unbekannter Gast

Marcus, Siegfried#

* 18. 9. 1831, Malchin Malchin (Deutschland)

† 1. 7. 1898, Wien


Erfinder, Techniker


Siegfried Marcus.Foto, © Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU
Siegfried Marcus.Foto
© Bildarchiv der ÖNB, Wien, für AEIOU

Siegfried Samuel Liepmann Marcus wurde am 18. September 1831 in Malchin (ca. 50 südöstlich von Rostock) als Sohn von Liepmann und Rosa Marcus geboren.


In Malchin begann er eine Mechanikerlehre, schloss diese in Hamburg ab und besuchte in Berlin eine Gewerbeschule. Anschließend war Marcus bei Siemens & Halske in Berlin beschäftigt.


1852 kam Marcus (aus unbekannten Gründen) nach Wien. Bereits Mitte der 1850er Jahre wurde der junge Techniker durch verschiedene mechanisch physikalische Entwicklungen bekannt, und er erhielt ein Privileg (Patent) für einen magnetischen Induktor, ein Arbeitsgebiet, welches ihn die nächsten 30 Jahre lang immer wieder beschäftigte.

1856 gründete Marcus sein erstes Labor, zu Beginn der 60er Jahre baute er verschiedene elektrotechnische Geräte. Am 21. 6. 1864 erwarb er ein Privileg auf eine magnetelektrische Zündung, am 30. 3. 1865 auf einen Vergaser.

Er montierte den ersten Benzinzweitaktmotor auf einem hölzernen Handwagen (heute "Erster Marcus Wagen" genannt), nachweisbar durch eine authentische Photographie aus dem Jahre 1870 mit autographer Beschreibung durch Marcus.

Sein zweiter Wagen (heute im Eigentum des ÖAMTC, als Dauerleihgabe im Technischen Museum Wien) war 1888 fahrbereit. Der "Zweite Marcuswagen" wurde weltweit anerkannt, steht unter Denkmalschutz, verfügt über alle Merkmale des modernen Automobils, vier Räder, Lenkung und Bremsen, einen schnellaufenden Viertaktbenzinmotor (Einzylinder) mit Spritzbürstenvergaser und Magnetabreißzündung und leistet 0,55 kW (0,75 PS).

Marcus erwarb mehr als 38 Patente für Verbrennungskraftmaschinen, Telegrafie, Gastechnik und Elektrotechnik.

Hauptsächlich beschäftigte sich Siegfried Marcus mit elektrotechnischen Fragen. 1888/89 baute die Firma Märky, Bromovsky und Schulz den "Zweiten Marcus Wagen", der Marcus - auch infolge seit 70 Jahren falschen Vordatierung auf 1875 - weltbekannt machte.


Erster Marcuswagen
Erster Marcuswagen
aus: http://carsablanca.de
Marcuswagen im Technischen Museum Wien
Zweiter Marcuswagen im Technischen Museum Wien
Foto: Peter Diem
Der zweite Marcus-Wagen
Der zweite Marcus-Wagen, Foto 1988
Pressestelle des ÖAMTC, Wien, für AEIOU
Frühere Tafel beim Marcuswagen im Technischen Museum Wien
Tafel bis 2010 - Quelle: ASME, New York
Denkmal vor TU Wien
Denkmal vor TU Wien - Foto: P. Diem
Marcuswagen. Aquarell
Marcuswagen. Aquarell
Foto: © Carmen Krisai-Chizzola

Am 1. Juli 1898 starb Marcus in Wien. Seine letzten Lebensjahre hindurch litt er unter Gesundheitsproblemen. In sein Todesjahr fällt das erste öffentliche Auftreten des Zweiten-Marcus-Wagens anlässlich einer Kollektivausstellung der Automobilbauer Österreichs auf der "Kaiser Franz Joseph Jubiläums" Gewerbeausstellung.

Marcus hat zu Lebzeiten 131 Patente in 15 damaligen Staaten angemeldet. Er hat jedoch niemals ein Patent auf ein Automobil beantragt oder erhalten und er hat auch niemals von sich behauptet, das Automobil erfunden zu haben. Er hat jedoch als erster, zu einer Zeit als in der Dampfmaschine viele die Zukunft für den mobilen Antrieb gesehen haben, Benzin als Treibstoff verwendet.

Der später zum evangelischen Glauben konvertierte Siegfried Marcus ruht in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof.

In der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft wurde Marcus wegen seiner Abstammung tot geschwiegen. Sein Wagen von 1889 wurde 1950 von Alfred Buberl restauriert. Mit Gustav Goldbeck und Hans Seper begann in den frühen 1960er Jahren die wissenschaftliche Marcusforschung, die mit den Arbeiten von Ursula Bürbaumer und Horst Hardenberg ihren vorläufigen Abschluss gefunden hat.

Auszeichnungen, Ehrungen (Auswahl)#

  • Silbermedaille Auf der Pariser Weltausstellung (1867) von Kaiser Franz Joseph ausgezeichnet
  • Marcus ruht zusammen mit seiner Lebensgefährtin in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 0, Reihe 1, Nummer 101).
  • Anlässlich des 100. Todestages von Marcus zeichnete das Komitee ‚History and Heritage’ der American Society of Mechanical Engineers 1998 den in ÖAMTC-Besitz befindlichen Marcus-Wagen mit dem ‚International Historic Engineering Landmark’ aus.

Zitate#

Über Marcus: "Einer der erfindungsreichsten Wiener Ingenieure, der jede ihm gestellte Aufgabe bisher gelöst und dadurch auch einen Hauptkunden in der deutschen Kriegsverwaltung für elektrische Apparate gefunden, hat schon vor Jahren einen Petroleum-Motor construiert und einem engeren Kreis von Freunden im Betrieb gezeigt. Heute aber erfährt man erst, dass ein solcher Motor mit 450 Pferdestärken im Deutschen Reich in Gebrauch ist. Mit einem solchen Motor in Verbindung mit dem neuesten Fortschritt in der billigen Herstellung des Aluminiums ist die Lösung der Luftschifffahrtsfrage einen Schritt näher gerückt!"
(Aus "Wien 1848 - 1888, Denkschrift zum 2. December 1888, herausgegeben vom Gemeinderathe der Stadt Wien, 1. Band", Wien 1888, S 196).


"Ich laboriere nebst den direkten Erwerbsarbeiten, immer an der Verwertung meiner zahlreichen Erfindungen und habe von hiesigen Maschinenbauern (bei getheilter Arbeit) mehrere Muster theils fertig, theils noch in Arbeit. ... Ich habe eine sehr schöne Kraftmaschine in meinem Magazin. Diese Maschine kostete mir 1600 fl (Anm.: ca.16000 €). Entgegen meinem Wunsche (nämlich da ich noch keine Patente im Ausland besitze) etwas zu früh, ist sowohl in einer hiesigen Zeitschrift als auch in einem größeren wissenschaftlichen Werke über diese Maschine sehr vortheilhaft geschrieben worden"
(aus einem Brief Marcus an seinen Bruder, 7. Juni 1876).


Technische Errungenschaften und Erfindungen#

von

Günter Rott, Graz


1) Motorwagen#

Der erste Marcus-Wagen#

Marcus 1870 erbauter Wagen – ein Benzin-Zweitaktmotor auf einem hölzernen Handwagen – hatte einen neuartigen Oberflächenvergaser und eine Elektro-Magnetzündung.

Den Vergaser hatte sich Marcus in dieser Form bereits 1866 patentieren lassen, ebenso wie die verschiedenen Versionen, die er in den 1860er Jahren entwickelte.

Dem Gefährt fehlten jedoch noch wesentliche Bestandteile eines Automobils wie Bremsen, Lenkung, Kupplung und dergleichen. Der erste Marcus-Wagen ist nicht mehr erhalten.

Leider gab es betreffs des Datums etliche Missverständnisse und Falschinterpretationen (z.B. Wagen schon 1864 erfunden), was lange Zeit einen gewissen Mythos um Marcus als vermeintlichen Erfinder des Automobils machte und somit deutlich vor den tatsächlichen Erfindern Daimler und Benz.

Durch intensive Forschungsarbeit in den 1960er Jahren wurde der Marcus-Mythos richtig gestellt.

Der zweite Marcus-Wagen#

Sein zweiter Wagen (heute im Besitz des ÖAMTC) war 1888/89 fahrbereit.

Er verfügt anders als der erste Wagen über alle Merkmale eines modernen Automobils – vier Räder, Lenkung und Bremsen, sowie einen schnell laufenden 1,5l Viertaktbenzinmotor mit 0,55 kW (0,75 PS). Innovativ an diesem Gefährt waren v.a. die elektrische Niederspannungs-Abreißzündung (Magnetzündungen, Patent 1883) und der Spritzbürstenvergaser (Patente 1883 und 1887). Auf einer ebenen Fahrbahn konnte man eine Geschwindigkeit von 5-8 km/h erreichen. Das Original-Fahrzeug gehört seit 1898 dem ÖAMTC und steht als Leihgabe im Technischen Museum in Wien. Als ältestes fahrfähig erhaltenes Automobil steht es unter Denkmalschutz.

2) Verbrennungsmotoren und Vergaser#

Insgesamt sind neun Marcus-Motorentypen bekannt. Der erste Motor wurde für den ersten Marcus-Wagen (1870) verwendet. Bis auf die letzten Motoren aus der Zeit von 1887/88 wurden alle Marcus-Motoren als verdichtungslose, direkt wirkende Zweitakt-Benzinmotoren nach dem Vorbild des Lenoir-Gasmotors konstruiert.

Drei von Marcus’ Viertaktmotoren sind erhalten geblieben. Der älteste davon, ein Stationärmotor, befindet sich im Technischen Museum in Wien. Ein anderer befindet sich im Technischen Museum in Prag.

Im Zuge der Automobil-Entwicklung beschäftigte sich Marcus auch intensiv mit Magnetzünder und Vergaser für die Motoren. Zunächst verwendete Marcus die in den 1860er bis 1870er Jahren üblichen Oberflächenvergaser, auf die er ab Mitte der 1860er Jahre Patente für Verbesserungen hielt.
Ab 1883 verwendete Marcus ausschließlich die von ihm erfundenen Spritzbürstenvergaser.

Von Beginn an benützte Marcus auch Magnetzünder aus eigener Konstruktion, anstatt der bis dato üblichen galvanischen oder Glüh- bzw. Flammrohrzünder.

3) Mechanische und elektrotechnische Apparate, Werkzeuge und dergleichen#

Obwohl der technische Marcus hts. mit der Entwicklung von Motoren bekannt wurde, stellte er auch andere Apparate her, u.a. verschiedenste Instrumente, Apparate, Lampen und Zünder für zivile und militärische Zwecke, sowie Geräte für das graphische Gewerbe und diverse Werkzeuge etc.

Einiges davon ist noch erhalten geblieben und großenteils im Wiener Technischen Museum zu besichtigen.

Nachdem es jahrelang übersehen worden war, fand man kürzlich im Narrenturm in Wien ein medizinisches Messgerät, das der Erfinder Marcus für den berühmten Pathologen C. Freiherr von Rokitansky konstruiert hatte. Rokitansky vermaß damit knöcherne Schädel; es ist jedoch leider nicht überliefert, wie man dieses Gerät verwendete.

Günter Rott, Graz

FIA-Auszeichnung für originalgetreuen Nachbau des Marcus-Wagens#

Lehrende und Schüler der HTL Steyr wurden mit dem Heritage Cup gewürdigt. #


Mit freundlicher Genehmigung übernommen von https://www.oeamtc.at (10. Dezember 2018)


v.l.n.r. Direktor Franz Reithuber; Toto Wolff, Fachvorstand Gerhard Rumpelsberger
Heritage Cup. v.l.n.r.; Direktor Franz Reithuber; Toto Wolff, Fachvorstand Gerhard Rumpelsberger
Foto: © Karin Rumpelsberger

Was im Jahre 2004 als Projekt in der Abteilung Maschinenbau der HTL Steyr begann, wurde nun mit dem Heritage Cup des FIA Founding Members’ Club ausgezeichnet. Der Wanderpokal, der nach 2013 – damals wurde Martin Pfundner, "der Mann, der die Formel 1 nach Österreich brachte" damit geehrt – bereits zum zweiten Mal nach Österreich ging, wurde während der Prize Giving Ceremony im Rahmen der FIA Generalversammlung in St. Petersburg durch FIA Präsident Jean Todt überreicht.

Direktor Franz Reithuber sowie Fachvorstand Gerhard Rumpelsberger haben den Preis stellvertretend für die HTL Steyr entgegen genommen. Dabei befanden sie sich in illustrer Gesellschaft, ist doch die Gala eines der wichtigsten Events im Motorsport, der jährlich die Weltmeister aller großen Disziplinen des internationalen Motorsports vereint Nachbau des Marcus-Wagens durch die HTL Steyr

12 Jahre Bauzeit#

Zwölf Jahre lang bauten sowohl Schüler als auch Professoren der HTL Steyr den Siegfried-Marcus-Wagen – die Mutter aller Automobile – originalgetreu nach.

"Der ÖAMTC hat das Projekt von Beginn an begleitet und auch für diese Auszeichnung nominiert", so Werner Kraus, Ehrenpräsident des ÖAMTC. "Das Original befindet sich seit 1905 im Besitz des Mobilitätsclubs und wurde von den Schülern für den Nachbau gemeinsam mit den Technikern des Clubs eingehend vermessen." In weiterer Folge wurden dann Konstruktions-, Planungs-, Messungs- und Fertigungsarbeiten Bestandteil von zahlreichen Diplom- und Abschlussarbeiten und trugen somit wesentlich zum Gelingen dieses Projekts bei.

Nach jahrelanger Arbeit und tausenden Arbeitsstunden der 118 beteiligten HTL-Schüler, konnte der Nachbau 2016 – inklusive einer Probefahrt durch den damaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer – der Öffentlichkeit präsentiert werden.

https://www.oeamtc.at (10. Dezember 2018)

ÖAMTC Bewerbung für den 2018 FIA Founding Members‘ Club Heritage Cup#

Nominiert: HTL Steyr für die Rekonstruktion des zweiten Marcus-Wagens#

Von

George Brown (Dezember 2018)


Peter Malek ( 1939 – 2014) , der Initiator des Projekts, mit „seinem“ Marcus Wagen in Steyr
Peter Malek (1939 – 2014), der Initiator des Projekts, mit „seinem“ Marcus Wagen in Steyr
Foto: Österr S. Marcus Forschungsgesellschaft

Der ÖAMTC nominiert die HTL Steyr für die Rekonstruktion des zweiten Marcus-Wagens durch Schüler im Rahmen eines mehrjährigen Projekts mit dem Ziel, eine originalgetreue , voll funktionsfähige und fahrbereite Replik zu fertigen. Der Marcus Wagen befindet sich seit 1898 im Besitz des ÖAMTC. Er ist das älteste im Original erhaltene Benzinautomobil der Welt, steht unter Denkmalschutz und ist als Dauerleihgabe im Technischen Museum in Wien ausgestellt. Er verfügt über alle Merkmale des modernen Automobils: vier Räder, Lenkung und Bremsen, einen schnelllaufenden Viertaktbenzinmotor (Einzylinder) mit Spritzbürstenvergaser und Magnetabreißzündung und leistet 0,55 kW (0,75 PS).

Die herausragende Leistung durch die involvierten Schüler und Lehrer bestand darin, trotz des Fehlens der original Unterlagen und des beschränkten Zugriffs auf das Originalfahrzeug alle Teile so original wie möglich herzustellen und zu einem funktionsfähigem Ganzen zusammenzufügen.

118 Schüler arbeiteten mehrere tausend Stunden an der Erreichung dieses Ziels, das Projekt erstreckte sich über 12 Jahre und fand am 16. April 2016 seinen krönenden Abschluss, als der Österreichische Bundespräsident Dr. Heinz Fischer im Rahmen eines Festaktes auf der Sitzbank Platz nahm und die erste Fahrt mit der rot-weiß-roten Standarte absolvierte.

Zusammenfassung / Begründung#

Bundespräsident Dr. Heinz Fischer bei der ersten Fahrt mit der fertigen Replik
Abb: Bundespräsident Dr. Heinz Fischer bei der ersten Fahrt mit der fertigen Replik

Konstruktions-, Planungs-, Messungs- und Fertigungsarbeiten waren Bestandteile von zahlreichen Diplom- und Abschlussarbeiten. Somit trug das Projekt wesentlich dazu bei, junge Menschen für die Ursprünge der historischen Mobilität zu begeistern sowie das damit verbundene technische Know-how für künftige Generationen zu erhalten. Die Replik ist im Besitz der HTL Steyr und wird für Ausstellungen zur Verfügung gestellt.

Historischer Hintergrund#

Zur Person Siegfried Marcus#

Siegfried Marcus
Siegfried Marcus (1870)
Aus: Wikicommons, unter PD

Siegfried Samuel Liepmann Marcus wurde am 18. September 1831 in Malchin (ca. 50 südöstlich von Rostock) als Sohn von Liepmann und Rosa Marcus geboren.

In Malchin begann er eine Mechanikerlehre, schloss diese in Hamburg ab und besuchte in Berlin eine Gewerbeschule. Anschließend war Marcus bei Siemens & Halske in Berlin beschäftigt.

1852 kam Marcus nach Wien. Bereits Mitte der 1850er Jahre wurde der junge Techniker durch verschiedene mechanisch physikalische Entwicklungen bekannt, und er erhielt ein Privileg (Patent) für einen magnetischen Induktor, ein Arbeitsgebiet, welches ihn die nächsten 30 Jahre lang immer wieder beschäftigte. 1856 gründete Marcus sein erstes Labor. Am 21. 6. 1864 erwarb er ein Privileg auf eine magnetelektrische Zündung, am 30. 3. 1865 auf einen Vergaser.

Er montierte den ersten Benzinzweitaktmotor auf einem hölzernen Handwagen (heute "Erster Marcus Wagen" genannt), nachweisbar durch eine authentische Photographie aus dem Jahre 1870 mit autographer Beschreibung durch Marcus.

Erster Marcus-Wagen
Abb: „Erster Marcus-Wagen“
aus: http://carsablanca.de

Marcus erwarb mehr als 38 Patente für Verbrennungskraftmaschinen, Telegrafie, Gastechnik und Elektrotechnik. Hauptsächlich beschäftigte sich Siegfried Marcus mit elektrotechnischen Fragen. 1888/89 baute die Firma Märky, Bromovsky und Schulz den "Zweiten Marcus Wagen", der Marcus weltbekannt machte. Siegfried Marcus verstarb am 1. Juli 1898 in Wien.

Zweiter Marcus-Wagen#

Der Wagen wurde von der Fa. Märky, Bromovsky & Schulz in Adamsthal nahe Brünn nach einem Entwurf von Siegfried Marcus gebaut. Wann und wie das Fahrzeug nach Wien in das Depot der Firma kam, bevor es 1898 in der Rotunde ausgestellt wurde, ist unbekannt. Es war auf der Kaiser Franz Joseph Jubiläumsausstellung in der Wiener Rotunde, wo eine "Collectivausstellung der Österreichischen Automobilhersteller" stattfand, ausgestellt. Der Wagen war 1888 fahrbereit und verfügt über alle Merkmale des modernen Automobils, vier Räder, Lenkung und Bremsen, einen schnellaufenden Viertaktbenzinmotor (Einzylinder) mit Spritzbürstenvergaser und Magnetabreißzündung und leistet 0,55 kW (0,75 PS).

Dieses heute im Technischen Museum Wien stehende Fahrzeug wurde im August 1898 vom Österreichischen Automobil-Club um 100 Gulden, unter Einschaltung des Vorstandsmitgliedes Prof. Ing. Czischek, erworben. Fortan blieb der Wagen im Eigentum des Clubs, bzw. seines Nachfolgers, des ÖAMTC. Der Verkäufer war die Firma Märky, Bromovsky & Schulz. Im Jahr 2001 hat das Österreichische Bundesdankmalamt das Objekt als „das älteste im Original erhaltene Benzinautomobil der Welt“ unter Denkmalschutz gestellt.

Technische Daten#

Hubraum1597 cm³
Zylinder1
Verdichtung3,5:1
Bohrung x Hub100,2 x 199,4 mm
max. Geschwindigkeit5 - 8 km/h
max. Leistung0,75 PS
max. Drehmoment24 NM
Leergewicht650 kg

Das Projekt der HTL Steyr#

Peter Malek, längjähriger Präsident der Marcus Gesellschaft und Besitzer des Automobilmuseums Stockerau, hegte den Wunsch, eine Replica des Marcus-Wagens anzufertigen und einigte sich 2003 mit dem Abteilungsvorstand der HTL Steyr, DI Günther Eckhard, einen Nachbau des Marcus-Wagens als Schulprojekt anzufertigen. Alle zwei Jahre wechselten die Arbeitsgruppen jahrgangsmässig, bis nach 12 Jahren Bauzeit die Replica rollfähig war. Im Laufe dieser 12 Jahre wurde der Siegfried-Marcus-Wagen sowohl von Schülern, als auch von Professoren und zum Teil unterstützenden Firmen originalgetreu nachgebaut.

Konstruktions-, Planungs-, Messungs- und Fertigungsarbeiten waren Bestandteile von zahlreichen Diplom- und Abschlussarbeiten und trugen somit einen wesentlichen Beitrag zu diesem lehrreichen Projekt bei. Kaum ein Schüler der Abteilung Maschinenbau hatte in den letzten Jahren nicht mit diesem Projekt zu tun. Nach jahrelanger harter Arbeit, herausfordernden Problemen und fast unmöglichen Aufgaben schafften es die Projektbeteiligten letztlich, das erste Automobil funktionstüchtig nachzubauen.

Für den Nachbau des vom Erfinder und Mechaniker Siegfried Samuel Marcus ertüftelten Vehikels war neben den tausenden Arbeitsstunden der 118 beteiligten HTL Schüler auch noch einiges an kreativen Lösungen notwendig. Unterlagen waren so gut wie nicht vorhanden und der Zugriff zu den Originalteilen war - trotz hervorragender Unterstützung vom Technischen Museum und der Siegfried-Marcus-Gesellschaft - nicht immer ganz einfach. Nach dem Motto „Nur das Beste ist gut genug“ wurde versucht, tatsächlich alles so originalgetreu wie nur möglich zu fertigen. Sofern möglich wurden sogar die gleichen Materialen verwendet, wie etwa der Lederriemen für den Antrieb. Besonders zu erwähnen ist, dass jedes einzelne Teil von der Schraube bis zum Rad nach den Originalspezifikationen von Hand gefertigt wurde.

Bemerkenswert ist zudem auch die komplette Virtualisierung des Fahrzeuges. Alle Einzelteile wurden von Schülern mittels CAD-Programmen konstruiert und zu einem „Assembly“ zusammengesetzt, was die Endmontage deutlich vereinfachte.

Das im Projekt gewonnene Know-how wurde in zahlreichen Diplomarbeiten dokumentiert und stellt eine wesentliche Basis für Durchführung ähnlicher Projekte in der Zukunft dar. Die beteiligten Schüler haben sich intensiv mit den allerersten Ursprüngen der Automobilgeschichte, der Technik und den Fertigungsmethoden beschäftigt und konnten neben den technischen Aspekten wichtige Erfahrungen im Bereich der Projektarbeit und des Team-Works sammeln. Dieses Wissen wird ihnen in ihrer weiteren beruflichen Entwicklung im Bereich Maschinenbau zu gute kommen und somit positive Auswirkungen weit über das ursprüngliche Projekt haben.

Bilder des fertigen Projekts#

Replik Detail
Replik Detail
Replik Detail
Replik Detail
Replik Detail

Die erste Ausfahrt des Siegfried-Marcus-Wagens#

Nach Abschluss dieser Arbeiten kurbelte Herr Rumpelsberger, ein essentielles Projektmitglied, am Samstag dem 16. März 2016, die Replik des Siegfried Marcus Wagens schwungvoll an. Eins, nein zwei Huster machte der 4-Takt Verbrennungsmotor und schon tuckerte er nur so vor sich hin. Schon konnte die Fahrt mit dem Bundespräsidenten, dem Maturanten Simon Reichhart und selbstverständlich der rot-weiß-roten Standarte im Tempo von ca. 5 km/h beginnen. Ohne jegliche Probleme rollte das 0,75 PS starke Gefährt inmitten der Menschenmenge über den Schulhof. Ein Blitzgewitter von Fotoapparaten signalisierte die Begeisterung aller Gäste.

Durch die Anwesenheit von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer beim Festakt zur Fertigstellung des Projekts erreichte der Marcus-Wagen eine große mediale Präsenz, die über die Landesgrenzen hinausging.

Festakt zur Fertigstellung des Projekts
Festakt zur Fertigstellung des Projekts
Dezember 2018

Literatur#

  • E. Ertl, "Geschichten aus meiner Jugend", Leipzig 1927
  • E. Kurzel-Runtscheiner, "Siegfried Marcus: Lebensbild eines österreichischen Erfinders", Wien 1956
  • G. Goldbeck, "Siegfried Marcus, ein Erfinderleben", VDI-Verlag, Düsseldorf 1961
  • H. Seper, "Damals, als die Pferde scheuten." Wien 1968, Österr. Wirtschaftsverlag
  • A. Buberl, Automobile. Die bewegte Geschichte des Straßenfahrzeuges, 1991
  • A. Buberl, Die Automobile des S. Marcus, 1994
  • U. Bürbaumer, "Das erste Auto der Welt?", Wien 1998, Erasmus Verlag
  • H. Seper, Pfundner, Lenz, "Österreichische Automobilgeschichte." Klosterneuburg 1999, Eurotax Verlag
  • H. Hardenberg, "Siegfried Marcus, Mythos und Wirklichkeit", aus der Wissenschaftlichen Schriftenreihe des DaimlerChrysler Konzernarchivs, Bielefeld 2000, Delius & Klasing Verlag
  • H. Grössing (Herausgeber), U. Bürbaumer, J. Steinböck, H. Hardenberg, G. Schaukal und L. Mergl in "Autos, Fahrer, Konstrukteure. Automobilismus im Aufbruch", Wien 2000, Erasmus Verlag
  • N. Böttcher, Siegfried Marcus. Bedeutender Ingenieur und vielseitiger Erfinder, 2005

Weiterführendes#

Quellen#


Redaktion: G. Rott, I. Schinnerl