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vom 25.01.2019, aktuelle Version,

Bier in Österreich

Wieden Bräu, eine typische Wiener Mikrobrauerei. Die meist kupferummantelten Brauanlagen stehen im Mittelpunkt des Betriebes, häufig umgeben von Tischen für die Kunden.
Die Brau Union ist das größte österreichische Brauereiunternehmen mit einem Umsatz von über 700 Millionen Euro (2016).
Das Tiroler Bier wird von einer Mikrobrauerei inmitten von Innsbruck hergestellt.
Flaschen im Sternbräu, Salzburg. Das Bier wird vom ehemals erzbischöflichen Hofbräu Kaltenhausen speziell für Sternbräu gebraut.
Kaiser-Bier
Flasche und Glas von Stiegl Bier
Um 1900 war die Brauerei Schwechat die größte Brauerei Europas. Hier eine Abbildung aus dem Kronprinzenwerk, 1888.
Dampfmaschine, gebaut 1856 für die Drehersche Brauerei in Klein-Schwechat, heute im Technischen Museum in Wien.

Bier in Österreich umfasst einerseits die in Österreich gebrauten Biersorten, andererseits eine große Anzahl importierter Biermarken aus den Nachbarländern bis hin zu anderen Kontinenten. In Österreich wurden beispielsweise 2011 8,9 Millionen Hektoliter Bier produziert und 9,1 Millionen Hektoliter getrunken. Das entsprach der durchschnittlichen Konsumation von mehr als 100 Litern pro Kopf der Bevölkerung. Österreich stand damit im Pro-Kopf-Verbrauch innerhalb der Europäischen Union an zweiter Stelle hinter Tschechien. 2016 wurden mehr als 9,2 Millionen Hektoliter Bier gebraut, der inländische Verbrauch sank auf 9,03 Millionen Hektoliter.[1]

Bierbrauereien

Viele kleine und mittlere Betriebe, mit über 170 Standorten, stehen der Brau Union Österreich AG und einigen größeren Brauereien gegenüber. Die Brau Union hat viele traditionelle österreichische Biermarken und deren Betriebsstätten erworben und auch eigene Marken kreiert.

Sorten

Die beliebteste Biersorte in Österreich ist das Lager- oder Märzenbier. Es ist malzig mit einem verhältnismäßig geringen Hopfen-Anteil und hat eine goldgelbe Farbe. Der Alkoholgehalt des untergärigen Biers liegt zwischen 5 und 5,5 Prozent. Anton Dreher senior, der Besitzer der Schwechater Brauerei, gilt als Erfinder des heutigen Lagerbiers, das er ab 1840/41 herstellte. Er nannte es damals Märzenbier. In Eiskellern konnte er es bis zum Sommer lagern. Seine Brauerei nahe der Stadt Wien entwickelte sich unter seinen Erben um 1900 zur größten in Europa.

Die zweithäufigste Biersorte ist das Pils. Es ist blassgelb, weniger malzig, aber mit einem verhältnismäßig intensiven Hopfenaroma ausgestattet. Der Hopfen für dieses untergärige Bier, das ab 1842 in Pilsen im damals österreichischen Kronland Böhmen gebraut wurde, stammt aus dem Anbaugebiet in der Region Žatec (deutsch: Saaz).

Das in Österreich häufigste obergärige Bier ist das Weizenbier, bei dem das verwendete Malz zumindest zu 50 Prozent aus Weizen hergestellt wird. Die Farbe der Weizenbiere ist meist sehr hell, kann jedoch auch dunkel bis schwarz sein. Dunkle Weizenbiere werden meist hefetrüb angeboten.

Bockbier ist meist dunkelorange bis hellbraun. Es hat einen erhöhten Alkoholgehalt von etwa 6,5 bis 7 Prozent. Ursprünglich wurde das Starkbier zu den Fastenzeiten des Kirchenjahres gebraut, etwa der Josefi-Bock, der nach dem hl. Josef benannt ist, dessen Namenstag am 19. März, also kurz vor den Osterfeiertagen gefeiert wird. Das um die Weihnachtszeit gebraute Bockbier wird auch Stefani-Bock genannt.

Das Zwickl ist ein ungefiltertes und daher trübes Lagerbier. Das Bier muss speziell gelagert werden und ist daher nicht überall verbreitet.

Mundartliche Ausdrucksweisen

Rund um die lange Tradition des Bierbrauens hat sich in Österreich ein teilweise eigenständiger Wortschatz gebildet.

So ist etwa der Hansl oder Bierhansl der abgestandene, schale Rest im Bierfass oder Bierglas. Dieser wird gerne von den Biertipplern getrunken, die sich als gewohnheitsmäßige, aber arbeitslose Trinker der von den anderen Gästen übrig gelassenen Bierreste annehmen mussten. Dass stets Reste im Fass zurückbleiben, ist der Bierpipn, dem Zapfhahn zu verdanken, der die Bierabgabe reguliert, ohne zu viel Schaum zu produzieren.[2]

Der Ausdruck Bierversilberer ist im gesamten deutschen Sprachraum verbreitet, hat aber in Johann Nestroys Posse Der Talisman im Bierversilberer Spund eine Verkörperung gefunden, die dessen Tätigkeiten bis heute vergegenwärtigt. Seine Aufgabe war das Verteilen und Verkaufen von Bier. Dabei war er zumeist auch für das Abfüllen in Flaschen,[3] den Transport mit Pferdefuhrwerken bis zum jeweiligen Wirtshaus und auch für das Kühlen der Bierbestände mit Eis zuständig. Zur Gewinnung des Eises dienten ihm in früheren Jahrhunderten die im Winter zugefrorenen Eisteiche und die Eiskeller, in denen das Eis bis zum Sommer gelagert werden konnte.

Marken

Unter den steirischen Brauereien im Süden befinden sich die beliebten Marken Gösser, Puntigamer und Murauer. Hirter wird im Ort Hirt in Kärnten hergestellt. In Niederösterreich dominieren Egger, Zwettler, Schwechater, Kaiser und Wieselburger. In Wien wird Ottakringer gebraut.

Aus den westlicheren Teilen Österreichs kommt Zipfer in Oberösterreich. Oberösterreich beheimatet auch das Freistädter Bier. Die Organisation der Brauerei ist insofern einzigartig, als die Brauerei als Kommune organisiert ist und von denjenigen betrieben wird, die ein Haus innerhalb der Stadtmauern besitzen, daher der Name der Stadt Freistadt. Weiter westlich liegt Salzburg mit Stiegl, Augustiner Bräu (nicht verwandt mit dem Deutschen). Weizenbier ist eine beliebte Biersorte in dieser Region. Aus Tirol und Vorarlberg kommen Falkenstein, Frastanzer, Mohrenbräu, Starkenberger, Zillertaler, Huber Bräu, Tiroler Bier, Fohrenburger und Der Wilde. In Vorarlberg dominieren die Marken Mohrenbräu und Fohrenburger.[4]

Siehe auch

Literatur

  • Conrad Seidl: Hurra! Bier!. Reisen zu Österreichs Brauereien. Österreichischer Bundesverlag, Wien 1990, ISBN 3-215-07509-1.
  Commons: Bier in Österreich  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistiken 2010–2016. Brewers of Europe, November 2017, abgerufen am 1. Februar 2018.
  2. Wir Oberösterreicher: Vom Hansl bis zum Bierversilberer. OÖ Nachrichten vom 19. März 2008, abgerufen am 31. Jänner 2018.
  3. F. Kral: Historisches Foto eines Bierversilberers beim Flaschenabfüllen, um 1905. Austria-Forum, IMAGNO/Archiv Lunzer, abgerufen am 31. Jänner 2018.
  4. Brauereiführer. Abgerufen am 31. Januar 2018.