Muttertag – Die härtere Komödie

Filmdaten
Deutscher Titel Muttertag – Die härtere Komödie
Originaltitel Muttertag – Die härtere Komödie
Produktionsland Österreich
Originalsprache Österreichisches Deutsch, Wienerisch
Erscheinungsjahr 1992 (Kino), 1994 (TV)
Länge 99 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Harald Sicheritz
Drehbuch Harald Sicheritz
Roland Düringer
Alfred Dorfer
Peter Berecz
Produktion Sigi Borutta
Heinz Scheiderbauer
Musik Wiener Wunder
Kamera Helmut Pirnat
Schnitt Paul M. Sedlacek
Besetzung
  • Alfred Dorfer als Mischa Neugebauer, Polizist Gratzl
  • Eva Billisich als Evelyn Schöbinger, Jungscharmädchen, Drogeriemarkt-Kassiererin
  • Reinhard Nowak als Edwin Neugebauer, Nachbarjunge 1, Postbeamter, Kellner
  • Andrea Händler als Trude Neugebauer, Jungscharführerin Michaela, Postbeamtin
  • Roland Düringer als Opa Neugebauer, Drogeriemarkt-Kunde, Briefträger, Nachbarjunge 2, Pfarrer, ältere Nachbarsfrau, Radfahrer bei Tankstelle
  • Lukas Resetarits als Sandler
  • Silvia Fenz als Frau Habitzl

Muttertag ist ein österreichischer Film aus dem Jahr 1992, der auf satirische und durchwegs sarkastische Weise das Wiener Kleinbürgertum anhand der Geschehnisse rund um den Muttertag karikiert. Er spielt in einem kommunalen Wohnkomplex (Gemeindebau) in Wien und zeichnet sich unter anderem durch die Teilnahme von zahlreichen österreichischen Kabarettstars und weiteren kulturschaffenden Persönlichkeiten seiner Entstehungszeit aus. Die Wohnhausanlage Am Schöpfwerk in Altmannsdorf in Wien Meidling, welche als Szenario für den Film diente, erregte immer wieder durch soziale Spannungen und Konflikte Aufsehen in der Öffentlichkeit.

Muttertag ist einer der ersten 50 Filme die in der Edition „Der österreichische Film“ als DVD veröffentlicht wurden.

Handlung

Das Ehepaar Edwin und Trude Neugebauer, deren Sohn Mischa und Edwins schwerhöriger und ein wenig seniler Vater wohnen in einer Gemeindewohnung in Wien. Die Romantik scheint aus der Ehe von Edwin und Trude verschwunden zu sein, die erotischen Fantasien letzterer handeln eher von dem attraktiven Polizisten Gerry Gratzl. Als Edwins Vater („Opa Neugebauer“) aufgrund einer unbedachten Äußerung von Mischa mitbekommt, dass geplant ist, ihn einmal in ein Seniorenheim „abzuschieben“, beschließt er, die Familiensparbücher an sich zu nehmen und die Ersparnisse für einen guten Zweck zu spenden.

Mischa, der sich für Computer, Elektronik und Experimente mit seinem Meerschweinchen interessiert, bastelt heimlich an seinem „Muttertagsgeschenk“, einem elektrischen Küchenmesser, dessen Klinge Strom führt und dadurch lebensgefährlich ist. Anschließend wird er von seiner Mutter zum Treffpunkt einer Jungschar-Gruppe begleitet, mit der er den Tag im Park verbringt, unter anderem, um dort Müll aufzusammeln.

Edwin trifft an einer Tankstelle die Chorleiterin Evelyn Schöbinger, mit der er zwei Wochen zuvor bei einem „Einkehr-Wochenende“ des Kirchenchors eine Affäre hatte. Er fühlt sich nach wie vor zu ihr hingezogen, aber für Evelyn war es nur eine einmalige Sache. Trude wird unterdessen in einem Drogeriemarkt beim Ladendiebstahl ertappt, kann aber nach der Einmischung anderer Kunden im Chaos entkommen.

Opa Neugebauer begibt sich auf ein Postamt, um dort die Sparbücher aufzulösen und das Geld zu spenden. Evelyn, die zufällig auch anwesend ist, hilft ihm dabei. Da er die Losungsworte nicht kennt, wird vorerst nur jenes Sparbuch aufgelöst, in dem das Losungwort handschriftlich vermerkt ist.

Als Edwin und Gerry ihrem gemeinsamen Hobby – ferngesteuerten Modellflugzeugen – nachgehen, erfährt Edwin, dass Gerry gerade eine Affäre mit Evelyn hat, was ihn sichtlich schockiert. Später stellt er Evelyn in der Kirche zur Rede, was aufgrund des eingeschalteten Chormikrofons teilweise auch die Gemeinde mithören kann.

Am Muttertag bastelt Edwin auf der Terrasse der Wohnung sein Geschenk für Trude, einen Campingtisch, zusammen. Mischa zerkratzt unterdessen auf der Straße bei einem geparkten Auto den Lack, wird dabei aber von einem Polizisten beobachtet und mit ins Wachzimmer genommen. Von dort aus wird Edwin verständigt, der wiederum Gerry bittet, das für ihn zu regeln, was dieser auch tut.

Trude ruft unterdessen von der Terrasse aus der gerade auf Skates vorbeifahrenden Evelyn, mit der sie gemeinsam einen Bauchtanzkurs besucht, einen Gruß zu, worauf diese stürzt und zu Trude hochkommt, um ihre Schürfwunde zu versorgen. Als die beiden sich unterhalten, glaubt Edwin, es geht um seine Affäre mit Evelyn und erzählt von sich aus die ganze Wahrheit. Als auch noch herauskommt, dass Evelyn dem Opa Neugebauer am Postamt bei der Sparbuch-Auflösung behilflich war, und Mischa behauptet, sie hätte ihm gegenüber etwas Obszönes getan, eskaliert die Situation, worauf im allgemeinen Tumult Evelyn in einen Grillspieß läuft, den Opa Neugebauer in der Hand hält.

Die Neugebauers verstecken die Leiche in einem Teppich. Kurz darauf steht Gerry vor der Tür, da Nachbarn aufgrund des davor durch den Opa zu Tode gekommenen Neugebauerschen Meerschweinchens die Polizei gerufen haben. Gerry regelt das freundschaftlich, und als Opa Neugebauer ihm anschließend vom Balkon aus noch nachruft und fragt, was sie denn mit der „Leiche“ tun sollen, antwortet Gerry, der die Frage auf das tote Meerschweinchen bezieht, „Na haut's as hoit am Grilla“ (werft sie halt auf den Griller).

An einem lauen Juniabend findet im Park der Wohnhausanlage ein Mieterfest statt. Opa Neugebauer ist laut den Nachbarn bereits im Heim, Edwin und Trude sind ein Herz und eine Seele und amüsieren sich gut. Die Nachbarn bedanken sich für die großzügige Grillfleischspende der Neugebauers, auch wenn es ein wenig „süßlich“ geschmeckt hat. Edwin und Trude ziehen es allerdings vor, nicht mitzuessen.

In der Schlussszene sieht man am Strand einer Insel Opa Neugebauer sitzen, der sich diesen luxuriösen Aufenthalt offenbar mit den restlichen Sparbüchern finanziert hat.

Hintergrundinformationen

Muttertag basiert auf einem Kabaretterfolg der Gruppe Schlabarett. Düringer und Dorfer, zwei Drehbuch-Neulinge, reichten das Projekt bei der Österreichischen Filmförderung ein, erhielten ein bescheidenes Budget und wählten mit Sicheritz einen Spielfilmdebütanten zum Regisseur.

Außergewöhnlich an diesem Film ist, dass nur wenige Schauspieler den Großteil der Rollen verkörpern. Die vier Schlabarettisten (Dorfer, Düringer, Händler und Nowak) sowie Billisich verkörpern insgesamt 24 Rollen.

Zusammen mit Indien steht Muttertag für eine inzwischen typisch gewordene Stilrichtung des österreichischen kabarettistischen Films. Einige Zitate erreichten in Österreich den Status geflügelter Worte, etwa das (orthografisch nicht festgelegte) „I sogs glei, I wors ned!“ („Ich sage es gleich: Ich war es nicht!“), mit dem der Opa den Tod des Meerschweinchens kommentiert.

Musiker wie Roland Neuwirth und Willi Resetarits spielen in Muttertag kleinere Rollen.

Weblinks