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Österreichische Nationalbibliothek#

Österreichische Nationalbibliothek. Prunksaal
Österreichische Nationalbibliothek, Prunksaal.
Foto: Richard Hopkins. Aus: Wikicommons, unter CC BY 2.0

ÖNB
Eingang
Foto: P. Diem

Die historischen Wurzeln der ehemaligen kaiserlich-königlichen Hofbibliothek reichen bis in die Zeit des späten 14. Jahrhunderts zurück. 1920 wurde die Hofbibliothek des Habsburgischen Kaiserreiches als "Nationalbibliothek" in den Besitz der Republik Österreich übernommen und führt seit 1945 die Bezeichnung "Österreichische Nationalbibliothek" (ÖNB).
Die Österreichische Nationalbibliothek ist nicht nur die größte Bibliothek des Landes, sondern bietet im Prunksaal und den einzelnen Museen permanente Präsentationen und themenspezifische Wechselausstellungen, die wertvolle Bücher und Objekte aus den acht Sondersammlungen des Hauses zeigen. In diesen acht Sondersammlungen beherbergt die Österreichische Nationalbibliothek bedeutende Schätze des österreichischen Kulturerbes.

(Einzigartige Dokumente, die das kollektive Gedächtnis der Menschheit repräsentieren, werden seit 1992 von der UNESCO im "Memory of the World"-Programm mit dem Titel "Weltdokumentenerbe" ausgezeichnet. Von den derzeit insgesamt 13 in Österreich gelisteten Dokumenten befinden sich allein sieben in der Österreichischen Nationalbibliothek.)

Als eine der weltweit ersten Nationalbibliotheken digitalisiert die Österreichische Nationalbibliothek ihren kompletten historischen Buchbestand vom 16. bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts – eine der fünf international bedeutendsten Sammlungen historischer Bücher – und macht diesen sukzessive online zugänglich. (Das Projekt wird in einer Public Private Partnership mit Google durchgeführt. )

Als dienstleistungsorientiertes Informationszentrum bietet die Österreichischen Nationalbibliothek ihren BenützerInnen Zugang und qualifizierte Auskünfte zu den eigenen Beständen (über 11 Millionen Objekte), aber auch zu internationalen Datenpools. Sie nimmt wissenschaftliche Recherchen in Auftrag und betreibt Dokumentationsstellen und Serviceeinrichtungen beispielsweise zur frauenspezifischen Literatur.

(Die ÖNB erhält - auf Grundlage des österreichischen Mediengesetzes Österreichische - als einzige Bibliothek des Landes Belegexemplare von allen in Österreich erschienenen Publikationen und - auf Grundlage des Universitätsgesetzes - alle an österreichischen Universitäten approbierten Dissertationen. Diese Pflichtstücke bilden gleichzeitig die Grundlage zur Herausgabe der Österreichischen Bibliografie.)

Die Sammlungen#

  • Bildarchiv und Grafiksammlung
    Die Sammlung Bildarchiv und Grafiksammlung ist die größte Bilddokumentationsstelle Österreichs mit einem Bestand von über 3 Millionen Objekten unterschiedlichster historischer Mediengattungen.
  • Kartensammlung und Globenmuseum
    Die Kartensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek wurde 1906 gegründet, doch wurden an der damaligen kaiserlichen Hofbibliothek in Wien schon seit dem 16. Jahrhundert Landkarten gesammelt.
    Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges erfolgte durch die Übernahme von Karten, Atlanten und geografisch-topografischen Ansichten (Städte- und Landschaftsbilder) der ehemaligen habsburgischen Familien-Fideikommiss-Bibliothek, der Grafischen Sammlung Albertina und des Militärgeografischen Instituts eine entscheidende Bestandsvermehrung. Der Kartensammlung angeschlossen ist seit 1953 das weltweit einzige Globenmuseum, das die international zweitbedeutendste Sammlung alter Globen und globenverwandter Instrumente öffentlich zugänglich präsentiert.
  • Literaturarchiv
    Das Literaturarchiv sammelt und erschließt literarische Vor- und Nachlässe österreichischer Autorinnen und Autoren ab dem 20. Jahrhundert (insbesondere ab 1945), um sie für die wissenschaftliche Auswertung zugänglich zu machen.
  • Musiksammlung
    Die Musiksammlung der Österreichischen Nationalbibliothek ist Österreichs größtes Musikarchiv: Musikhandschriften, Musikdrucke, Textbücher von Opern und Vokalwerken, musikwissenschaftliche Literatur, Tonträger und die Nachlässe bedeutender österreichischer Komponisten werden hier verwahrt und für die Benützung erschlossen. Von 1920 bis 2005 befand sich die Musiksammlung im vierten Stock des Albertina-Gebäudes; 2005 erfolgte die Übersiedlung in das Palais Mollard (Wien 1, Herrengasse 9).
  • Papyrussammlung
    Die Papyrussammlung zählt mit über 180.000 Objekten weltweit zu den größten ihrer Art. Im Oktober 2001 wurde die Sammlung in die UNESCO-Liste "Memory of the World" als Weltdokumentenerbe aufgenommen.
  • Sammlung für Plansprachen
    Seit seiner Gründung im Jahre 1927 durch Hofrat Hugo Steiner verfügt das Esperantomuseum über eine umfangreiche Bibliothek, die 1990 die Bezeichnung "Sammlung für Plansprachen" erhielt. Sie ist auch Dokumentationsstelle und Archiv und beherbergt die weltweit größte Fachbibliothek für Interlinguistik.
  • Sammlung von Handschriften und alten Drucken
    2008 wurden die "Handschriften-, Autografen- und Nachlass-Sammlung" und die "Sammlung von Inkunabeln, alten und wertvollen Drucken" zusammengeführt.
  • Das Archiv des Österreichischen Volksliedwerkes wurde 1994 ebenfalls der Österreichischen Nationalbibliothek zugeordnet und enthält Dokumente musikalisch-poetischer und tänzerischer Äußerungen.

Die Museen#

  • Prunksaal
    Der barocke Prunksaal zählt zu den schönsten historischen Bibliotheken der Welt. Kaiser Karl VI. (1685/1711-1740) veranlasste den Bau dieses Juwels profaner Barockarchitektur für seine Hofbibliothek. Erbaut wurde der Prunksaal von 1723 bis 1726 nach Plänen des berühmten Hofarchitekten Johann Bernhard Fischer von Erlach von dessen Sohn Joseph Emanuel. Die Deckenfresken stellte der Hofmaler Daniel Gran bis 1730 fertig.
    Die Fresken im Eingangsflügel behandeln weltliche und kriegerische Themen, während im hinteren, an die Hofburg angrenzenden Friedensflügel mit dem ursprünglichen Zugang für den Kaiser und den Hof allegorische Darstellungen des Himmels und des Friedens zu sehen sind. Das Fresko in der knapp 30 Meter hohen Kuppel stellt die Apotheose Karls VI., dem Bauherrn der Hofbibliothek, mit einer Allegorie auf die Erbauung der Bibliothek dar. Das barocke Herrschaftsprogramm für den Freskenschmuck schuf der Hofgelehrte Conrad Adolph von Albrecht (1682–1751). Die vier im Mitteloval aufgestellten barocken Prunkgloben stammen von Vincenzo Coronelli (1650-1718). Gemeinsam mit den Marmorstandbildern der Brüder Peter und Paul Strudel und den Bücherschränken aus Nussholz bilden sie ein authentisches Bild der barocken Universalbibliothek des 18. Jahrhunderts.
    Heute beherbergt der Prunksaal 200.000 Bücher von 1501 bis 1850, darunter die 15.000 Bände umfassende Sammlung des Prinzen Eugen von Savoyen (1663-1736) im Mitteloval.
  • Papyrusmuseum
    Das Papyrusmuseum ist ein "Museum der Kulturen in Ägypten". Es präsentiert auf einmalige Weise die schriftliche Hinterlassenschaft all jener, die über die Jahrtausende im Land am Nil lebten und die Einflüsse der verschiedensten Kulturen erlebten. Dieses Nebeneinander und Miteinander der Kulturen wird besonders gut sichtbar in den Bereichen "Totenkult", "Medizin", "Magie", in der Literatur und den Essgewohnheiten. Diese Bereiche sind neben vielen anderen im Museum durch verschiedene Exponate illustriert und in ihrer Vielfalt sichtbar gemacht. Neben schriftlichen Zeugnissen aller Art vom Abwehrzauber gegen böse Krankheiten auf einem Amulett bis hin zum Pachtvertrag über eine Ölmühle sind auch Gegenstände ausgestellt, die das, was in schriftlichen Zeugnissen angesprochen ist, sichtbar und begreifbar machen.
  • Globenmuseum
    Das Globenmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek im Palais Mollard ist weltweit die einzige Institution, in der Erd- und Himmelsgloben sowie Globen des Erdmondes und verschiedener Planeten sowie den Globen verwandte Instrumente (Armillarsphären) und Instrumente, in denen Globen einen Bestandteil bilden (Planetarien, Tellurien, Lunarien) erworben, erforscht und der Öffentlichkeit präsentiert werden.
    Die Eröffnung des Museums, dessen Einrichtung auf Bemühungen Wiener Globenliebhaber zurückgeht, erfolgte 1956; jedoch lassen sich bereits seit dem 16. Jahrhundert an der damaligen Hofbibliothek Globen nachweisen.
    Das Hauptgewicht des Bestandes liegt bei den vor 1850 angefertigten Erd- und Himmelskugeln - als Leihgabe besitzt das Globenmuseum den ältesten in Österreich erhaltenen Erdglobus (Erdglobus von Gemma Frisius, ein Unikat aus der Zeit um 1636 aus der Sammlung Rudolf Schmidt, Wien).
  • Esperantomuseum
    Das Esperantomuseum wurde von Hofrat Hugo Steiner 1927 als Verein gegründet, durch Vertrag 1928 als Museum und Fachbibliothek an der Österreichischen Nationalbibliothek eingerichtet und 1929 bei einem Staatsakt in der Hofburg feierlich eröffnet.
    Nach der Annexion Österreichs durch Hitler-Deutschland 1938 wurde die Einrichtung geschlossen; 1947 fand eine Neueröffnung in der Hofburg im Bereich des Michaelerplatzes statt. 1990 erfolgte die Gründung der Sammlung für Plansprachen, wodurch der funktionellen Trennung zwischen Museum und Bibliothek Rechnung getragen wurde. 2005 übersiedelte das Museum in das renovierte Palais Mollard, wo die weltweit größte Sammlung ihrer Art nun ideale Räume gefunden hat.
  • Literaturmuseum
    Das Literaturmuseum der Österreichischen Nationalbibliothek ist seit 2015 im denkmalgeschützten, ehemaligen k. k. Hofkammerarchiv in der Johannesgasse 6 im ersten Wiener Bezirk zu finden. Das Gebäude wurde im Jahr 1844 fertiggestellt und ist heute eines der hervorragendsten Beispiele der Wiener Biedermeierarchitektur.
    Auch aus einem literarischen Grund ist es der ideale Ort für ein Literaturmuseum: Der österreichische Dramatiker Franz Grillparzer amtierte in diesen Räumlichkeiten bis 1856 als Archivdirektor. Sein Arbeitszimmer ist im Originalzustand erhalten und integraler Bestandteil des Hauses, das daher den Namen Grillparzerhaus tragen wird. Hier wird nun in einer Dauerausstellung die österreichische Literatur erstmals umfassend und in ihrer ganzen Vielfalt präsentiert.

Geschichte der österreichischen Nationalbibliothek#

Bedeutende Büchersammler der Frühzeit waren Albrecht III. (für den eigens Handschriften angefertigt wurden: die berühmteste darunter, das "Evangeliar des Johannes von Troppau", stammt aus dem Jahr 1368 und ist das erste nachweisbare, noch heute in der Bibliothek vorhandene Buch), Friedrich III. (der den bereits umfangreichen Buchbesitz des Hauses Habsburg vereinigte), Maximilian I. (der die Sammlung durch eigene Schöpfungen, u.a. "Theuerdank", "Weißkunig") sowie Handschriften aus dem Besitz seiner Gemahlinnen Maria von Burgund und Bianca Maria Sforza bereicherte und durch die Berufung der Humanisten Konrad Celtis und Johannes Cuspinianus der wissenschaftlichen Nutzung erschloss) sowie Ferdinand I.

1575 wurde Hugo Blotius von Maximilian II. zum des ersten kaiserlichen Bibliothekspräfekten der 9000 Bände umfassenden Bibliothek ernannt, womit die Geschichte der Bibliothek als eigenständige Institution begann. Unter den späteren Präfekten traten vor allem Peter Lambeck und Gerard van Swieten hervor. 1737 wurde die 15.000 Bände umfassende Privatbibliothek des Prinzen Eugen ("Eugeniana") erworben, die heute mit ihren roten, grünen und gelben Maroquineinbänden das Mitteloval des Prunksaals einnimmt.

Der barocke Prunksaal war 1723 bis 1726 nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach von dessen Sohn Joseph Emanuel erbaut worden. 1767 und 1773 fügte Nikolaus Pacassi 2 rechtwinkelig vortretende Seitenflügel hinzu und schuf damit den in seiner Stilreinheit eindrucksvollen Josefsplatz. Im Zuge der Erweiterung nahm die Hofbibliothek auch den Südflügel und einen Großteil des angrenzenden Augustinerklosters in Besitz.

Abgesehen von den ständigen Vermehrungen des Bücherbestands durch Kauf und Pflichtexemplare wurde der Bestand der Bibliothek um die Sammlungen Johannes Sambucus', Philipp Eduard Fuggers, Prinz Eugens, Georg Wilhelm Freiherr von Hohendorffs erweitert und durch die Bibliotheken der von Joseph II. aufgehobenen Klöster "bereichert".

1906 wurde der wurde der Augustinersaal zu einem öffentlich zugänglichen, über 100 Studierplätze fassenden, Lesesaal. 1955 wurde der Prunksaal renoviert, 1966 der im Parterre der Neuen Burg nach modernen bibliothekarischen Grundsätzen eingerichtete Hauptlesesaal und 1992 der Tiefspeicher eröffnet. In den Tiefgeschossen (Zugang vom Heldenplatz) befindet sich neben den Bücherspeichern auch der Zeitschriften-Lesesaal. 2005 erwarb die Österreichische Nationalbibliothek das (früher als NÖ Landesmuseum bekannte) Palais Mollard in der Herrengasse 9. In diesem Renaissancepalais haben das Globenmuseum, das Esperantomuseum und die Musiksammlung einen repräsentativen Standort gefunden. 2015 wurde im ehemaligen k. k. Hofkammerarchiv (Johannesgasse 6, Wien 1) das Literaturmuseum eröffnet.

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