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Aspanggründe#

  • Die Aspanggründe sind ein mittlerweile eng verbautes Stadtentwicklungsgebiet im 3. Wiener Gemeindebezirk

Die Aspangbahn#

Die Schiffahrtskanal AG (Wiener Neustädter Kanal) erhielt 1874 eine Bahnkonzession. Mit einer neuen Strecke wollte man Serbien umgehen. Am 27. Juni 1874 erhielt die Kanal AG die Bewilligung zu Vorarbeiten für eine Bahnverbindung Wien-Aspang-Friedberg-Radkersdorf-kroatische Grenze, doch wurde das Projekt durch den Bankenkrach von 1873 schwer behindert. Die zur Finanzierung gewonnene Société Belge de chemins de fer beschränkte die Planung auf die Strecke Wien-Pitten-Aspang. Zum Ausgangspunkt dieser Bahn wurde der Rennweger Kanalhafen gewählt. Im Juli 1879 wurde die Schifffahrt eingestellt und das Gerinne abgelassen und zugeschüttet.

1880/1881 entstand anstelle des Hafengeländes der Aspangbahnhof (1880-1883) nach Entwürfen des Professors der Technischen Militärakademie Franz Ritter von Gruber. Der Bahnhof war bis ins Detail im historisierenden Renaissancestil gehalten.

Der Aspangbahnhof konnte die Möglichkeiten eines Kopfbahnhofs nicht nützen, da die Gleise in die Verbindungsbahn (Richtung Hauptzollamt und Nordbahnhof) mündeten. Im Juni 1880 begann der Bau der 85,447 Kilometer langen Bahnstrecke, wobei zwischen Felixdorf und Wiener Neustadt die Südbahntrasse benützt wurde. Die Strecke Wien-Pitten wurde am 7. August 1881, die Strecke bis Aspang am 28. Oktober 1881 dem Verkehr übergeben. Noch heute findet man entlang der Strecke Kilometersteine mit dem Initialen "WSB" (Wien-Saloniki-Bahn). Einer befindet sich im Simmeringer Bezirksmuseum. Die Fahrtdauer Wien-Aspang betrug drei Stunden 20 Minuten. Ab Aspang wurde dann die Strecke weiter über den Wechsel Richtung Graz geführt.

Der Aspangbahnhof im Nationalsozialismus#

Im Unterschied zu Deutschland, wo die jüdische Bevölkerung aus mehreren Städten deportiert wurde, war der zentrale Ort für die Deportationen der jüdischen Bevölkerung Wiens und Österreichs der Wiener Aspangbahnhof im 3. Bezirk. Im Zuge der Deportationen, die zwischen Februar 1941 und Oktober 1942 von Wien abgingen, wurde der Großteil der jüdischen Bevölkerung von dort in Ghettos und Vernichtungslager im Osten deportiert.

Der abseits der großen Bahnhöfe liegende und daher weniger frequentierte Bahnhof wurde vermutlich bewusst für diesen Zweck ausgewählt. Gleichzeitig befand sich der Bahnhof jedoch mitten in der Stadt, sodass der zuweilen wöchentliche Abtransport von jeweils rund tausend Jüdinnen und Juden nicht unbemerkt, sondern vor den Augen der Bevölkerung erfolgte. Zwischen 1939 und 1945 wurden insgesamt 48.953 Jüdinnen und Juden aus Wien deportiert, davon 47.035 Personen in 47 Transporten vom Wiener Aspangbahnhof.

Deportationen vom Aspangbahnhof – Transporte und Opferzahlen

Die ersten beiden am Aspangbahnhof abgefertigten Transporte waren jene vom 20. und 26. Oktober 1939 nach Nisko am San, mit denen 1.584 jüdische Männer aus Wien deportiert wurden, die zuvor im Sammellager Gänsbachergasse interniert worden waren. Der Großteil der jüdischen Bevölkerung wurde mit den Frühjahrsdeportationen 1941 und den großen Deportationen zwischen Oktober 1941 und Oktober 1942 deportiert – insgesamt 45.451 Frauen, Männer und Kinder in 45 Transporten, wobei jeder Transport zwischen 900 und über 1000 Personen umfasste. Darunter waren nicht nur Wienerinnen und Wiener, sondern auch Jüdinnen und Juden aus den Bundesländern, die 1938/39 nach Wien vertrieben worden waren. Politische Verfolgte, staatenlose Juden sowie andere nichtjüdische Opfergruppen wurden hingegen in den Jahren 1938/39 vorwiegend vom Westbahnhof nach Dachau und Buchenwald, später auch nach Mauthausen verschickt. Der Nordbahnhof fungierte erst nach Abschluss der großen Deportationen von 1943 bis Kriegsende als Deportationsbahnhof für kleinere und Einzeltransporte. In den Jahren 1943-1945 wurden insgesamt 1.918 Jüdinnen und Juden deportiert. Laut den Berechnungen des Historikers Jonny Moser überlebten nur insgesamt 1.734 Jüdinnen und Juden die Deportation in die Ghettos und Vernichtungslager. Von den 45.451 in den Jahren 1941 und 1942 vom Aspangbahnhof Deportierten wurde der Großteil ermordet, 989 Personen überlebten, darunter die über Theresienstadt nach Auschwitz deportierte spätere Schriftstellerin Ruth Klüger.

Zielorte der Deportationszüge#

Die Zielorte der Deportationen waren das „Generalgouvernement“ (Nisko, Opole, Kielce, Modliborczicze, Łagów/Opatów und Izbica), Łódź (Warthegau), Riga (Lettland), Minsk mit Maly Trostinec (Weißrussland), Theresienstadt („Protektorat“) und Auschwitz (Oberschlesien). Die Bahnfahrt dauerte zwischen zwei Tagen und einer Woche. Rund die Hälfte aller aus Wien Deportierten kam nach Theresienstadt (15.122 Personen) und Minsk / Maly Trostinec (9.471 Personen). Von Theresienstadt wurden rund die Hälfte der aus dem ehemaligen Österreich stammenden Jüdinnen und Juden zwischen August 1942 und Oktober 1944 nach Auschwitz und andere Vernichtungsorte wie Treblinka weiter verschickt und ermordet, darunter die Schwestern von Sigmund Freud.

Der Aspangbahnhof in den Jahren 1945-1977#

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente der Aspangbahnhof der britischen Besatzung als Bahnhof für den Nachschub. Der Personenbetrieb wurde bis 1971 aufrechterhalten. In diesem Jahr eröffnete man die Schnellbahnstation Rennweg. Das Bahnhofsgebäude wurde im Sommer 1977 demoliert. Danach war das Bahnareal noch bis 2001 als Güterbahnhof genutzt. Gedenkstein und geplantes Mahnmal

Eine 1983 errichtete Gedenktafel mit dem Aufruf „Niemals vergessen!“ erinnert an die in den Jahren 1939-1942 vom ehemaligen Aspangbahnhof deportierten Jüdinnen und Juden. 1995 benennt die Stadt Wien den Vorplatz in Platz der Opfer der Deportation. Auf dem Gelände des ehemaligen Aspangbahnhofs ist der neue Stadtteil Eurogate im Entstehen. Der dort befindliche Leon-Zelman-Park wurde nach dem Gründer des „Jewish Welcome Service“ benannt. Ein Bildungscampus mit Kindergarten und Schulen wird den Namen von Aron Menczer (1917-1943), dem Leiter der zionistischen Jugendalijah, tragen. Aron Menczer wurde mit einem der letzten großen Transporte am 24. September 1942 nach Theresienstadt deportiert und 1943 in Auschwitz ermordet. Ein Mahnmal für die Opfer der Deportation soll bis Sommer 2017 auf dem Gelände errichtet werden.

Das Mahnmal Aspangbahnhof #

Mahnmal Aspangbahnhof
Mahnmal Aspangbahnhof
Mahnmal Aspangbahnhof
Mahnmal Aspangbahnhof

Das Mahnmal am Aspangbahnhof wurde am 7. September 2017 im Beisein zahlreicher Persönlichkeiten des politischen, religiösen und kulturellen Lebens und Vertretern der Israelitischen Kultusgemeinde eröffnet. Das Mahnmal befindet sich im Leon-Zelman-Park, Wien 3, Aspanggründe. Das Mahnmal wurde von der Künstlergruppe PRINDpod entworden, die seit 1984 als Team in Wien lebt. Es erinnert an die 47.035 Juden und Jüdinnen, die vom Aspangbahnhof in 47 Transporten in den Jahren 1939 und 1941/1942 in die Ghettos und Vernichtungslager deportiert wurden und von denen nur 1073 überlebten. Das Mahnmal "verweist mit zwei über eine Länge von rund 30 Metern konisch zusammenlaufenden Betonschienen auf die Gleisanlagen" des ehemaligen Bahnhofs. Diese Bahnschienen laufen in einem Betonblock zusammen und enden in diesem. Auf diese Weise sollte die Visualisierung der Reise in den Tod symbolisiert werden.

Plan Aspangbahnhof
Der Zugang erfolgt am besten von der Haltestelle Kleistgasse der Linie 71
Quelle: WienGeschichteWiki

Weiterführendes#

Redaktion und Fotos: P. Diem