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Volkstanz#

Der österreichische Volkstanz besitzt nicht nur bäuerlichen Ursprung, sondern enthält auch viele Elemente ehemals höfischer und städtischer Tanzformen und bietet daher eine Vielfalt von Erscheinungsformen. Funktionen des in der Gemeinschaft gestalteten Volkstanzes sind Geselligkeit, Repräsentation und Brauchtum. Gesellige Tänze finden nur zu bestimmten Zeiten des Jahres statt: im Fasching, nach Ostern (Maitanz) und im Herbst (Erntetanz), wobei Hochzeiten, Kirtage und Bälle die wichtigsten Anlässe sind. Bekannte österreichische Tanzformen sind unter anderem: Kranzltanz (Hochzeitsbräuche), Bandltanz, Sechsertanz (österreichische Kontratanzform aus Vorarlberg), Schuhplattler (ursprünglich eine vom Einzeltänzer frei gestaltete Form des Werbetanzes, heute nur noch Gruppentanz) und Ländler. Die in ganz Österreich verbreiteten Grundtanzformen sind offener Walzer, Hiatamadl, Bauernmadl, Schottischer, Neudeutscher, Siebenschritt, Studentenpolka, Kreuzpolka, Jägermarsch, Rheinländer, Schwedischer, Bayrisch-Polka (Boarischer), Neubayrischer, Krebspolka.

Die Entstehung der österreichischen Volkstanzbewegung hängt aufs engste mit dem Beginn der Aufzeichnung und der Beschreibung der Volkstänze zusammen. Raimund Zoder begann seine Sammeltätigkeit vor dem 1. Weltkrieg. Mit Hilfe der Turnsprache schuf er erstmals in Österreich eine mit der Leitmelodie des Tanzes verbundene genaue Beschreibung der Tanzbewegung. Seine Schüler setzten die Tätigkeit in den deutschsprachigen Gebieten der österreichisch-ungarischen Monarchie fort. In der Zwischenkriegszeit wurde die Pflege des Volkstanzes, die bis heute mit der Pflege von Volkslied und Trachten) verbunden ist, von behördlicher Seite aktiv unterstützt. Tanzgelegenheiten im Rahmen der Pflege bieten Volkstanzgruppen und -Kreise in allen Bundesländern. Die älteste ist die "Arbeitsgemeinschaft der Wiener Volkstanzgruppen" (gegründet 1949), deren größte Veranstaltung der "Wiener Kathreintanz" mit weit über 1000 aktiven Tänzern ist. Die Dachorganisation "Bundesarbeitsgemeinschaft österreichischer Volkstanz" ist Herausgeberin der Zeitschrift "Der fröhliche Kreis".

Weiterführendes#

Literatur#

  • R. Wolfram, Die Volkstänze in Österreich und verwandte Tänze in Europa, 1951
  • I. Peter, Tanzbeschreibungen, Tanzforschung, 1983
  • O. Schneider, Tanzlexikon, 1985
  • Schriftenreihe Volkstanz, 1988ff

Tanzbeschreibungen:

  • R. Zoder, Österreichische Volkstänze, 3 Teile, 1946-55
  • A. Novak, Steirische Tänze 1949
  • H. Lager und H. Derschmidt, Österreichische Tänze, 1959
  • E. Schützenberger und H. Derschmidt, Spinnradl, unser Tanzbuch, 5 Teile, ohne Jahresangabe
  • H. Dreo, Volkstänze aus dem Burgenland, 1961
  • F. Koschier, Kärntner Volkstänze, 2 Teile, 1963
  • K. Horak und E. Hofer, Vorarlberger Volkstänze, 1971
  • K. Horak, Tiroler Volkstanzbuch, 1974
  • L. Berghold, Volkstänze aus Niederösterreich, 2 Teile, 1975-88
  • I. Peter, Salzburger Tänze, 1975
  • H. Lager und H. Seidl, Kontratanz in Wien, 1983
  • H. Derschmidt, Tänze aus Oberösterreich, 1985