Ravelsbach

Ravelsbach
Wappen von Ravelsbach
Ravelsbach (Österreich)
Ravelsbach
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Hollabrunn
Kfz-Kennzeichen: HL
Fläche: 26,34 km²
Koordinaten: 48° 33′ N, 15° 51′ O48.5515.85265Koordinaten: 48° 33′ 0″ N, 15° 51′ 0″ O
Höhe: 265 m ü. A.
Einwohner: 1.667 (1. Jän. 2012)
Bevölkerungsdichte: 63,29 Einw. pro km²
Postleitzahl: 3720
Vorwahl: 02958
Gemeindekennziffer: 3 10 36
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 5
3720 Ravelsbach
Website: www.ravelsbach.at
Politik
Bürgermeister: Walter Schmid (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(19 Mitglieder)
13 ÖVP, 6 SPÖ
Lage der Marktgemeinde Ravelsbach im Bezirk Hollabrunn
Alberndorf im Pulkautal Göllersdorf Grabern Guntersdorf Hadres Hardegg Haugsdorf Heldenberg Hohenwarth-Mühlbach am Manhartsberg Hollabrunn Mailberg Maissau Nappersdorf-Kammersdorf Pernersdorf Pulkau Ravelsbach Retz Retzbach Schrattenthal Seefeld-Kadolz Sitzendorf an der Schmida Wullersdorf Zellerndorf Ziersdorf NiederösterreichLage der Gemeinde Ravelsbach im Bezirk Hollabrunn (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Ravelsbach ist eine Marktgemeinde mit 1667 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2012) im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Ravelsbach liegt im Weinviertel in Niederösterreich. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 26,37 Quadratkilometer. 4,25 Prozent der Fläche sind bewaldet.


Ravelsbach liegt etwa 19 Kilometer vom Verwaltungssitz des Bezirkes, der Stadt Hollabrunn, und rund 50 Kilometer von der Landeshauptstadt St. Pölten entfernt. Bis zur tschechischen Grenze sind es knapp 35 km Entfernung.

Geschichte

Besiedlung

Die Gegend von Ravelsbach ist uraltes Siedlungsgebiet. Es wurden Feuerstellen und Werkzeuge aus der Altsteinzeit gefunden, in der Jungsteinzeit ist eine Dauersiedlung anzunehmen. Grabungen brachten Funde zu Tage, die in den Museen Horn, Eggenburg, Krems, sowie im Niederösterreichischen Landesmuseum und im Naturhistorischen Museum in Wien zu sehen sind.

Nennung

In das Licht der Geschichte tritt der Ort während der fränkischen Kolonisation durch die Babenberger. Das eigentliche Gründungsjahr ist nicht bekannt.

Im jahre 1083 wird Ramuoldespach erstmals in einem Stiftsbrief erwähnt. Der Name geht je nach Quelle auf einen Raffolt, Romuald, Ramoult oder Ramult zurück, der an einem Bach lebte, welcher nach ihm benannt wurde. Dieser Name ging später auf den Ort über.[1]

Aus der Geschichte

1110 gründete Leopold der Heilige die Pfarre Ramuoltisbach, zu der ursprünglich 32 Ortschaften gehörten. Damit war Ravelsbach zu einem Zentrum geworden und entwickelte sich anders als die umliegenden Ortschaften. Diese entwickelten sich bäuerlich, während in Ravelsbach Handel und Handwerk aufblühten. In einem Melker Urbar wurde Ravelsbach 1314 bereits als Markt bezeichnet, das Erhebungsdekret fehlt aber.

1339 wirkte hier ein Schulmeister. Es ist die erste urkundliche Erwähnung eines Schulmeisters im Verwaltungsbezirk Hollabrunn überhaupt. Zur selben Zeit gab es in Ravelsbach auch schon eine Badstube, somit auch einen Bader (Arzt).

Zwischen 1425 und 1430 hatte die Bevölkerung Ravelsbachs wiederholt unter Hussiteneinfällen zu leiden. 1481 besetzte der Ungarnkönig Matthias Corvinus den Markt mit seinen Truppen. 1493 verlieh der römisch-deutsche König Maximilian Ravelsbach das Marktrecht für zwei Jahrmärkte.

Die Schweden unter General Torstenson lagerten im Dreißigjährigen Krieg 1645 zu Ravelsbach im Quartier. Ein Sgraffito am Sternwirtshaus erinnert noch heute daran. Zwischen 1679 und 1680 suchte die Pest den Ort heim. Drei Jahre später bedrängten 1683 die Türken Ravelsbach.

Von 1721 bis 1726 wurde die barocke Pfarrkirche Ravelsbach nach Plänen von Jakob Prandtauer erbaut. Verkehrstechnisch erschlossen wurde Ravelsbach im Jahr 1770 mit dem Bau der Kaiserstraße (Reichsstraße). Bei einem Brand im Jahr 1786 fielen insgesamt 17 Wohn- und Nebengebäude sowie der Helm des Kirchturmes den Flammen zum Opfer. 1796 wurde erstmals eine Schützengesellschaft erwähnt. Während der Franzosenkriege zwischen 1799 und 1813 hatte Ravelsbach unter zahlreichen Rekrutierungen und Einquartierungen zu leiden.

Bei einem Brand in der Kremserstraße wurden 1828 insgesamt 14 Häuser eingeäschert. Vier Jahre später und über 150 Jahre nach der Pest wurde die Stadt 1832 von der Cholera heimgesucht. Bei einem Hochwasser im Jahr 1844 ertrinken drei Personen.

1848 kommt es zur Bauernbefreiung und zur Auflösung der Grundherrschaft. Die Gemeinde, die jahrhundertelang unter dem Schutz des mächtigen Stiftes Melk gestanden war, musste ihre Angelegenheiten nun selbst in die Hand nehmen. Die Aufgaben der Grundherrschaft übernahmen das Bezirksamt, Steueramt und Notariat. 1850 wurden das Postamt als Postamt mit Fahrpost sowie ein Gendarmerieposten errichtet. 1851 nehmen das Bezirksamt, später Bezirksgericht, das Steueramt und das Notariat ihre Tätigkeit auf. Ravelsbach wurde damit Zentrum des Gerichtsbezirkes Ravelsbach.

1866 wurde der erste Bezirksstraßenausschuss – ein Vorläufer der Straßenmeisterei – erstmals gewählt. Noch im selben Jahr wurde der Ort durch preußische Soldaten besetzt; erneut brach die Cholera aus und forderte dieses Mal 40 Todesopfer.

Die Gründung der Sparkasse im Jahr 1869 stellt einen Meilenstein für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde dar. 1870 wurde daraufhin auch die Franz-Josefs-Bahn fertig gestellt, die Ravelsbach mit Gmünd in der einen und Wien in der anderen Richtung verband.

In den folgenden Jahren wuchs der Ort weiter. Die Freiwillige Feuerwehr Ravelsbach wurde im Jahr 1882 gegründet. 1889 wurde das alte Rathaus am Hauptplatz abgerissen und ein neues errichtet. Acht Jahre später wurde der Schulneubau fertiggestellt und weitere zwei Jahre später ein Kindergarten eingerichtet. Der zunehmenden Bedeutung des Ortes wurde Rechnung getragen, indem Ravelsbach 1896 eine Haltestelle auch für den Personenverkehr im Streckennetz der Kaiser-Franz-Josephs-Bahn wurde. 1909 erfolgte der Anschluss an das Telefonnetz und drei Jahre später wurde im Postamt der Telefondienst eingeführt.

Wegen des ersten Weltkrieges musste die Gemeinde 1917 die zwei großen Glocken der Pfarrkirche abgeben, damit aus ihnen Kriegsmaterial geschmolzen werden konnte.

1921 wurde eine Bürgerschule, eine Vorläuferin der Hauptschule, errichtet die von begabten Kindern der Umgebung besucht wurde, diese wurde 1927 zu einer Hauptschule umfunktioniert. 1922 wurde die Bezirksbauernkammer eröffnet, 1923 wurde der Ort an das Stromnetz angeschlossen. Mit dem Anschluss an das Deutsche Reich 1938 wurde der Gemeindetag aufgelöst. Nachdem das Deutsche Reich den Zweiten Weltkrieg verlor, wurde 1945 unter anderem auch Ravelsbach durch die Russen besetzt. Im Ort selbst befand sich eine Kommandantur. 1946 zogen die Russen wieder aus Ravelsbach ab.

1947 wurde der Sportverein gegründet. 32 Jahre nachdem die beiden Glocken zur Einschmelzung abgegeben werden mussten, wurden 1949 die neuen Glocken der Pfarrkirche Ravelsbach geweiht. 1954 wurde der neue Kindergarten eröffnet. Im Jahr 1957 wurde eine Wasserleitung in Betrieb genommen und Ravelsbach damit an das Wassernetz angeschlossen.

Durch Vereinigung der Orte Ravelsbach, Oberravelsbach, Baierdorf und Parisdorf entstand 1967 die Großgemeinde Ravelsbach. In dieser wurde 1969 die Hauptschule neu gebaut sowie 1970 die Jugenddeutschmeisterkapelle gegründet. 1971 kamen zur Großgemeinde noch die Orte Gaindorf, Pfaffstetten und Minichhofen dazu. Aufgrund der nun vorhandenen Infrastruktur erhielt Ravelsbach 1973 im zentralen Raumordnungsprogramm der Niederösterreichischen Landesregierung von fünf Stufen die Stufe 1.

1976 wurde beim Ort eine Kläranlage gebaut und die bestehende Wasserversorgungsanlage erweitert. Im Jahr darauf wurden das Lehrschwimmbecken und Hallenbad fertiggestellt sowie die neue Hauptschule feierlich eröffnet. Im Jahr 1979 wurde schließlich das Sportzentrum errichtet.

Der erste Wohnblock des neu errichteten Wohnparks wurde 1982 den Mietern übergeben. 1983 wurde das 900jährige Jubiläum der ersten Nennung von Ravelsbach gefeiert. Die Straßenmeisterei wurde ab 1984 neu gebaut und schließlich 1986 wiedereröffnet. Die alte Straßenmeisterei wurde von der Gemeinde angekauft und als Bauhof adaptiert. 1991 wurden sowohl die Tennishalle als auch das neue Feuerwehr- und Schulungszentrum mit integriertem Gendarmerieposten gebaut. Im selben Jahr wurde das Bezirksgericht geschlossen.1992 wurde das Amtshaus umgebaut sowie der Hauptplatz neu gestaltet.

Im Jahr 1993 wurde das Fest "500 Jahre Marktgemeinde Ravelsbach" gefeiert. Im selben Jahr schlossen sich außerdem die Sparkassen Horn, Ravelsbach und Kirchberg zu einer Aktiengesellschaft zusammen, infolge dessen wurde das "Saglhof"-Gerichtsgebäude an die Sparkassen AG verkauft. 1995 wurde die gemeindeeigene Musikschule gegründet, im Jahr darauf der Kulturpfad geschaffen. Schließlich wurde 1998 der Volksschulzubau mit Turnsaal eröffnet.

Im Jahr 2008 wurde mit den Arbeiten zur Restaurierung des Jugendheims begonnen.

Einwohnerentwicklung

Nach dem Ergebnis der Volkszählung 2001 gab es 1803 Einwohner. 1991 hatte die Marktgemeinde 1731 Einwohner, 1981 1672 und im Jahr 1971 1797 Einwohner.

1869 hatte die Gemeinde 2.179 Einwohner. Bis 1910 stieg die Einwohneranzahl, zu diesem Zeitpunkt betrug sie 2.374 Menschen. Seitdem nahm die Einwohneranzahl ab auf 1.712 Menschen im Jahr 2009, was eine Abnahme von ganzen 21 Prozent seit 1869 bedeutet.

Politik

Bürgermeister der Marktgemeinde ist Walter Schmid, Amtsleiter Josef Kaltenböck. Im Marktgemeinderat gibt es bei insgesamt 19 Sitzen nach der Gemeinderatswahl vom 14. März 2010 folgende Mandatsverteilung: ÖVP 13, SPÖ 6, andere keine Sitze.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Wirtschaft und Infrastruktur

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 72, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 100. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 789. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 45,14 Prozent.

Persönlichkeiten

  • Johann Paul Schilck (1667–1745), Steinmetzmeister, wurde in Ravelsbach geboren.
  • Ulrich Petrak (1753–1814), Lyriker, wirkte von 1789 bis 1814 im Ort.
  • Felix Mitterer (* 1948), Dramatiker und Schauspieler, lebt seit 2011 in Ravelsbach.

Einzelnachweis

  1. Kirchenführer herausgegeben vom Pfarramt Ravelsbach, Verlag Gottfried Rennhofer, Korneuburg 2001

Weblinks

 Commons: Ravelsbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien