Isel

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Isel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Isel
Die Isel bei Mitteldorf (Virgen)

Die Isel bei Mitteldorf (Virgen)Vorlage:Infobox Fluss/KARTE_fehlt

DatenVorlage:Infobox Fluss/GKZ_fehlt
Lage Osttirol, Österreich
Flusssystem Donau
Abfluss über Drau → Donau → Schwarzes Meer
Quelle am Umbalkees im Umbaltal
47° 2.6999999999998′ 42″ N, 12° 13.7′ 42″ O47.04512.2283333333332400
Quellhöhe ca. 2400 m ü. A.Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung Bei Lienz in die Drau46.82888888888912.775833333333673Koordinaten: 46° 49.733333333333′ 44″ N, 12° 46.55′ 33″ O
46° 49.733333333333′ 44″ N, 12° 46.55′ 33″ O46.82888888888912.775833333333673
Mündungshöhe 673 m ü. A.Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 1730 m
Länge 57,3 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Einzugsgebiet 1200,86 km²Vorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Abfluss am Pegel Lienz[1]
AEo: 1198,7 km²
Lage: 900 m oberhalb der Mündung
NNQ (1963)
MNQ 1951–2008
MQ 1951–2008
Mq 1951–2008
MHQ 1951–2008
HHQ (1965)
3.0 m³/s
6,11 m³/s
38,8 m³/s
32,4 l/s km²
279 m³/s
720 m³/s
Rechte Nebenflüsse Schwarzach
Linke Nebenflüsse Tauernbach, Kalserbach
Kleinstädte Lienz
Gemeinden Prägraten am Großvenediger, Virgen, Matrei in Osttirol, St. Johann im Walde, Ainet, Oberlienz, Lienz

Die Isel ist ein Nebenfluss der Drau in Österreich (Osttirol). Die Isel entspringt am Umbalkees im Umbaltal in 2400 Meter Höhe und durchfließt anschließend das Virgental, wo der Fluss auch den Namen Kleine Isel trägt. Bei Matrei mündet der etwa gleich mächtige Tauernbach in die Isel, weshalb die Isel ab hier auch als Große Isel bezeichnet wird. Die Isel durchfließt daraufhin das Iseltal, bis sie bei Lienz in 670 Metern Höhe in die hier deutlich kleinere Drau mündet. Die Isel überwindet somit vom Ursprung bis zur Mündung eine Höhe von 1730 Metern und hat eine Gesamtlänge von 57,26 Kilometern. Auf ihrem Weg entwässert die Isel ein Einzugsgebiet von 1.200,86 km², das insgesamt 48 benannte Gewässer umfasst. Wichtigste Nebenflüsse sind der Tauernbach, der Kalserbach und die Schwarzach.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geologie

Die Isel durchfließt auf ihrer gesamten Länge durchwegs einheitliche Formationen aus kristallinen Schiefern. Nur im unteren Teil des Virgentales von Virgen bis Matrei fließt sie durch sehr heterogene Schichten aus metamorphen Kalk- und Dolomitgesteinen. Südlich von Matrei bestimmen hingegen Schotter und Sande den Aufbau des Talbodens. Zwischen Huben und Lienz fließt die Isel durch ein ebenes, relativ breites Trogtal, bis sie vor Lienz vom Oberlienzer Schwemmkegel an die rechte Talseite gedrängt wird und teilweise Felsufer aufweist.

Verlauf

Höhenprofil und Einzugsgebiet der Isel
Die Mündung des Tauernbachs (rechts) in die Isel bei Matrei

Die Isel entspringt im Talschluss des Umbaltals in einem Gletschertor des Umbalkeeses, das mit einer Oberfläche von etwa 5 km² den Hauptgletscher des Umbaltals in der Venedigergruppe der Hohen Tauern bildet. Nach dem Gletschertor bildet der Fluss einen kleinen See und fließt dann zunächst einige Kilometer in südöstlicher Richtung durch das scharf als Kerbtal eingeschnittene Umbaltal. Nach Osten führend überwindet die Isel anschließend mehrere Gefällstufen mit kleinräumigen Verebnungen, von denen die mehrstufigen Umbalfälle („Isel-Katarakte“) ein bekanntes und stark frequentiertes touristisches Ziel in den hohen Tauern sind. Danach durchströmt die Isel das Virgental, das von West nach Ost bis in das Matreier Becken verläuft. Ausgehend von Ströden nimmt die Isel nun einen bogigen Verlauf, der durch die eingetiefte Bachsohle und Ausschotterungskegel bestimmt wird (Zwangsmäander). Eine weitere Steilstufe überwindet der Fluss beim Weiler Bobojach in der Iselschlucht, in deren Folge die Isel durch den Virgener Schwemmkegel an die rechte Talseite gedrängt wird. Nach einer kurzen Gefällstrecke erreicht die Isel schließlich das Matreier Becken, wo von Norden her der Tauernbach einmündet. Bis hierhin hat der Fluss über 1400 m Höhe überwunden.

Nun nach Südosten verlaufend erreicht die Isel nach einer in Kaskaden überwundenen Talstufe die Ortschaft Huben. Danach ist der Lauf der Isel wieder von Schwemmkegeln und Verbauungen geprägt. Im so genannten unteren Iseltal passiert der Fluss die Gemeinden St. Johann im Walde und Ainet. In Lienz mündet der Fluss mit einer mittleren Wasserführung von 38,8 m³/s in die Drau, die an dieser Stelle 14,2 m³/s Wasser führt.[2]

Geschichte

Etymologie

Nach der geläufigsten Deutung geht der Name Isel auf das keltische Wort ys (schnell, reißend) zurück. Nach einer anderen Interpretation steht allerdings ys gleichzeitig für hoch und tief und bezeichnet damit die Vertikale. Eine neuere Deutung bezieht sich auf eine hypothetische indogermanische Wurzel es oder is und leitet daraus eine generische Bezeichnung für „(fließendes) Wasser“ ab. Neben der Isel gehen in ganz Europa mehr als 200 Gewässernamen auf diesen Wortstamm zurück, weitere Beispiele sind die Issel/IJssel (Niederlande), die Isar (Deutschland) oder die Iser (Tschechien).

Siedlungsgeschichte

Das von der Isel durchflossene Virgental und das Iseltal gehörten bereits früh zu den wichtigsten Siedlungsgebieten in Osttirol. Neben dem Hauptsiedlungsbereich Lienz (Aguntum) entwickelte sich im heutigen Gemeindegebiet von Virgen am Oberlauf der Isel ebenfalls ein Siedlungsschwerpunkt. Keramikfunde belegen hier die dauerhafte Anwesenheit von Menschen schon in der Jungsteinzeit. Danach entwickelte sich das obere Iseltal mit Schwerpunkt um Virgen in der Bronzezeit zum Hauptlieferanten von Erzen. Ein bei Welzelach ausgegrabenes Gräberfeld aus der späteren Hallstattzeit belegt die Bedeutung des Virgener Raumes auch in späterer Zeit. Lagen die Siedlungen im heutigen Bereich von Lienz noch auf Anhöhen, so wurde die antike Stadt Aguntum am Beginn der Römerzeit am durch Isel und Drau hochwassergefährdeten Talgrund des Lienzer Beckens errichtet. Die Römer nutzten so eine verkehrsgeographisch begründete Lagegunst am Kreuzungspunkt der Drautal-Straße mit der Straße durch das Iseltal. Nach dem Untergang des Römischen Reiches besiedelten die Slawen das Iseltal, wurden jedoch ab dem 8. Jahrhundert immer mehr von den bairischen Kolonisten verdrängt.

siehe auch: Geschichte Osttirols

Umwelt

Fauna und Flora

Der Oberlauf (Umbaltal) der Isel ist bis zu einer Höhe von etwa 2.100 Metern großteils von Zwergstrauchheiden und alpinen Rasengesellschaften geprägt. Darunter finden sich oft almwirtschaftlich genutzte Flächen. Im Virgental wird unterhalb des Dauersiedlungsraumes fast ausschließlich das orografisch linksseitige Ufer landwirtschaftlich genutzt. Das rechte Ufer und der Bereich über dem Dauersiedlungsraum sind hingegen von Nadelwäldern dominiert. Da das unterhalb des Virgentals befindliche Matreier Becken intensiv landwirtschaftlich genutzt wird, sind die ursprünglichen Auwälder in diesem Bereich verschwunden. Am Unterlauf der Isel zwischen Huben und Lienz findet man wiederum, insbesondere an den weiten Schotterflächen der Ausschotterungsbecken, verschiedene Stadien der Auensukzession.

Im gesamten Verlauf der Isel gibt es keine künstlichen Hindernisse für wandernde Fische. Natürliche Hindernisse sind der Taleingang ins Virgental, die Schluchtstrecke vor Prägraten (Iselschlucht) oder die Umbalfälle. Der Oberlauf im Umbaltal weist zwar keine größeren Hindernisse mehr auf, jedoch ist hier ein Fischvorkommen sehr unwahrscheinlich. Im Oberlauf bis Matrei leben in der Isel insbesondere Regenbogenforellen, im Unterlauf sind es Forellen, Äschen und Huchen.

Naturschutz

Die Isel kurz vor Prägraten

Der Oberlauf der Isel liegt teilweise im Nationalpark Hohe Tauern, wobei die Umbalfälle im hinteren Virgental und der Oberlauf der Isel ab der Daberbachmündung in der Außenzone des Nationalparks liegen. Der oberste Teil des Umbaltals befindet sich schließlich in der Kernzone des Nationalparks. Unterhalb von Huben durchfließt die Isel mehrere Gewässerschutzzonen. Oftmals wurde bereits die Forderung aufgestellt, die Isel ins Schutzprogramm Natura 2000 aufzunehmen, zuletzt im November 2005 vom Österreichischen Umweltdachverband, dem Alpenverein und dem Kuratorium Wald. Begründet wird dieser Schritt insbesondere mit dem schützenswerten Vorkommen der Deutschen Tamariske. Da das Land Tirol bisher auf derartige Forderungen nicht reagiert hatte, urgierten Umweltschützer nun ein Mahnschreiben der EU an das Land Tirol.

Aus der Sicht des Naturschutzes stellt die Isel auf Grund ihres, für Osttirol, einzigartigen Einzugsgebietes einen sehr seltenen Fließgewässerraumtyp dar. Das Land Tirol attestierte 80 % des Isel-Laufes eine hohe bis sehr hohe naturschutzfachliche Wertigkeit. Nur die Abschnitte innerhalb größerer Siedlungen sind geringer eingestuft.

Uferzustand und Verbauungsmaßnahmen

Der Lauf der Isel wird über weite Strecken von Längsbauwerken (Blocksteinsicherungen) und Querbauwerken (Buhnen) begleitet. Dies gilt nicht für den Oberlauf mit den Umballfällen. Ab Ströden (Hinterbichel) sind die Ufer durch Blocksteinsicherungen verbaut. Naturstrecken finden sich danach insbesondere innerhalb der Iselschlucht und unterhalb des Virgener Schotterkegels bis zum Taleingang am Matreier Becken. Blocksteinsicherungen sind auch für den Verlauf der Isel zwischen Matrei und Huben bestimmend. Zwischen Matrei und Lienz liegen aber auch Streckenabschnitte mit großzügig aufgeweiteter Sohle. Vor allem das rechte Ufer ist hier unverbaut geblieben und ist teilweise von Auwäldern gesäumt. Das linke Ufer ist großenteils durch Blocksteine gesichert, zudem begleitet ein asphaltierter Dammweg (Radweg) die Isel. Der Verlauf der Isel im Stadtgebiet von Lienz ist besonders rechts durch Ufermauerwerke hart verbaut, die die Isel kanalartig einengen. Das linke Ufer ist weitgehend durch Blocksteine und Buhnen gesichert.

Gewässergüte

Die Isel verfügt im Oberlauf bis Virgen über eine ausgezeichnete Wasserqualität. Erst durch die Einleitung von Schmutzwasser im Bereich von Virgen, fällt die Gewässergüteklasse auf die II. Stufe. Zwischen Matrei und Huben erreicht die Isel wieder die höchste Wassergüte. Durch saisonale Schwankungen im Tourismus und die damit verbundene teilweise Überlastung der Kläranlage, verschlechtert sich die Güteklasse im folgenden Flussbereich auf II-III. Im Mündungsbereich erreicht der Fluss schließlich wieder die biologische Güteklasse I. Da derzeit für den Bereich Hinterbichl, Prägraten und Virgen ein neuer Ortskanal errichtet wird, steht eine Verbesserung der Wasserqualität im Oberlauf in Aussicht.

Wirtschaftliche Nutzung

Die Isel wird derzeit nicht energiewirtschaftlich genutzt, lediglich an der Einmündung des Kalserbachs befindet sich ein Kraftwerk, das jedoch nur den Kalserbach betrifft. Es gab jedoch im 20. Jhdt. Pläne, eine Reihe von Zuflüssen der Isel in großem Maßstab energiewirtschaftlich zu nutzen - siehe dazu Geschichte von Kals am Großglockner. Die weitere energiewirtschaftliche Nutzung des Flusses bzw. seiner Zuflüsse ist aktuell politisch umstritten. Zwar wurde die Planung des Pumpspeicherkraftwerkes Matrei-Raneburg, das auch eine Nutzung der Isel nahelegte, als auch die eines Kraftwerkes an der unteren Isel abgebrochen, jedoch gibt es seit 2011[3] Pläne, ein Ausleitungskraftwerk an der oberen Isel (Virgental) zu errichten. Dagegen hat sich eine Bürgerinitiative gebildet[4]. Am 14. Juni 2012 gab es in Prägraten und Virgen eine Abstimmung über den "Bau und die Planung eines umweltverträglichen Kraftwerkes an der Isel", die mehrheitlich für das Kraftwerk ausging[5], allerdings von mehreren Seiten umstritten wurde[6].

Die Isel ist auf weiten Strecken ein beliebter Anlaufpunkt für Wassersportarten wie Kanufahren, Wildwasserpaddeln und Rafting. Außerdem wird der Fluss auf Grund seines Fischreichtums an vielen Stellen von Anglern genutzt.

Einzelnachweise

  1. Hydrographisches Jahrbuch Österreichs 2008, S. OG322)
  2. Mittlere Werte des Draupegels Lienz-Peggetz 1 km unterhalb der Iselmündung abzüglich der mittleren Werte des Iselpegels Lienz
  3. Geheim: Prägraten und Virgen planen Isel-Kraftwerk
  4. Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental
  5. Befragungsergebnis über die Planung eines Kraftwerkes an der Isel
  6. Stellungnahme der Bürgerinitiative gegen das Kraftwerk Virgental

Weblinks

Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 1. Dezember 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.