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vom 31.01.2018, aktuelle Version,

5. Klavierkonzert (Beethoven)

Das 5. Klavierkonzert op. 73 in Es-Dur ist Ludwig van Beethovens letztes Klavierkonzert. Im englischsprachigen Raum ist das Konzert auch unter dem Titel Emperor bekannt. Es gehört heute zu den meistaufgeführten Klavierkonzerten weltweit und erfreut sich größter Beliebtheit.

Entstehung und Wirkung

Das Konzert entstand von Dezember 1808 bis April 1809 und ist Erzherzog Rudolph gewidmet. Die Uraufführung erfolgte am 13. Januar 1811 in einem halböffentlichen Konzert im Wiener Palais des Fürsten Joseph Lobkowitz mit dem Erzherzog als Solist. Dies belegt eine Tagebuchnotiz des Grafen Johann Nepomuk von Chotek, der auch die anderen Programmpunkte festhielt.[1] Am 28. November 1811 folgte im Leipziger Gewandhaus eine Aufführung mit dem Pianisten Friedrich Schneider. Zur ersten öffentlichen Aufführung kam es in Wien erst am 11. Februar 1812 bei einer Akademie im Theater am Kärntnertor, bei der Beethovens Schüler Carl Czerny den Solopart übernahm. Im Gegensatz zu seinen anderen Klavierkonzerten ist Beethoven selbst mit dem Werk nicht öffentlich aufgetreten, wohl bedingt durch seine zunehmende Schwerhörigkeit.

Die Erstausgabe erschien im Februar 1811 im Verlag Breitkopf & Härtel, wie die Druckbücher des Verlags ausweisen.[2]

Zur Musik

1. Satz: Allegro

Das Hauptthema in den Violinen
Hörbeispiel 1. Satz

Der Kopfsatz beginnt mit einer für die Wiener Klassik völlig neuen Einleitung – mit einem Es-Dur-Dreiklang des Orchesters, worauf das Klavier mit einer virtuosen auskomponierten Kadenz einsetzt. Das Orchester markiert die Kadenzakkorde mit der Subdominante (As-Dur) und der Dominante (B-Dur), jeweils gefolgt von prächtigen Klavierpassagen, die schließlich in die Grundtonart zurückführen. Erst jetzt stellt das Orchester in der Exposition das schwungvolle Hauptthema vor. Das zweite Thema, in es-moll zuerst in Achteln und dazwischen liegenden Achtelpausen, später legato, bildet einen starken Kontrast zum Hauptthema und verursacht einen Stimmungswechsel. Dann leitet das Klavier mit einem chromatisch aufsteigenden Lauf wieder zum Hauptthema über/Exposition II. Das 2. Thema im Klavier beginnt völlig unerwartet in h-Moll und wechselt – enharmonisch verwechselt – nach Ges-Dur und Ces-Dur. Erst in der folgenden Orchesterpassage wird dann die für das 2. Thema erwartete Dominanttonart B-Dur erreicht. In B-Dur wird dann auch der anschließende Formteil Durchführung mit dem Hauptthema eröffnet und führt in einen Dialog zwischen Orchester und Klavier durch verschiedene Klangfarben, Motive und Tonarten. In der Reprise wird das Hauptthema brillant und strahlend wieder aufgenommen. Auch das zweite Thema erscheint wieder, nun von virtuosen Klavierfigurationen umspielt, die zusammen mit dem Orchester schwungvoll zum Ende des Satzes hinführen. Anstelle einer virtuosen Kadenz komponierte Beethoven eine ausgeschriebene Passage, die in die abschließende Coda übergeht.

2. Satz: Adagio un poco mosso

Hörbeispiel 2. Satz

Das Adagio ist in H-Dur gesetzt, einer mit Es-Dur enharmonisch verwechselt terzverwandten Tonart. Gedämpfte Streicher stellen zunächst ein getragenes, choralähnliches Thema vor, bevor das Klavier einsetzt und das Thema schwebend zur Begleitung des Orchesters übernimmt. Es moduliert nach D-Dur und kehrt mit dem Orchester nach der Grundtonart H-Dur zurück. Zum Ende des ergreifenden Satzes leiten zwei Fagotte chromatisch von H- nach B- über, das Klavier deutet zwei Mal leise das Thema des dritten Satzes an, zwei Hörner spielen getragen das B und das Es-Dur-Rondo schließt attacca an.

3. Satz: Rondo Allegro

Rondothema
Hörbeispiel 3. Satz

Im Schlusssatz beginnt das Klavier in donnerndem Fortissimo mit dem Hauptthema, welches aus einem zackig-aufstrebenden Dreiklang und einem abwärts geführten Gegenmotiv besteht. Das Orchester wiederholt das Hauptthema und führt es weiter. Im Klavier erscheint dann ein gesangliches Seitenthema (dolce). Beethoven lässt hier die Form des Rondos, wie in der Wiener Klassik üblich, mit der Sonatenhauptsatzform verschmelzen. In einem Durchführungsteil wird das Hauptthema über die Tonarten C-Dur, As-Dur und E-Dur geführt, ein verlängerter Triller auf der Dominante B leitet in die Reprise über. Die Coda besteht zunächst aus einer längeren Passage des Klaviers mit der Pauke, deren Ostinato sich verlangsamt und fast verhallt, bevor das Klavier unvermittelt zum Anfangscharakter zurückführt und das Orchester mit dem verkürzten Hauptthema einen triumphalen Schlusspunkt setzt.

Das Konzert im Gesamtwerk Beethovens

Beethovens letztes reines Klavierkonzert (er schrieb sein Violinkonzert op. 61 später für Klavier um) ist der Gipfel seiner Weiterentwicklung dieses Genres. Gerade dieses Konzert beeinflusste nachhaltig spätere Künstler und die weitere Entwicklung der Gattung. Es setzt den Stil des sinfonischen Klavierkonzertes fort, den Beethoven im vorhergehenden 4. Klavierkonzert begonnen hatte und zeigt den Weg zum sinfonischen Klavierkonzertstil, wie ihn u. a. später Johannes Brahms prägte. In der Tonart Es-Dur stehen u. a. die 3. Sinfonie, die Eroica-Variationen und vier Klaviersonaten. Sie wurde von Beethoven öfters benutzt, um Heldentum musikalisch darzustellen. Das Konzert entstand in Beethovens mittlerer Schaffensperiode in der Umgebung der fünften bis siebten Sinfonie oder dem vierten Klavierkonzert. Das Jahrzehnt zwischen 1803 und 1813 war Beethovens produktivste Arbeitsphase.

Literatur

  • Georg Kinsky: Beiträge zur Beethoven-Bibliographie; Studien und Materialien zum Werkeverzeichnis. Henle, München 1978, ISBN 3-87328-028-0
  • Hansjürgen Schaefer: Konzertbuch Orchestermusik A–F. VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1958
  • Hartmut Hein: Ludwig van Beethoven. Klavierkonzert Nr.5 Es-Dur op.73. Faksimile. Laaber-Verlag, Laaber, 2005. ISBN 978-3-89007-584-6

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Beethoven in the Diaries of Johann Nepomuk Chotek, hrsg. von Rita Steblin, Bonn: Verlag Beethoven-Haus 2013 (= Veröffentlichungen des Beethoven-Hauses Bonn, Reihe IV, Schriften zur Beethoven-Forschung, Band 24), S. 113f.
  2. Kurt Dorfmüller, Norbert Gertsch und Julia Ronge (Hrsg.), Ludwig van Beethoven. Thematisch-bibliographisches Werkverzeichnis, München 2014, Band 1, S. 457f.
  Commons: Piano Concerto No. 5 (Beethoven)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien