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vom 22.09.2017, aktuelle Version,

Adalbert Schmidt

Adalbert Schmidt (* 12. Juli 1906 in Wien; † 9. November 1999 in Eferding bei Linz) war ein österreichischer Germanist und Hochschullehrer.

Leben

Schmidt, Sohn eines Ministerialrats,[1] war ein Wiener mit sudetendeutschen und ungarischen Vorfahren. 1930 wurde er mit einer Arbeit über Wilhelm Holzamer beim Germanisten Paul Kluckhohn (1886–1957) promoviert. In den 1930er Jahren arbeitete Schmidt für Radio Wien, gestaltete „Bücherstunden“ und war in der Volksbildung tätig, vor allem für die Wiener Urania.

Als Verlagslektor beim Sudetendeutschen Verlag Franz Kraus in Reichenberg (Liberec) zeichnete Schmidt für die literarischen Beilagen der Sudetendeutschen Tageszeitung verantwortlich und schrieb Theaterberichte für deutschnationale Zeitungen etwa die Wiener Neuesten Nachrichten. Im Wiener Adolf Luser Verlag gab Schmidt zwischen 1934 und 1936 gemeinsam mit Hans Bruneder und (bis 1935) Hugo Ellenberger die Zeitschrift Lebendige Dichtung – österreichische Monatshefte für deutsches Schrifttum heraus.

Nachdem er 1938 in die NSDAP eingetreten war,[1] nach anderen Quellen bestand nur eine Parteianwartschaft[2], habilitierte er sich 1939 mit einer Arbeit über Helfrich Peter Sturz. Anschließend war er Herausgeber der Ostmarklyrik, sowie eines Sudetendeutschen Lyrikbuches.[1]

Während des Zweiten Weltkriegs war er im Militärdienst und danach in Kriegsgefangenschaft. Seine Schriften Die sudetendeutsche Dichtung der Gegenwart (Kraus, Reichenberg 1938), Sudetendeutsches Lyrikbuch (Kraus, Reichenberg 1939) und Ostmark-Lyrik (Luser, Wien 1939) wurden in der Sowjetischen Besatzungszone auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.[3]

Später wurde Schmidt zunächst Lektor an der theologischen Fakultät in Salzburg, dann Bezirksschulinspektor für Berufsschulen. Eine zweite Habilitation zum Thema „Wege und Wandlungen moderner Dichtung“ (1964) öffneten Schmidt den Weg zur späten Professur an der im Ausbau befindlichen Universität Salzburg, eine Position, die er von 1966 bis 1976 innehatte. Schmidts Antrittsvorlesung war Adalbert Stifters „Sanftem Gesetz“ gewidmet.

Schmidts Literaturgeschichte unserer Zeit (1968) und Dichtung und Dichter Österreichs im 19. und 20. Jahrhundert (1964) galten lange als Standardwerke.

Für Herbert Arlt war Schmidts Beitrag zu einer Geschichtsschreibung einer österreichischen Literatur (in Abgrenzung zu Literatur aus Deutschland) nicht am Material gebildet, sondern den Zeitumständen geschuldet: Österreich wollte nicht in der Verantwortung der NS-Verbrechen stehen. Er schreibt „insbesondere die Wende von Josef Nadler, Adalbert Schmidt, Heinz Kindermann und anderen von einer nationalsozialistischen Darstellung zu einer Verfechtung einer Existenz einer österreichischen Literatur mehr den Zeitumständen geschuldet angesehen wurde als einer gegenstandsorientierten literatur- und sprachwissenschaftlichen Arbeit“[4][5]

Nach seiner Emeritierung lebte er in Eferding bei Linz.

Familie

Adalbert Schmidt ist der Vater der österreichischen Malerin Hanna Scheriau.

Werke

  • Adalbert Schmidt: Die sudetendeutsche Dichtung der Gegenwart. Reichenberg: Kraus 1938.
  • Adalbert Schmidt: Sudetendeutsches Lyrikbuch. Reichenberg: Kraus 1939.
  • Ostmark-Lyrik der Gegenwart. Gesammelt und herausgegeben von Dr. Adalbert Schmidt. Wien / Leipzig, Adolf Luser Verlag 1939.
  • Hermann Bahr: Briefwechsel mit dem Vater. Ausgewählt von Adalbert Schmidt. Mit einem Nachwort und Register. Wien: Bauer 1972.

Literatur

  • Festschrift für Adalbert Schmidt zum 70. Geburtstag. Hrsg. von Gerlinde Weiss unter Mitw. von Gerd-Dieter Stein. Stuttgart: Akad. Verl. Heinz 1976.
  • Elmar Oberegger: Em. o. Univ.-Prof. Dr. Adalbert Schmidt, Pater Thomas, Elmar Oberegger und das Schinkenbrot. Erinnerungen an das ‚Maierwieser Symposium‘(1979), Sattledt: Selbstverlag 2013.

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 528.
  2. Vgl. Weblink Nachruf.
  3. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-s.html
  4. Herbert Arlt: Zur Geschichte der Darstellung der österreichischen Literatur. Abgerufen am 21. Dezember 2016.
  5. Vgl. auch Karl Schimpl: Weiterführung und Problematisierung. Heinz 1982, S. 236.