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Knödel#

Knoedel

Archäologische Funde knödelähnlicher Speisereste gehen in die Zeit um 3600 v. Chr. zurück. In der Schweiz fand man Gebilde aus Getreideschrot, Wasser und Mehl, die mit den Händen zusammengepresst und gebacken wurden. In den Pfahlbaudörfern rund um den Mondsee (3800-3300 v. Chr.) kamen Speisereste von mit Teig umhülltem Fleisch und Obst zu Tage. Schriftliche Erwähnung fanden Knödel um die erste Jahrtausendwende.

Knödel zählen zum Kulinarischen Erbe Österreich. Das Große Sacher Kochbuch sieht Knödel (mhd. knode - Knoten, tschech. knedelsk - Knödel) als "das gemeinsame Element aller österreichischen Speisefolgen" und "ein Charakteristikum alpenländischen Essens" an. Knödel (und Nudeln) standen mit solcher Regelmäßigkeit auf dem bäuerlichen Tisch, dass man fast die Tage danach benannte. Im bekannten Lied "Was ist heut' für Tag" wird der Montag als Knödeltag, der Dienstag als Nudeltag bezeichnet. In Tirol galten Dienstag und Donnerstag als Knödeltage. "Geselchtes, Kraut und Knödel" bilden auf städtischen Speisekarten den sprichwörtlichen "Bauernschmaus". 

Die kugelförmige Speise gibt es in zahlreichen Variationen: als zarte Suppeneinlage, Beilage, Hauptspeise oder Nachtisch, gekocht, gedämpft, aus Roggen-, Gesten- oder Hafermehl, Brot, Semmeln, Erdäpfel, Grieß, Kukuruz oder Topfen. Leber- und Fischknödel (für die Fastenzeit) zählte man zu den vornehmeren Sorten. Aus der Verwendung von altem Weißgebäck entstand der klassische Wiener Semmelknödel. Der Tiroler Knödel hingegen wird aus Weizenbrot, Mehl und Speck zubereitet. Ein Südtiroler Fresko (Weihnachtsdarstellung aus dem 12. Jahrhundert) zeigt eine Knödel essende Frau. 

Germknödel

Relativ jung, weil das Ausgangsmaterial erst seit 200 Jahren bei uns bekannt ist, sind Erdäpfelknödel. Die städtische Küche bevorzugte sie süß und mit Früchten gefüllt. Wahrscheinlich haben sie böhmische Köchinnen "importiert". Mitte des 19. Jahrhunderts fanden Zwetschken- und Marillenknödel Eingang in die Kochbücher. Damals gab es schon den billigeren Rübenzucker und Erdäpfel als Volksnahrungsmitttel, so dass Obstmehlspeisen - als Fastenspeisen - bald zur Hausmannskost zählten. Als solche verstand man anno 1902 Speisen, "welche für die einfache Küche mit geringem Aufwand sich eignen." Franz Maier-Bruck bringt im Großen Sacher Kochbuch Rezepte für böhmische Germknödel, Fruchtknödel aus Kartoffel-, Topfen- oder Brandteig.


Quelle: Franz Maier-Bruck: Das Große Sacher Kochbuch. München 1975. S. 390 f., 495 f.
Bilder: Erdäpfelknödel, Germknödel. Fotos: Doris Wolf