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Johannistag#

Am 24. Juni, ein halbes Jahr vor der Geburt Jesus', wird die Geburt Johannes des Täufers gefeiert. Das Fest zur Zeit der Sonnenwende ist als "Sommer-Weihnachten" von zahlreichen Bräuchen umgeben: Außer den noch üblichen Feuern gab es - wie zu Weihnachten - eine Mitternachtsmette und wie in der Weihnachtsoktav gesegneten Johanneswein, der Jahreszeit entsprechend aber Weichselwein. In den Städten waren Festlichkeiten und Umzüge üblich. 

Johanneshaupt aus der Pfarrkirche Kahlenbergerdorf im Stiftsmuseum Klosterneuburg. Foto: Doris Wolf
Johanneshaupt aus der Pfarrkirche Kahlenbergerdorf im Stiftsmuseum Klosterneuburg. Foto: Doris Wolf
Johanneshaupt oder Johannesschüssel nannte man - meist geschnitzte - Nachbildungen des Kopfes auf einer Schale. Johanneshäupter wurden als Votivgabe bei Kopfschmerzen gespendet. In einen Fluss geworfen, sollten sie beim Auffinden Ertrunkener helfen, indem sie an jener Stelle still standen. Das Evangelium berichtet vom Tod des Täufers durch Enthauptung (Mk 6,14-29): König Herodes Antipas ließ Johannes gefangen nehmen, der die unrechtmäßige Verbindung des Herrschers mit dessen Schwägerin Herodias kritisiert hatte. Als deren Tochter Salome wegen eines Tanzes beim begeisterten König einen Wunsch äußern durfte, veranlasste sie Herodias, das Haupt des Johannes zu fordern. Salome brachte es ihrer Mutter auf einer Schale.

Etliche Pflanzen sind nach dem Täufer benannt: Johanneshand heißt die frische Wurzelknolle des einheimischen Knabenkrautes (Orchis). In der Johannisnacht um Mitternacht ausgegraben, sollte sie Erfolg beim Spiel und in der Liebe bringen. Sie wurde auch im Sympathieglauben und als Amulett im Portemonnaie verwendet, um immer Geld zu haben. Johanneskraut bezeichnet verschiedene Blumen und Kräuter, die um den Johannestag gelb blühen. Aus ihnen stellte man segenbringende "Sonnwendbuschen" zusammen. Dabei ist das "Echte Johanneskraut" (Hypericum perforatum) die wichtigste Pflanze. Wegen verschiedener Inhaltsstoffe, wie ätherische Öle und Gerbstoffe, ist sie ein seit alter Zeit geschätztes Heilkraut und findet jetzt als Antidepressivum Verwendung. Die Volksmedizin bediente sich des Johanneskrauts bei Verletzungen, doch war es auch als Orakel, gegen Dämonen, Gewitter und im Liebeszauber gefragt. Nutzpflanzen sind die rote und die schwarze Johannesbeere ("Ribisel") und der Johannesbrotbaum (Ceratonia siliqua). 

Johanneswürmchen nennt man die Glühwürmchen (Leuchtkäfer, Lampyridae), die um diese Zeit Lichtsignale aussenden.


Quelle: Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 410 f., 457