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vom 03.09.2016, aktuelle Version,

Burg Ligist

Burg Ligist
Die Burgruine im März 2012

Die Burgruine im März 2012

Alternativname(n): Alt-Ligist, Lubgast
Entstehungszeit: Ende des 12. Jahrhunderts
Burgentyp: Höhenburg
Erhaltungszustand: Ruine
Bauweise: größtenteils lagerhaftes Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung
Ort: Ligist
Geographische Lage 46° 59′ 47″ N, 15° 12′ 22″ O
Burg Ligist (Steiermark)
Burg Ligist

Die Burgruine Ligist, auch Alt-Ligist und Lubgast genannt, ist die Ruine einer Höhenburg auf einem nach drei Seiten steil abfallenden Bergrücken im Nordosten der Marktgemeinde Ligist in der Steiermark in Österreich.

Die Geschichte der Burg reicht bis zum Ende des 12. Jahrhunderts zurück. Sie befindet sich seit 1928 im Besitz des Souveränen Malteserordens und wird seit 1975 vom Ligister Burgenverein instand gehalten. Die Burg wurde vermutlich in vier Bauphasen errichtet, wobei die ältesten Teile aus dem späten 12. und frühen 13. Jahrhundert, die jüngsten Teile aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammen.

Standort

Die Burg befindet sich im Nordosten des Ortes Ligist auf einem nach drei Seiten hin steil abfallenden und mit Gras bewachsenen Bergrücken. Die Hänge dieses Bergrückens wurden teilweise künstlich geböscht.[1][2]

Geschichte

Kupferstich der Burg Ligist aus Vischers Topographia Ducatus Styriae, 1681

Kaiser Otto III. schenkte dem Markgrafen Adalbero von Eppenstein im Jahr 1000 Landbesitz im Gebiet der heutigen Gemeinde Ligist. Dieses Gebiet kam über eine Erbschaft in den Besitz der Herren von Wildon. Die Burg wurde vermutlich gegen Ende des 12. Jahrhunderts errichtet, um die vom Kainachtal über die Hebalm nach Kärnten verlaufende Straße zu schützen.

Der erste urkundliche Nachweis eines Burgherren stammt aus dem Jahr 1222 und nennt einen Ulrich de Lubgast, nach welchem die Burg auch „Veste Lubgast“ genannt wurde. Die Lubgaster waren Gefolgsleute der Herren von Wildon. Im 13. Jahrhundert wurde der Wehrbau ausgebaut. In der Zeit um 1355 wurde die „vest ze Lubgast“[3] als freies Eigen von den mit den Wildonern verwandten Herren von Saurau übernommen.

Im Jahr 1542 hatte die Herrschaft Ligist mehr als 200 Bauern als Untertanen. Als sich Franz von Saurau gegen Ende des 16. Jahrhunderts trotz landesfürstlichen Befehls weigerte, den protestantischen Pfarrer der Herrschaft abzusetzen, wurde er durch eine Reformkommission unter der Begleitung von kaiserlichen Truppen dazu gezwungen. Die Soldaten der kaiserlichen Truppen richteten bei ihrem Eingreifen zum Teil große Schäden an der Burg an. Ein Teil der Burg sowie die Rüstkammer brannten 1621 ab, wurden aber bereits kurze Zeit danach erneuert. Obwohl die Verschuldung der Herrschaft im 18. Jahrhundert stark anstieg, blieb sie bis zum Aussterben der Familie Saurau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in deren Besitz. Ab 1783 wohnten die Saurau aber nicht mehr in der Burg, sondern in dem zum Schloss Ligist ausgebauten Meierhof am unteren Teil des Burghügels.[1]

Die Saurau scheinen ein eher entspanntes Verhältnis zu ihren Untertanen gehabt zu haben, worauf der bis in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts belegte Brauch des Robotmahles hinweist. Dieses wurde von den Burgherren aus Dankbarkeit gegenüber der geleisteten Robotarbeit jedes Jahr am 29. Juni, dem Gedenktag der Heiligen Peter und Paul, in der Burg abgehalten. Dabei wurden alle Männer der Herrschaft bewirtet, und ihre Frauen durften am Abend die verbliebenen Reste des Mahles einsammeln. Im 18. Jahrhundert gehörten 385 Häuser in 44 Orten sowie fünf Ämter und die Vogteien über die Kirchen Ligist, Modriach, Pack und Stallhofen zur Herrschaft Ligist.[1]

Aus dem Jahr 1797 ist bekannt, dass die Burggebäude bereits schwere Schäden aufwiesen, ehe sie im Winter 1809/10[3] durch eine dort untergebrachte Abteilung französischer Soldaten weiter zerstört wurden. Die Soldaten verheizten unter anderem die restliche Inneneinrichtung sowie die Fußböden und Teile des Dachstuhles.

Die Grafen von Göess erbten 1870 die Burg mitsamt Herrschaft. Von ihnen ging das Gut 1928 an den Souveränen Malteserorden, in dessen Besitz es sich bis heute befindet. Der Ligister Burgenverein begann ab 1975 mit der Instandhaltung der Burganlage.[1] In jüngerer Zeit wurden auch vermehrt Sicherungs- und Erhaltungsarbeiten an der Ruine durchgeführt.[2]

Beschreibung

Grundriss der Burg Ligist aus Otto Pipers Österreichische Burgen, 1907
Die steinerne Bogenbrücke, welche über den Ringgraben führt
Der Bergfried der Burg

Die Burg Ligist wurde vermutlich in vier Phasen errichtet. In der ersten Bauphase im späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert wurde die Hochburg mit dem Bergfried errichtet, während die Ringmauer aus der zweiten Bauphase zu Beginn des 14. Jahrhunderts stammen dürfte. Vermutlich an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert wurden einige Wohngebäude im östlichen Teil des Burghofes errichtet und der Bergfried umgestaltet. In der letzten Bauphase im 16. oder 17. Jahrhundert wurde ein Kanonenrondell im Südosten der Anlage errichtet.[2]

Burgzugang

Der Zugang zur Burgruine erfolgt von Nordwesten kommend über eine steinerne Bogenbrücke, welche über einen Ringgraben führt und am Ende des 17. Jahrhunderts die bis dahin vorhandene Zugbrücke ersetzte. Der den nördlichen, östlichen und südlichen Teil der Burganlage umgebende Ringgraben war in der Neuzeit großteils mit Schutt verfüllt, wurde aber vom örtlichen Burgverein wieder ausgehoben. Der einstige Burgwall schließt an den Ringgraben an und ist nur mehr teilweise erkennbar. Auch die zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichtete Ringmauer im Norden und Süden der Burg ist größtenteils eingestürzt. Sie schließt an die nördliche Wand des Turmhauses an, ist von diesem aber durch eine Mauerfuge getrennt. Am nördlichen Ringmauerzug findet man Mauerfüße, welche vermutlich aus der Zeit des Barocks stammen.

Der Zugang zur Burg wurde bis zum Ende des 18. Jahrhunderts durch einen vorgebauten Turm und ein Torhaus geschützt. Im Torhaus befand sich eine im Jahr 1636 eingerichtete Marienkapelle. Der Torturm wurde bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts als stark verfallen bezeichnet. Im Vorhof befanden sich mehrere Wohngebäude sowie ein Brunnen.

Wohngebäude

Die heute nur mehr als Reste erhaltenen Wohngebäude im Osten des Hofes dürften auf die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert zurückgehen. Bei ihrem Bau fanden neben Bruchsteinen auch Ziegel Verwendung. Im Südosten[4] wurde die Burg durch ein im 16. oder 17. Jahrhundert errichtetes, etwas tiefer vorgelagertes, halbkreisförmiges Kanonenrondell geschützt, dessen Reste auch heute noch erkennbar sind.[2][1]

Hochburg

Die Hochburg liegt im östlichen Teil der Anlage und gilt als ältester Burgteil. In der nördlichen Ecke des inneren Hofes befindet sich der relativ gut erhaltene fünfgeschoßige und etwa 20 Meter hohe Bergfried, welcher auch als Wohnturm gedient hat und aus dem späten 12. oder frühen 13. Jahrhundert stammt. Er zeigt größtenteils ein lagerhaftes Bruchsteinmauerwerk mit durch Quader verstärkten Gebäudekanten. An der Südseite findet man im Bereich des Erd- und ersten Obergeschoßes auch einfaches Quadermauerwerk.

Bergfried

Das heutige Dach des Bergfriedes stammt aus dem Jahr 1975 und wurde vom Burgverein gefertigt. Im ersten Stock befindet sich noch ein ursprüngliches romanisches Schlitzfenster, während die restlichen Fenster des Bergfriedes vermutlich im 15. oder 16. Jahrhundert vergrößert wurden. Das Erdgeschoß besitzt ein Tonnengewölbe mit einschneidenden Querkappen, während die Gewölbe der anderen Geschoße eingestürzt sind. Einige Konsolen in einem der oberen Geschoße weisen heute noch auf ein zur Zeit der Renaissance eingezogenes Gewölbe hin.

Der ursprüngliche Hocheingang zum Bergfried befand sich an dessen Nordseite im ersten Obergeschoß. Von dort führte eine in der Mauerstärke verlaufende Treppe in die anderen Obergeschoße. Die Räume im Bergfried waren teilweise mit barockem Stuck versehen oder vertäfelt.[2][1]

An den nordöstlichen Teil des Bergfriedes ist der Palas angebaut, welcher einen kleinen Arkadenhof umschloss. Von diesen Arkaden sowie vom Treppenhaus im Hof sind heute nur noch Reste erhalten geblieben. Auf einem Kupferstich der Burg aus dem Jahr 1681 ist ein heute nicht mehr vorhandener Kamin erkennbar, welcher zu einer Alchemistenküche gehört haben könnte.[1][4]

Sage

Nach einer Sage sollen im Jahr 1897 zwei Bauern in einer Juninacht an der Ruine der Burg Ligist vorbeigegangen sein. Vor der Ruine stand ein Kirschbaum mit reifen Früchten und die beiden Männer stiegen auf den Baum, um von den Kirschen zu essen. Während sie auf den Baum kletterten, schlug es Mitternacht und sie waren nicht in der Lage eine einzige der Kirschen zu pflücken. Plötzlich flog funkensprühend und unter heftigem Rauschen ein glühender Schabbock aus der Burgruine und über den Kirschbaum in Richtung Dietenberg davon. Einer der Männer fiel vor Schreck vom Baum, während der andere auf dem Baum sitzen blieb und nach den Kirschen griff. Nach diesem Ereignis waren sie beide in der Lage, von den Früchten zu essen.[5]

Literatur

  • Werner Murgg: Burgruinen der Steiermark. Hrsg.: Bundesdenkmalamt (= B. Band 2). Ferdinand Berger & Söhne, 2009, ISSN 1993-1263, S. 154–155.
  Commons: Burgruine Ligist  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 Eintrag über Burg Ligist auf Burgen-Austria
  2. 1 2 3 4 5 Werner Murgg: Burgruinen der Steiermark. Hrsg.: Bundesdenkmalamt (= B. Band 2). Ferdinand Berger & Söhne, 2009, ISSN 1993-1263, S. 154.
  3. 1 2 Werner Murgg: Burgruinen der Steiermark. Hrsg.: Bundesdenkmalamt (= B. Band 2). Ferdinand Berger & Söhne, 2009, ISSN 1993-1263, S. 154–155.
  4. 1 2 Bundesdenkmalamt (Hrsg.): Dehio Steiermark (ohne Graz). 2. Auflage. Berger, Horn/Wien 2006, ISBN 3-85028-439-5, S. 271–272.
  5. Wolfgang Morscher: Der glühende Schab. In: Sagen.at. Abgerufen am 12. September 2015.