Künstlerhaus Wien

Künstlerhaus, 1883 August Kronstein (Künstlerhaus Archiv)
Künstlerhaus, Historische Ansicht, Wienfluß, undatiert (Künstlerhaus Archiv)
Luftansicht Künstlerhaus, undatiert (Künstlerhaus Archiv)
Die südliche Hauptfront des Künstlerhauses am Karlsplatz
Die westliche oder linke Seitenfront an der Akademiestraße mit dem Eingang zum Künstlerhaus-Kino
Künstlerhaus_Ausstellung "Megacool 4.0" 2012, Foto Copyright Michael Nagl
Künstlerhaus_Ausstellung "Mihaly Munkacsy" 2012, Foto Copyright Michael Nagl
Künstlerhaus_Ausstellung "Beziehungsarbeit. Kunst und Institution" 2011, Foto Copyright Markus Krottendorfer
Künstlerhaus_Ausstellung "Space Inventions" 2011, Foto Copyright Markus Krottendorfer
Künstlerhaus_Ausstellung "Wohnmodelle" 2008, Foto Copyright Wolfgang Thaler

Das Künstlerhaus ist ein Ausstellungsgebäude im Stadtzentrum von Wien (1. Bezirk). Es befindet sich in der Ringstraßenzone zwischen Akademiestraße, Bösendorferstraße, Dumbastraße und Musikvereinsplatz, neben dem Gebäude des Wiener Musikvereins, und hat seinen Haupteingang vom Karlsplatz aus.

Das Gebäude wurde 1865–1868 errichtet und dient seither als Ausstellungshaus für Malerei, Bildhauerei, Architektur und angewandte Kunst. Eigentümer ist die Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, Künstlerhaus, die älteste bestehende Künstlervereinigung Österreichs. Seit 1947 betreibt das Künstlerhaus auch ein Kino, das unter anderem eine der Spielstätten des jährlichen Filmfestivals Viennale ist.

Inhaltsverzeichnis

Die Künstlervereinigung

In der Vorstadt Laimgrube, die 1850 als Teil des neuen Bezirks Mariahilf nach Wien eingemeindet wurde, gab es Ecke Untere Stättengasse (seit 1862 Dürergasse) und Canalgasse (seit 1902 Joanelligasse) das Gasthaus „Zum blauen Strauß“. Dort stellte der Architekt Leopold Ernst 1847 unter gewaltiger Kostenüberschreitung einen neugotischen Festsaal fertig.[1][2] Dieser Saal war der Treffpunkt des 1851 gegründeten Vereins junger Künstler und Akademiker, der sich später in Albrecht-Dürer-Verein umbenannte.[3]

1861 schlossen sich die Künstlervereine Eintracht und Albrecht-Dürer-Verein unter dem Namen Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens zur damaligen Standesvertretung der Wiener Maler, Bildhauer und Architekten zusammen. 1868 wurde das neue Haus bezogen. 1897 spalteten sich einige moderne Künstler vom Künstlerhaus ab und gründeten die Wiener Secession. Damit verlor das Künstlerhaus seine Funktion als maßgebliche Interessenvertretung aller Künstler.

Seit 1972 steht die Vereinigung auch Vertretern der angewandten Kunst offen. 1976 wurde sie, unter Beibehaltung der genossenschaftlichen Rechtsform, in Gesellschaft bildender Künstler Österreichs, Künstlerhaus umbenannt. Seit 1983 sind auch Film- und Audiovisionskünstler Mitglieder. Die 1985 gegründete Künstlerhaus-Ges. m. b. H. organisiert Ausstellungen auch für andere Museen und Institutionen.[4]

Baugeschichte

Nach der Ende 1857 getroffenen Entscheidung Kaiser Franz Josephs I., die Stadtmauern demolieren zu lassen, wurde die Wiener Ringstraße als repräsentativer Boulevard geplant und gebaut und vom Kaiser 1865, im Jahr des Baubeginns des Künstlerhauses, eröffnet. Der beim Innenministerium errichtete Stadterweiterungsfonds hatte die Aufgabe, das ehemalige Militärareal zu verwerten, und verkaufte die meisten Grundstücke an private Investoren. Zur Attraktivität der neuen Ringstraßenzone sollten Kultureinrichtungen beitragen, denen der Fonds Grundstücke gratis zur Verfügung stellte. Zu diesen Einrichtungen zählten das Künstlerhaus und der Musikverein, die gegenüber der Karlskirche Grundstücke am Ufer des damals noch offen fließenden Wienflusses erhielten.

Architekt des Künstlerhauses war August Weber (1836–1903), der 1863 / 1864 das Gartenbaugebäude am Parkring errichtet hatte. Er orientierte sich am Stil einer italienischen Renaissancevilla des Jacopo Sansovino. Die Wiener Firma Anton Wasserburger führte sämtliche Steinmetzarbeiten durch, dabei wurden vorrangig St. Margarethener und Wöllersdorfer Stein sowie Kaiserstein aus Kaisersteinbruch verwendet. Franz Joseph I. setzte den Schlussstein.

Das am 1. September 1868 – fast neun Monate vor der nahen k. k. Hofoper und 16 Monate vor dem benachbarten Musikverein – eröffnete Haus erhielt 1882 einen größeren Zubau, nämlich die beiden Seitenflügel, in denen später 1949 links ein Kino und 1974 rechts ein Theater untergebracht wurde; im gleichen Jahr wurde die Erste Internationale Kunstausstellung im Künstlerhause veranstaltet. 1888 wurde der Innengarten überdacht.

Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts begannen die Bauarbeiten an der Wiener Stadtbahn und an der teilweisen Einwölbung des Wienflusses. Seit 1899 ist die dem Künstlerhaus unmittelbar benachbarte Stadtbahnstation (seit 1980 ausschließlich U-Bahn-Station), gestaltet von Otto Wagner, in Betrieb. 1899 / 1900 wurde auch die Wienflusseinwölbung fertiggestellt, so dass sich die Vorderseite des Künstlerhauses nun nicht mehr an einem Flussufer, sondern am Rand des neuen, großen, 1899 benannten Karlsplatzes befand.

1956/57 wurde der Stiftersaal einer massiven Modernisierung unterzogen.

Bauspekulation

Im 20. Jahrhundert geriet der für den Ringstraßenbereich ungewöhnlich niedrige Bau mehrmals unter spekulativen Abriss- oder wenigstens Aufstockungsdruck. So sah der Plan Kaym / Hetmanek Anfang der 1930er Jahre die Ersetzung des historistischen Pavillons durch achtgeschoßige Zinshäuser vor, 1935 machte sich der junge Roland Rainer Gedanken über eine „bauliche Verdichtung“ an diesem prominenten Ort.

Die Richtlinien des Planungswettbewerbs Karlsplatz machten 1946 deutlich, dass die Stadt Wien das Künstlerhaus sowie das Verkehrsbürogebäude am anderen Ende des Karlsplatzes als entbehrlich ansah (beide bestehen bis heute). Zu nennen ist auch der 1966 von Karl Schwanzer für IBM geplante Bürobau anstelle des Künstlerhauses, der allerdings bei Bevölkerung und Medien auf breiten Unmut stieß. Der Fall Florianikirche im Sommer 1965 hatte hier wohl zu einem Umdenken geführt.

Aktuelle Überlegungen

Heute sind wieder Planungsüberlegungen im Gange, das Künstlerhaus durch Aus- und Umbauten stärker in den Museumscluster am Karlsplatz zu integrieren. Beispielsweise wurde das Ergebnis eines 1999 durchgeführten Architektenwettbewerbs, das den Ersatz der beiden Seitenflügel durch Glaspavillons vorgesehen hatte, von Beppo Mauhart im Juli 2010 erneut ins Spiel gebracht.

Das an der südöstlichen Seite des Karlsplatzes befindliche Wien-Museum, 1959 als Historisches Museum der Stadt Wien eröffnet, hat das Künstlerhaus immer wieder monatelang für Ausstellungen gemietet; darunter waren:

  • 1985: Traum und Wirklichkeit. Wien 1870–1930 (Direktion Robert Waissenberger), gestaltet von Hans Hollein; mit 622.000 Besuchen bis heute Wiener Rekord
  • 1987: Biedermeier und Vormärz (Direktion Günther Düriegl), gestaltet von Boris Podrecca
  • 2004: Alt-Wien. Die Stadt, die niemals war (Direktion Wolfgang Kos)
  • 2009 / 2010: Kampf um die Stadt. Politik, Kunst und Alltag um 1930 (Direktion Wolfgang Kos)

Es gab daher Überlegungen, das Künstlerhaus in die Verwaltung des unter Platzmangel leidenden Wien-Museums zu übertragen, doch konnte sich die Künstlervereinigung damit nicht anfreunden. Mittlerweile wird dies auch im Wien-Museum nicht mehr erwogen und mit der Stadtverwaltung diskutiert, wo für das Museum ein Neubau errichtet werden könnte.

Das Kunsthistorische Museum hat das Künstlerhaus in der Direktionsära Wilfried Seipel im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ebenfalls für Ausstellungen genützt. Später hat das Unterrichtsministerium dafür keine Mittel mehr bereitgestellt, wodurch sich im Budget des Künstlerhauses eine beträchtliche Lücke auftat.

2011 wurde öffentlich thematisiert, dass aufgetretene Bauschäden viel Geld für Reparaturen erfordern würden, dass aber die Künstlervereinigung diese Mittel aus dem laufenden Betrieb des Künstlerhauses nicht erwirtschaften kann. Die als Subventionsgeber in Frage kommenden Institutionen, das Unterrichtsministerium und das Kulturressort der Wiener Stadtverwaltung, haben allerdings selbst mit Budgetproblemen zu kämpfen.

Literatur

  • Wilhelm Rüdiger (Hrsg.): Junge Kunst im Deutschen Reich. i. A. des Reichsstatthalters & Reichsleiters Baldur von Schirach. Ausstellung Februar – März 1943 im Künstlerhaus Wien. Ehrlich & Schmidt, Wien 1943 (Ausstellungskatalog, Gesellschaft bildender Künstler).
  • Wladimir Aichelburg: Das Wiener Künstlerhaus 1861 – 1986. 125 Jahre in Bilddokumenten. Kunstverlag Wolfrum, Wien 1986, ISBN 3-900-178-04-6.
  • Wladimir Aichelburg: Das Wiener Künstlerhaus 1861 – 2001. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien,
    • Band 1: Die Künstlergenossenschaft und ihre Rivalen Secession und Hagenbund. Wien 2003, ISBN 3-85437-189-6 (Monographien zur Kunst Österreichs im zwanzigsten Jahrhundert. Band I/1).
  • Robert Schediwy: Städtebilder. Reflexionen zum Wandel in Architektur und Urbanistik. Lit, Wien 2004, ISBN 3-8258-7755-8.

Weblinks

 Commons: Künstlerhaus Wien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Leopold Ernst im Architektenlexikon Wien 1770-1945, abgerufen am 23. September 2012.
  2. Gerd Pichler: Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/kunsthistorikerin.atRezension: Wladimir Aichelburg, Das Wiener Künstlerhaus 1861-2001, Kunsthistoriker aktuell, 20. Jg., 1/03
  3. Walter Koschatzky: Rudolf von Alt, 2. Auflage, Böhlau Verlag, Wien 2001, ISBN 3-205-99397-7, S. 214 (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche)
  4. Künstlerhaus, Austria Lexikon, Stand: 12. März 2010

48.20055555555616.371666666667Koordinaten: 48° 12′ 2″ N, 16° 22′ 18″ O