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vom 17.06.2017, aktuelle Version,

Egon Caesar Conte Corti

Gedenktafel, Wien

Egon Caesar Conte Corti (* 2. April 1886 in Agram, heute Zagreb, Kroatien; † 17. September 1953 in Klagenfurt) war Offizier, Historiker und Schriftsteller und Bestsellerautor.

Leben

Corti stammte aus einem alten lombardischen Adelsgeschlecht. Er verfasste Biografien zur Geschichte des 19. Jahrhunderts und galt seit der Zwischenkriegszeit als Spezialist für biographische Werke über Persönlichkeiten aus der europäischen Hocharistokratie. Cortis einziger Sohn Ferrante (9. Februar 1925 - Dezember 1944, vermisst im 2. Weltkrieg) wurde 1940 als 15-Jähriger verhaftet und tagelang von der Gestapo verhört, mit dem Vorwurf, er habe gegen die Nazi konspiriert. Egon Caesar Conti Corti war, wie auch in seinem umfangreichen Werk ersichtlich, zutiefst monarchistisch orientiert und mit einer jüdischen Ehefrau verheiratet. Dennoch wurde er Mitglied des 1937 gegründeten „Volksbunds“, die als Tarnorganisation für die zu diesem Zeitpunkt illegale NSDAP in Österreich diente.[1] Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 an das Deutsche Reich beteiligte sich Corti mit einem Beitrag am Bekenntnisbuch österreichischer Dichter, der vom Bund deutscher Schriftsteller Österreichs herausgegeben wurde.[2] Ein Beitrittsgesuch Cortis in die NSDAP wurde mit Verweis auf seine jüdische Ehefrau Gertrud von Mauten Markhof, Zwillingsschwester des sogenannten "Senf-Tegethoff" Manfred Mautner Markhof sen., Mautner-Markhof, von der er sich nicht trennen wollte, abgelehnt.[3][1]

Cortis Bücher und Biographien heben sich heute noch von anderen Werken ähnlicher Art in spezifischer Weise ab: einerseits enthalten sie zahlreiche Originalaussagen von Zeitzeugen, die zu Cortis Zeit noch lebten. Andererseits beinhalten die Werke historisch einzigartige Quellen: verschiedene adelige und hochadelige Häuser gewährten Conte Corti - als einzigem Autor und ihresgleichen, weil ebenfalls adelig - Zugang zu ihren geheimen Privatarchiven, die mittlerweile wieder verschlossen sind bzw. von denen einige im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden.

Corti starb 1953, wenige Monate vor seiner Frau. Auf seinem Wohnhaus am Wiener Franziskanerplatz 1 (1010 Wien) findet sich eine Gedenktafel.

Im Jahr 1960 wurde in Wien-Donaustadt (22. Bezirk) die Cortigasse nach ihm benannt.

Werke (Auswahl)

als Autor
  1. Der Aufstieg des Hauses Rothschild. 1770–1830. 1927.
  2. Das Haus Rothschild in der Zeit seiner Blüte. 1830–1871. 1928.
  1. Vom Kind zum Kaiser. Kindheit und erste Jugend Kaiser Franz Joseph I. und seiner Geschwister. 1950.
  2. Mensch und Herrscher. Wege und Schicksale Kaiser Franz Joseph I. zwischen Thronbesteigung und Berliner Kongress. 1952.
  3. Der alte Kaiser. Franz Joseph I. vom Berliner Kongress bis zu seinem Tode. 1955.
als Herausgeber
  • Benito Mussolini: Mein Kriegstagebuch („Il mio diario di guerra“). Amalthea, Wien 1930.

Einzelnachweise

  1. 1 2 Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ (PDF; 4,4 MB), S. 195f, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013
  2. Bund Deutscher Schriftsteller Österreichs (Hrsg.): Bekenntnisbuch Österreichischer Dichter. Krystall, Wien 1938
  3. Roman Roček: Glanz und Elend des P.E.N.: Biographie eines literarischen Clubs, Böhlau Wien, S. 248.

Literatur