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Pfirsichzweig. Der Baum findet sich im Capitulare des villis. Foto: Alfred Wolf
Pfirsichzweig. Der Baum findet sich im Capitulare des villis. Foto: Alfred Wolf

Blumen, Kräuter und Bäume spielen in Alltag, Brauch und Kultur eine große Rolle. Sie sind u.a. Nahrungs- und Futtermittel, Zierde, Medizin und Zaubermittel, werden geweiht (z.B. Palmbuschen, Kräutersträußchen) und sind als Heiligenattribute (z.B. Palmwedel, Lilie, Rose) zu sehen. Ihre Verwendung gründete sich auf Erfahrung und seit der Antike bekannte Kräuterbücher

Der griechische Arzt Pedanios Dioskurides, der im 1. nachchristlichen Jahrhundert lebte, war der berühmteste Pharmakologe des Altertums. Seine "Materia Medica" ist die erste systematische Auflistung der Botanik. Von den 1.000 Arzneimitteln, die sie umfasst, sind 813 pflanzliche. 

Plinius der Ältere (23-79) verfasste das 37-bändige Werk "Naturalis historia". Die Enzyklopädie, die 20.000 Fakten zu unterschiedlichen Themen enthält, wurde von dem römischen Gelehrten aus 2.000 Büchern von 100 Autoren zusammengestellt. 

Der Arzt und Alchemist Paracelsus (1493-1541) formulierte erstmals in der Neuzeit die Signaturenlehre. Diese geht von Analogiebeziehungen zwischen Mensch (Mikrokosmos) und Welt (Makrokosmos) aus und schließt vom Aussehen der Pflanzen auf ihre Wirkung (z.B. herzförmige Blüten gegen Herzkrankheiten). 

Die Landgüterverordnung (Capitulare de villis vel curtis imperii) Karls des Großen (812) zählt in 70 Absätzen 73 Nutzpflanzen und Heilkräuter sowie 16 Arten Obstbäume auf. Außerdem beschreibt sie Weinbau, die Verwendung von Gerste, Flachs, Hirse, Kohl und Hanf. 

Klöster verbreitéten als Kulturträger das Wissen um Pflanzen und Heilkräuter. Ab dem 16. Jahrhundert übten die damals verstärkt erscheinenden Kräuterbücher großen Einfluss aus. In Ermangelung ärztlicher Versorgung wurde das, oft noch aus antiken Quellen stammende, darin enthaltene Wissen zu einem wesentlichen Teil der "Volksmedizin". 

Zur praktischen kam die magische Bedeutung verschiedener Pflanzen, wobei die Analogie eine Rolle spielte: stark riechende oder stachelige Pflanzen galten als apotropäisch. Die Mythologenschule der Volkskunde interessierte sich für animistische Vorstellungen, "Wald- und Feldkulte". 

In den 1930er- Jahren gab die Imperial-Feigenkaffee-Fabrik, Wien, die 300 Blatt umfassende, sehr beliebte Bildersammlung "Heimische Kräuter und Pilze" heraus. Beim Kauf der Kaffeepackungen erhielten die Kunden jeweils einige Blätter im A5-Format. Auf der Vorderseite sind die Pflanzen farbig abgebildet. Die rückseitigen Texte von Hans Konwiczka informieren über Vorkommen und Verwendung.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 645 f., S. 473
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