

  • Die große Häfenelegie, 1966 (Monolog)
  • Haushalt oder Die Sandhasen, 1966
  • Fahrdienstleiter Smafts, 1968 (Monolog)
  • Der Selbstmord, 1970 (Einakter)
  • Für mich sind sie Freie, 1970 (Theaterstück)
  • Singles 1979 (Theaterstück für Karl Merkatz und Götz Kauffmann, Salzburg, Szene der Jugend)
  • Liest Karl Valentin, 1984 (Lesung – mit Ehefrau Erika Mottl)
  • Quer durch, 1985 (Kabarett)
  • Summanochdsdraam in Sievering, 1985 (Sommertheater im Sieveringer Steinbruch)[3]
  • Qualverwandtschaften, 1988 (Kabarettprogramm – Dialog mit Andrea Händler)
  • Ausflüge – Anfälle – Ausfälle, 1989 (Kabarettprogramm)
  • Das Seeböckbuch, 1991
  • Roll over Rilke, 1993 (Kabarettprogramm – Dialog mit Roland Düringer)
  • Krank zu werden ist nicht schwer, 1994 (Kabarettprogramm)
  • Hinterholz 8, 1999 (Film – mit Roland Düringer)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b "Häfenliterat" Herwig Seeböck verstorben, wien.orf.at, 1. März 2011
  2. Heinz Janisch: Schauspieler und Regisseur Herwig Seeböck tot, oe1.orf.at, 1. März 2011
  3. Christoph Hirschmann: Sommertheater einmal anders. In: Arbeiter-Zeitung, 11. Juli 1985, S. 13.