Johann Paul Schilck

„Pery“-Altar, 1717 vom Schwiegersohn J.P.Schilck restauriert, erneut zerstört, 1996 Altarblatt
Oberes Belvedere
Kaisersteinbrucher Hochaltar, 1720 Werk der Bruderschaft, einer davon Schilck, zerstört, 1997 restauriert
Schloss Hof, Brunnenbecken aus dem Kaisersteinbrucher Stein
Schloss Hof, Große Teppenanlagen, ebenso

Johann Paul Schilck (* 1667 in Ravelsbach, Niederösterreich; † 3. August 1745 in Kaisersteinbruch, Ungarn, heute Burgenland) war ein österreichischer Steinmetzmeister des Barock.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Paul lernte das Steinmetzhandwerk in der Wiener Bauhütte bei Meister Johann Carl Trumler und wurde 1687 freigesprochen. Er wohnte im Eisenhutischen Haus neben dem kaiserlichen Arsenal im Tiefen Graben.

Heirat nach Kaisersteinbruch

Catharina Fuxin, Tochter von Antonius Pery und Ehefrau Anna Catharina, geborene Retacco, Witwe nach Meister Reichardt Fux, geweste Richterin, heiratete am 23. November 1700 in der Schottenkirche zu Wien in zweiter Ehe den Gesellen Johann Paul Schilck. Einer der Trauzeugen war sein Lehrherr Meister Johann Carl Trumler. Die Witwe war erst 26 Jahre alt. Am 31. Oktober 1709 wurde ihr Sohn Johann Paul jun. geboren.

Richteramt

Das Amt des Richters führte Giovanni Battista Passerini aus, ihm folgte Sebastian Regondi, noch einmal hatten sich die Italiener im Steinbruch durchgesetzt. 1711 wurde Schilck Richter, so war es für das Ehepaar eine Ehrensache, den vom Vater/Schwiegervater Antonius Pery gestifteten und errichteten Altar in der Kaisersteinbrucher Kirche wieder instandzusetzen. Abt Gerhard Weixelberger erwähnt die Initiative in einem Brief. Catharina Schilckin ließ ihren Ehemann 1713 im Grundbuch einschreiben.

Die Meister des Kaisersteinbrucher Steinmetzhandwerkes

Schilck amtierte als Richter von 1711 bis 1722, seine Mitmeister in diesen Jahren waren Hans Georg Haresleben, Elias Hügel, Ambrosius Hutter, Johann Baptist Kral, Sebastian Regondi, Simon Sasslaber, Franz Trumler und Johann Wieser. 1722 legte er das Richteramt zurück, Nachfolger wurde Hofsteinmetzmeister Elias Hügel.

Befreiung von militärischer Einquartierung

Kaiser Karl VI. erneuerte und bestätigte am 5. Dezember 1712 das Salva-Guardia-Privilegium den Meistern Hans Georg Haresleben, Sebastian Regondi, Johann Paul Schilck, Elias Hügel, Johann Baptist Kral und Simon Sasslaber. In der Folge waren sie und ihre Nachkommen von jeglicher militärischer Einquartierung befreit. Am 20. Dezember 1714 genehmigte und erneuerte der Kaiser die eigenständige Viertellade in Kaisersteinbruch.

In den Kaisersteinbrucher Matriken lässt sich einzig der Lebensweg des jüngsten Sohnes Johann Paul weiter verfolgen, er heiratete im Juni 1734 die Sommereinerin Barbara Hoffbäuerin, drei Kinder wurden geboren. Am 23. September 1740 starb der junge Vater mit 31 Jahren. Der Besitz wurde seinem jungen Mitmeister Maximilian Trumler verkauft, die Witwe Barbara ehelichte 1745 Martin Huber, Käsestecher zu Bruck an der Leitha.

Ehrensäule für Elias Hügel

Rest der Ehrensäule

Nach dem Tod des herrschaftlichen Verwalters zu Königshof Pater Raymund Vitali am 13. September 1740 war die Kaisersteinbrucher Bruderschaft von einem schweren Druck befreit. Er handelte im Sinne eines Inquisitors und hatte Elias Hügel unehrenhaft als Richter abgesetzt. Johann Paul Schilck veranlasste als Zechmeister der Steinmetz-Zunft die Errichtung einer Ehrensäule für Meister Elias Hügel.

Durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs steht die Säule nicht an ihrem ursprünglichen Platz im Bereich der Steinbrüche, sondern vor dem Schloss Königshof. Da nach dem Krieg nur Reste erhalten waren, wurde sie nach einer vorhandenen Zeichnung im Steinmetzmuseum errichtet und in Gemünden am Main, der Geburtsstadt Hügels, als Kopie aufgestellt.

Am 23. April 1745 starb Catharina Schilck im Alter von 70 Jahren, am 3. August 1745 verstarb Johann Paul Schilck im Alter von 77 Jahren. Damit endet der Name Schilck in Kaisersteinbruch. Sein Epitaph[1] ist in Privatbesitz.

Das Steinmetzzeichen von Meister Schilck ist auf dem Kaisersteinbrucher Ortsstein des Bildhauers Alexandru Ciutureanu eingemeißelt.

Werke

Literatur

  • Archiv Mosonmagyaróvár Nr. 36/1494: Königlicher Beschluss von Maria Theresia.
  • Wiener Stadt- und Landesarchiv: Steinmetzakten.
  • Otto E. Plettenbacher: Geschichte der Steinmetze von Wien im 17. Jahrhundert. Eine wirtschafts- und kulturhistorische, als auch soziologische Untersuchung. Preisliste von 1688, Satzordnung der Steinmetzarbeiten. Dissertation, Universität Wien 1960.
  • Stift Heiligenkreuz Archiv: Kirchenbücher, Register.
  • Helmuth Furch: In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch.
Die Familien Fux und Schilck. Nr. 4, 1991, S. 5–10.
Das löbliche Gotteshaus Rochus und Sebastian im kaiserlichen Steinbruch, Festschrift. Nr. 40, 1995, S. 16, 18f.
  • Anna Maria Altmann: Der Pery/Schilck-Altar. In: Mitteilungen des Museums- und Kulturvereines Kaisersteinbruch. Nr. 40.
  • Helmuth Furch, Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. 2 Bände. Museums- und Kulturverein, Kaisersteinbruch 2002–2004.
  • Burghard Gaspar: Der weiße Stein von Eggenburg. Der Zogelsdorfer Kalksandstein und seine Meister. In: Das Waldviertel. Heft 4, 1995.

Einzelnachweise

  1. Allhier ruehet der ehrnveste Herr Johann Paul Schilckh / gewester steinmetzmeister / hat das richterambt 12 jahr administrieret / ist in gott entschlafen anno 1745 .. 77 jahr .. verleihe ihm und allen christglaubigen ein frolige auferstehung. Amen.