Blumen #

--> Essay Blumenbräuche

Foto: Doris Wolf
Foto: Doris Wolf

Blumen spielen in Alltag, Brauch und Kultur seit jeher eine große Rolle. Vor allem nützte man die Kraft der Heilpflanzen, wie sie in Kloster- und Bauerngärten gediehen. Im Brauchbereich sind sie als Geschenk ein fixer Bestandteil bei allen Lebensfesten, sie finden im Kranz- und Kronenbrauchtum Verwendung und sind im Jahreslauf bei bestimmten Feiern, wie der Kräuterweihe oder Fronleichnam, wichtig. Blumen wurden als Orakel benützt und eine symbolhafte Blumensprache entwickelt. Als Dekoration auf Landmöbeln und Gebrauchsgegenständen zählen Blumen zu den häufigsten Motiven. Ambulante Blumenverkäuferinnen, wie die Lavendelfrauen, gehörten zu den bekannten "Alt-Wiener Volkstypen".

Zur Zierde der Wohnung galten Blumen lange Zeit als Luxus. Der Romanist Roman Reisinger zitierte ein seltenes und sehr frühes literarisches Beispiel. Es handelt sich um den anonymen Roman „L’Escoufle“ (Der Hühnergeier), der um 1204 in der Normandie entstand: „Aelis, die junge Protagonistin, deren Schicksal im Roman in einer endlosen Suche nach ihrem Geliebten besteht, (...) tritt als eine sehr gepflegte junge Dame auf und wird geschildert als eine in ihrem gesellschaftlichen Umfeld anerkannte und begehrte Person. (...) Sie schmückt und dekoriert ihre Wohnung täglich mit Blumen, duftenden Blättern und Kräutern (...) um jenen als ästhetisch empfundenen Rahmen herzustellen, in dem das kulturelle, gemeinsame Erleben und Spielen der versammelten Personen verschiedener Stände und regionaler Herkunft stattfinden kann. (...) Man erzählte sich oder las einander Romane und Erzählungen vor.“ 

In der Renaissance gewannen Schnittblumen an Bedeutung, erst damals entstanden spezielle Vasen. Hans Holbein der Jüngere (1497-1545) malte 1532 den Kaufmann Georg Gisze, drei Nelken und ein Rosmarinzweig stecken in einem Gefäß aus venetianischem Glas. Ein anderes Beispiel ist das „Familienbild“ von Georg Pencz, 1541 im Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg. Es zeigt eine Bürgerin mit zwei Kindern und einer Katze. Auf der Fensterbank der Renaissancestube steht ein hoher Messingkrug mit Iris und Blättern. Barocke Stillleben haben üppige Arrangements als Bildmotiv, oft in der Absicht, Blumen darzustellen, die man in natura nicht zu sehen bekam, denn in Holland wog man Tulpen mit Gold auf. 

Ende des 19. Jahrhunderts erfand die sozial engagierte Fürstin Pauline Metternich (1836-1921) den Blumenkorso im Wiener Prater. Ende Mai 1886 nahmen hunderte Kutschen daran teil, 268.000 Zuschauerkarten wurden verkauft, der Reinerlös lag bei 100.000 Gulden. Das Frühlingsfest wurde zu einem Fixpunkt des Wiener Gesellschaftslebens, auch Athleten, Radfahrer und Autofahrer nahmen mit geschmückten Fahrzeugen teil. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand der Praterkorso 1948 wieder statt.

Blumenschenktage stellen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Eigene Kalender informieren über die Termine.


Quellen:
Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Wien 1992-1997. Bd. 1/S. 405
Helga Maria Wolf: Die Märkte Alt-Wiens. Wien 2006. S. 103 f.