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vom 14.04.2018, aktuelle Version,

Andergassen (Familie)

Darstellung des bürgerlichen Wappens der Familien Andergassen, Wappenmalerei um 1895

Die neuzeitlich bürgerlichen Familien Andergassen stammen großteils aus Kaltern an der Weinstraße/Caldaro sulla Strada del Vino, dem Südtiroler Unterland und dem Überetsch.

Überlieferung

Die Frage, ob eine genealogische Verbindung der Herren an der Gassen von Tirol zu den Überetscher Familien, die dort seit dem ausgehenden 16. Jhdt. in den Kirchenbüchern verzeichnet wurden, existiert, muss seriöserweise so lange unbeantwortet bleiben, bis diese These durch belastbare Informationen abgesichert werden kann, wobei auch eine gegenteilige Erkenntnis möglich sein könnte. Einstweilen wird dieser Aspekt wohl ein Mythos der Andergassen´schen Familiengeschichte bleiben.

Kaltern

Bereits 1419 wird ein Peter an der Gassen in einer Urkunde des Kalterer Pfarrarchivs erwähnt.[1][2] Er war zweifellos der Besitzer des Gutes an der Gassen in Kaltern-Oberplanitzing, das sich heute noch neben der Kirche St. Johannes der Täufer in Kaltern-Oberplanitzing befindet.[3]

Wappen

Die Wappenverleihung an die Brüder Hans, Georg und Michael an der Gassen mit Lehenartikel erfolgte durch Kaiser Maximilian II. in Prag am 1. März 1575, [4] aufgrund von Verdiensten im Verwaltungswesen und im Krieg gegen die Osmanen. Der verliehene Wappenbrief war zuletzt im Besitz von August Andergassen, gilt aber seit dem Zweiten Weltkriegs als verschollen.[5]

Beschreibung: Ein silbernes Schrägband teilt das Schild mittig, von rechts oben nach links unten. Im unteren, blauen Feld befinden sich drei goldfarbene, sechszackige Sterne. Im oberen, goldenen Feld ist die Figur eines Mannes abgebildet. Beide Felder sind ornamental verziert. Der Dargestellte trägt einen gestutzten grauen Schnurrbart und längere Haare. Bekleidet ist er mit einem blau-weißen, sogenanntem ungarischen Mantel, der durch sechs goldfarbene Knöpfen verschlossen ist, und dessen Wams durch einen blauen Gürtel gehalten wird. Das Haupt ist mit einem blauen Hut und gelber Stülpe bedeckt. In seiner rechten Hand hält er einen gezückten silber-goldenen Säbel, mit der linken Hand stützt er sich an der Seite ab. Über dem silbernen Stechhelm, der als heraldisches Symbol des Bürgerwappens gilt, ist nochmals der Fechter zu sehen. Als Helmzier fungieren blau und gelb gewundene Helmdecken.

Das stilistisch durch die Renaissance beeinflusste Wappen besitzt keinerlei formale Übereinstimmung mit dem der Herren an der Gassen von Tirol.

Es existiert ein weiteres Wappen, das Hans von der Gassen am 7. Oktober 1555 in Innsbruck verliehen wurde. [6] Beschreibung: Querfach schwarz über silber, Gämse wachsend, farbengewechselte Helmzier, Gämse wie vorhin wachsend.[7] Mit diesem siegelt beispielsweise Caspar an der Gassen, genannt Walch in der Catnaw, vielleicht nach Cagnò am Nonsberg (Trentino), am 1. Oktober 1588, Gericht Schenna.[8]

Name

Der durch zwei Präpositionen geprägte und ursprünglich eine Wohnstätte bezeichnende Name, wurde in der Folge zu einem Wort zusammengefasst. Dies könnte nach dem Tridentinum, im Zuge der Einführung von Pfarrmatrikeln, erfolgt sein.

Da deutschsprachige Namen in Südtirol/Alto Adige im italienischen Faschismus aus politischen Gründen partiell italianisiert und auch ersetzt wurden, existiert seither mit Dallavia auch eine italienische Variante.[9]

Quellen

  • Pfarrarchiv Kaltern/Caldaro. Urkunde. 1419 Juli 28. "In villa Caldare. Zeugen: Rudolfos Cristian, officialis in castro Laymburg, [...] der an den Besitz des Michaelis Jost und des Petrus an der Gassen des superiori Planiez stößt, ein Weinland gelegen in pert. Caldare in loco dicto in Ackerlein [...]"
  • Reichsadelsakt. Wappen mit Lehenartikel. Hans, Georg und Michael (Brüder) an der Gassen. Prag 1. III. 1575, (R). [Wappenbrief kaum lesbar, Wappenzeichnung unvollständig]. Allgemeines Verwaltungsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs
  • Wappen mit Lehenartikel. Hans von der Gassen. Innsbruck 7. X. 1555 (WB I, 82). [farbige Zeichnung]. Allgemeines Verwaltungsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs

Literatur

  • Frank, Karl Friedrich von: Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich und die österreichischen Erblande bis 1806 sowie kaiserlich österreichische bis 1823, Bd 1: A.-E., Schloß Senftenegg: Selbstverl., 1967
  • Fontana, Josef [Hrsg.]. Freiberg, Walter [Verf.]: Südtirol und der italienische Nationalismus. Entstehung und Entwicklung einer europäischen Minderheitenfrage. Teil 2. Dokumente. Schlern-Schriften 282/2. Innsbruck: Wagner, 1990
  • Mahlknecht, Bruno: Burgen, Schlösser und Ansitze in Kaltern. Brixen: Weger, 2015. S. 145f. ISBN 978-88-6563-125-6
  • Inst. für Sozialforschung in den Alpenländern a. d. Univ. Innsbruck u. der Stiftung für dt. Volks- und Kulturbodenforschung Leipzig [Hrsg.]. Stolz, Otto [Verf.]. Die Ausbreitung des Deutschtums in Südtirol im Lichte der Urkunden. München [u. a.]: Oldenbourg, 1927–34. S. 98. Nr. 27.

Einzelnachweise

  1. Pfarrarchiv Kaltern/Caldaro. Urkunde. 1419 Juli 28. "In villa Caldare. Zeugen: Rudolfos Cristian, officialis in castro Laymburg, [...] der an den Besitz des Michaelis Jost und des Petrus an der Gassen des superiori Planiez stößt, ein Weinland gelegen in pert. Caldare in loco dicto in Ackerlein [...]"
  2. Inst. für Sozialforschung in den Alpenländern a. d. Univ. Innsbruck u. der Stiftung für dt. Volks- und Kulturbodenforschung Leipzig [Hrsg.]. Stolz, Otto [Verfasser]. Die Ausbreitung des Deutschtums in Südtirol im Lichte der Urkunden. Bd. 2: Die Ausbreitung des Deutschtums im Bozner Unterland und Überetsch sowie in den deutschen Gemeinden im Nonsberg und Fleimstal. München [u. a.]: Oldenbourg, 1928. S. 98. Nr. 27.
  3. Mahlknecht, Bruno: Burgen, Schlösser und Ansitze in Kaltern. Brixen: Weger, 2015. S. 145f.
  4. Reichsadelsakt. Wappen mit Lehenartikel. Hans, Georg und Michael (Brüder) an der Gassen. Prag 1. III. 1575, (R). [Wappenbrief kaum lesbar, Wappenzeichnung unvollständig]. Allgemeines Verwaltungsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs
  5. Akt. Familiengeschichte und Wappen Andergassen. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Innsbruck
  6. Frank, Karl Friedrich von: Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich und die österreichischen Erblande bis 1806 sowie kaiserlich österreichische bis 1823, Bd 1: A.-E., Schloß Senftenegg: Selbstverl., 1967. S. 72
  7. Wappen mit Lehenartikel. Hans von der Gassen. Innsbruck 7. X. 1555 (WB I, 82). [farbige Zeichnung]. Allgemeines Verwaltungsarchiv des Österreichischen Staatsarchivs
  8. Fischnaler, Konrad: Wappenkartei. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
  9. Fontana, Josef [Hrsg.]. Freiberg, Walter [Verf.]: Südtirol und der italienische Nationalismus. Entstehung und Entwicklung einer europäischen Minderheitenfrage. Teil 2. Dokumente. Schlern-Schriften 282/2. Innsbruck: Wagner, 1990. S. 757f.