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vom 01.11.2017, aktuelle Version,

Franziskanerkloster Reutte

Franziskanerkirche hl. Anna und Kloster (2011)

Die Franziskanerkirche hl. Anna ist eine römisch-katholische Pfarrvikariatskirche in der Marktgemeinde Reutte im Bezirk Reutte in Tirol. Die Kirche im baulichen Verband mit dem ehemaligen Franziskanerkloster steht unter Denkmalschutz.

Geschichte

Am 15. März 1628 fand in Anwesenheit des Stifters Erzherzog Leopold V. und seiner Gemahlin Claudia von Medici die Grundsteinlegung für das Franziskanerkloster in Reutte statt. Die Franziskaner erhielten auch die angrenzende Kirche zur hl. Anna für ihre Seelsorgsarbeit. Nach zweijähriger Bauzeit wurde das Kloster im Jahre 1630 vollendet. Bereits im Juli 1632, während des Dreißigjährigen Krieges, beschädigten und plünderten schwedische Soldaten das Kloster und die Kirche.

In den Jahren 1703 und 1846 brannte der Klosterkomplex ab, wurde jedoch mit der finanziellen Hilfe der Reuttener Bevölkerung jeweils wieder aufgebaut. Im 18. Jahrhundert war im Kloster ein eigenes Theologiestudium für Franziskaner untergebracht. Von 1775 bis 1782 waren die Franziskaner unter anderem auch als Militärseelsorger auf der Burg Ehrenberg tätig. Von 1820 bis 1861 war Reutte Noviziatskloster.

Auf Grund des starken Bevölkerungswachstums von Reutte wurde 1945 eine eigene Pfarre an der Klosterkirche eingerichtet. Um einen Ort für pfarrliche Zusammenkünfte zu schaffen, baute man von 1959 bis 1961 das „Paulusheim“. Von 1961 bis 1967 wurde die Kirche schrittweise renoviert und umgestaltet, 1976 der Glockenstuhl erneuert. Von 1977 bis ins Jahr 2000 beherbergte das Kloster wieder das Noviziat der Tiroler Franziskanerprovinz. Mit 1. September 2014 wurde das Kloster wegen des Mangels an Patres geschlossen.[1]

Annakirche

Die Kirche in franziskanisch nüchterner Bauweise im Ortszentrum parallel zur Straße ist mit dem Klostergebäude baulich verbunden. Neben dem im Kern gotischen Chor ist das barocke Langhaus unter einem Walmdach. Der Turm steht südlich beim Chor und teils im Südtrakt des Klostergebäudes und hat Rundbogenschallfenster und einen Zwiebelhelm . Langhaus und Chor mit haben Rundbogenfenster.

Auf einen schmalen Vorraum folgt ein breites fünfjochiges Langhaus mit einer Doppelempore im Westen unter einem Stichkappenflachtonnengewölbe auf Kämpfern. Hinter dem eingezogenen Triumphbogen ist der eingezogene zweijochige Chor mit 3/8-Schluss unter einem Stichkappentonnengewölbe auf Konsolen.

Ausstattung

Anna selbdritt in der Franziskanerkirche Reutte ( Kupferstich)

Anstelle eines Hochaltares schließt der Chor der Kirche mit der Figurengruppe Anna selbdritt (um 1515) von Jörg Lederer auf einer Plattform ab, die von einem in den 1960er-Jahren gestalteten Strahlenkranz umrahmt wird. Über der Mensa des linken Seitenaltars hängt ein Kruzifix von Balthasar Jais, das aus Breitenwang stammt. Die beiden nicht zugehörigen und zu kleinen Assistenzfiguren (Maria und Apostel) schuf Anton Sturm; die beiden ursprünglichen Figuren von Jais stehen heute in der Breitenwanger Aufbahrungshalle. Das Seitenaltarblatt "Hl. Antonius von Padua" über der Mensa des rechten Seitenaltars malte 1708 Paul Zeiller. Neben dem Posaunenengel (um 1770), der ursprünglich seinen Platz auf einem Kanzeldach hatte, stammen die 1703 von Ignaz Waibl geschaffenen Figuren Magnus und Afra wiederum aus Breitenwang. Die Kreuzwegstationen aus Beton schuf 1970 der Bildhauer Rudolf Millonig. Das für Kaspar Bissinger in Erz gegossene Epitaph trägt die Jahreszahl 1633.

Weihnachtskrippe und Ostergrab
Das Reuttener Ostergrab

Da der Brand von 1846 auch fast das ganze Kircheninventar zerstörte, schaffte man in den Folgejahren unter anderem eine Bretterkrippe und ein neues Ostergrab an. Sie wurden jedes Jahr zu den entsprechenden Festzeiten in der Klosterkirche aufgestellt und dienten zur anschaulichen Darstellung der Weihnachts- und Osterereignisse. Nach vielen Jahren, in denen dieser Brauch als nicht mehr zeitgemäß galt, wurden Krippe und Grab restauriert und wieder aufgestellt:

  • Die Weihnachtskrippe wurde aus dem Franziskanerkloster Hall in Tirol hierher übertragen. Die Krippe wurde um 1738 vom Kunstmaler Franz Michael Hueber geschaffen und dürfte somit die älteste in Tirol erhaltene Bretterkrippe sein. Als Besonderheit zeigt sie neben den üblichen heiligen Drei Königen noch einen vierten, der der Legende nach zur Anbetung des Jesuskindes zu spät kam, weil er auf dem Weg viele Werke der Barmherzigkeit verrichtete. Nach fast 30 Jahren Pause wurde die Krippe ab 1991 wieder jährlich in der Kirche aufgestellt.
  • Das Ostergrab bauten 1848 der Maler Anton Köpfle (1807–1879) aus Höfen und der Zimmermeister Josef Schweighofer. Es wurde im Jahre 1936 zum letzten Mal aufgestellt und erstrahlt nach einer Renovierung seit 2004 in der Osterzeit wieder in der Klosterkirche.

Literatur

  • Florentin Nothegger: Das Franziskanerkloster in Reutte. In: Festschrift zur 350-Jahr-Feier. Reutte 1978.
  • Dehio Tirol 1980, Pfarrvikariats- und Franziskanerkirche hl. Anna, S. 643–644.
  • Lorenz Staud (Hrsg.): Ostergrab und Weihnachtskrippe. Klosterkirche St. Anna – Reutte. Reutte 2004.
  Commons: Franziskanerkloster Reutte  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Franziskaner nehmen Abschied von Reutte, tirol.orf.at vom 31. August 2014