Segen#

Segen

Theologisch gesehen ist der Segen "eine Verbindung von Wunsch und Bitte, oft mit einer Erinnerung an Gottes frühere Hilfe und mit Lobpreis verbunden. Nach uralter Tradition ist der Segen oft formelhaft gestaltet. Der 'aaronitische Segen' (Num 6, 24-26) ist im Judentum und Christentum besonders verbreitet, desgleichen der ebenfalls aus dem Judentum stammende Brauch eines Tischsegens." Er lautet: "Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Heil."

Als nach dem Zweiten Vatikanum die ersten erneuerten liturgischen Bücher erschienen, war eines, das die meiste Zustimmung fand, 1978 das Benediktionale für das deutsche Sprachgebiet. Es zeigte sich, dass in einer technisierten Zeit Segnungen der Kirche sehr gefragt waren. Das Benediktionale enthält fast 100 Segnungen - im Leben der Pfarrgemeinde, bei besonderen Anlässen, religiöser Zeichen, im Leben der Familie und in der Öffentlichkeit. Ein Fünftel darf auch von Laien vorgenommen werden. Grundsätzlich kann aber jeder Christ segnen. Früher waren in vielen Familien Segensbräuche alltäglich, wie das Kreuzzeichen mit Weihwasser oder beim Anschneiden des Brotes. Das Benediktionale nennt zudem etliche Segnungen für "das heutige Brauchtum" wie bei der Feier des Geburtstages oder für ein arbeitsloses Familienmitglied. 

Fälschlich wird oft von einer "Weihe" wie "Autoweihe", "Pferdeweihe" oder ähnlichem gesprochen. Sachen, Gegenstände und Tiere werden üblicherweise gesegnet. Geweiht werden nur Personen, die sich in den Dienst Gottes stellen und Gegenstände, die dauernd in den liturgischen Gebrauch genommen werden, wie Kirchenbauten, Glocken, Kelche oder heilige Öle. Umgangssprachlich heißt es, etwas wird "eingeweiht", obwohl eine weltliche Eröffnung gemeint ist. 

Nicht nur die Handlung, auch Gegenstände und Bilder, Sprüche und Gebete werden als "Segen" bezeichnet. Als Beschwörung in Befehlsform geht der Segen in den Zauberspruch über, dazu zählt u.a. das Romanusbüchlein. Haussegen, vom Dreikönigsmonogramm bis zu gestickten und gedruckten Sprüchen sollen alles Böse von der Wohnstätte fernhalten.


Quellen:
Beitl: Wörterbuch der deutschen Volkskunde. Stuttgart 1974. S. 732
Benediktionale für die katholischen Bistümer des deutschen Sprachgebietes. Studienausgabe. Freiburg/Br. 1989
Andreas Heinz, Heinrich Rennings (Hg.): Heute segnen. Freiburg/Br. 1987
Herbert Vorgrimler: Neues Theologisches Wörterbuch. Freiburg/Br. 2000. S. 568

Bild: "Jesus segnet die Kindlein". Kleines Andachtsbild 1900. Gemeinfrei