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vom 06.06.2017, aktuelle Version,

Herwig Seeböck

Herwig Seeböck (* 7. Dezember 1939 in Wien; † 28. Februar 2011 ebenda) war ein österreichischer Schauspieler, Regisseur und Kabarettist.

Leben

Ursprünglich studierte Seeböck an der Akademie für angewandte Kunst Malerei. Zur Finanzierung seines Studiums übernahm er am Burgtheater Statistenrollen. Beeinflusst durch diese Tätigkeit wandte er sich bald der Schauspielerei zu und nahm privaten Unterricht bei Albin Skoda. Da ihm seine Schauspielausbildung am Burgtheater auch keine größeren Rollen einbrachte, gründete er Anfang der 1960er Jahre sein eigenes Theater: die Burgspiele am Leopoldsberg, die bis 1964 bestanden. Anschließend wurde er von Gerhard Bronner als Kabarettist ans Neue Theater am Kärntnertor geholt.

Im Alter von 25 Jahren wollte Seeböck nach einem Heurigenbesuch mit einem Freund bei zwei Küchenmädchen im oberen Stockwerk eines Wirtshauses in Grinzing fensterln. Die beiden wurden für Einbrecher gehalten und von der Polizei gestellt. In den Akten stand, Seeböck habe eine Boxerstellung eingenommen, „aus Notwehr“, wie er beteuerte. Die Polizei sah dies jedoch anders, und Seeböck wurde wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu viereinhalb Monaten Gefängnis verurteilt. Aus dieser Erfahrung entstand die Große Häfenelegie (aus Häfen, umgangssprachlich für Gefängnis und Elegie für Klagegedicht) mit Charakterstudien, kriminellen Tipps und Alltagsphilosophien, sein bekanntestes Stück. Es wurde 1965 im Neuen Theater am Kärntnertor unter Kurt Sobotka uraufgeführt und zwei Jahre lang gespielt. Insgesamt spielte Seeböck das Stück etwa 3.000 Mal.[1][2]

Grab von Herwig Seeböck

Es folgten Engagements in Basel, Freiburg im Breisgau, von 1967 bis 1969 in Graz, von 1970 bis 1973 sowie von 1977 bis 1979 am Wiener Volkstheater und zwischen 1973 und 1976 am Burgtheater. Ab 1981 arbeitete Seeböck als freier Schauspieler. Daneben gab er unter anderem am Reinhardt-Seminar Schauspielunterricht. Zu seinen Privatschülern zählten unter anderem Roland Düringer, Alfred Dorfer, Josef Hader, Werner Sobotka, Werner Brix, Florian Scheuba, Christoph Fälbl, Reinhard Nowak,Gery Seidl, Andrea Händler und Monica Weinzettl. Weiters führte er Regie, schrieb zahlreiche Stücke fürs Kabarett, spielte selbst Kabarett, malte und übersetzte.

Herwig Seeböck war mit der Schauspielerin Erika Mottl verheiratet, mit der er, neben zahlreichen anderen Eigenproduktionen (Karl-Valentin-Abende etc.) das „Seeböck-Ensemble“ gründete. Im Sieveringer Sommertheater, das Herwig Seeböck 1984 ins Leben rief, brachte er mit diesem Ensemble fünfzehn Jahre lang zahlreiche von ihm ins Wienerische übersetzte Shakespeare-Stücke zur Aufführung. Erika Mottls und Herwig Seeböcks gemeinsamer Sohn Jakob Seeböck wurde ebenfalls Schauspieler, Tochter Ida Seeböck ist für Film und Fernsehen, aber auch als Autorin tätig. Im März 2013 erschien ihr erstes Buch, eine Biografie ihres Vaters Herwig Seeböck mit dem Titel Es wird ihnen eine Lehre sein, im Wiener Czernin Verlag.

Vom Schauspieler-Dasein hatte Seeböck sich schon einige Jahre vor seinem Tod zurückgezogen.

„Ich war bis fünfzig so wild, dass mir das heute wehtut. Mein wildes Leben rächt sich jetzt.“

– 2010 [1]

Am 28. Februar 2011 verstarb Herwig Seeböck im Alter von 71 Jahren. Er wurde unter großer Anteilnahme in der Feuerhalle des Krematoriums Wien-Simmering verabschiedet. Die Urnenbeisetzung in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Grinzinger Friedhof (Gruppe 1B, Nummer 55) fand im engsten Familienkreis statt.

Werke

  • Die große Häfenelegie, 1966 (Monolog)
  • Haushalt oder Die Sandhasen, 1966
  • Fahrdienstleiter Smafts, 1968 (Monolog)
  • Der Selbstmord, 1970 (Einakter)
  • Für mich sind sie Freie, 1970 (Theaterstück)
  • Zenz, der „Tschusch“, 1971 (Tatort – Mordverdacht)
  • Singles 1979 (Theaterstück für Karl Merkatz und Götz Kauffmann, Salzburg, Szene der Jugend)
  • Kottan: Folge 16 Smokey und Baby und Bär, 1983
  • Liest Karl Valentin, 1984 (Lesung – mit Ehefrau Erika Mottl)
  • Quer durch, 1985 (Kabarett)
  • Summanochdsdraam in Sievering, 1985 (Sommertheater im Sieveringer Steinbruch)[3]
  • Qualverwandtschaften, 1988 (Kabarettprogramm – Dialog mit Andrea Händler)
  • Ausflüge – Anfälle – Ausfälle, 1989 (Kabarettprogramm)
  • Das Seeböckbuch, 1991
  • Muttertag (Film, 1992)
  • Roll over Rilke, 1993 (Kabarettprogramm – Dialog mit Roland Düringer)
  • Krank zu werden ist nicht schwer, 1994 (Kabarettprogramm)
  • Hinterholz 8, 1998 (Film – mit Roland Düringer)

Einzelnachweise

  1. 1 2 „Häfenliterat“ Herwig Seeböck verstorben. Bei: wien.orf.at. 1. März 2011.
  2. Heinz Janisch: Schauspieler und Regisseur Herwig Seeböck tot. Bei: oe1.orf.at. 1. März 2011.
  3. Christoph Hirschmann: Sommertheater einmal anders. In: Arbeiter-Zeitung. 11. Juli 1985, S. 13.