unbekannter Gast
vom 22.12.2016, aktuelle Version,

Günsel

Günsel

Genfer Günsel (Ajuga genevensis)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Ajugoideae
Gattung: Günsel
Wissenschaftlicher Name
Ajuga
L.

Günsel (Ajuga) ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die etwa 65 Arten sind hauptsächlich in Eurasien und in Nordafrika verbreitet.

Beschreibung

Illustration des Pyramiden-Günsel ( Ajuga pyramidalis)

Es handelt sich um ein- oder zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, selten auch um Sträucher, wobei die meisten Arten eher klein bleiben (bis einige Dezimeter). Die gegenständigen Laubblätter sind ungeteilt, selten auch tief gelappt (Ajuga chamaepitys). Der Blattrand ist gesägt oder gekerbt, selten auch fast ganzrandig.

Bei den meisten Arten sind die Tragblätter der Blütenquirle den Laubblättern ähnlich, aber kleiner und oft auch anders gefärbt. Der Übergang kann nach und nach, aber auch plötzlich sein. Bei wenigen Arten sind die Tragblätter auch größer als die Laubblätter.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Blütenkrone ist violett bis blau, bei wenigen Arten auch weiß, gelb, rosa oder rot. Ähnlich wie beim Gamander ist die Krone hier scheinbar einlippig. Allerdings ist die flache und sehr kurze Oberlippe nur wenig in zwei kurze Lappen gespalten. Die viel größere Unterlippe ist dreilappig, wobei der Mittellappen deutlich größer ist und bei vielen Arten vorne mehr oder weniger tief herzförmig ausgerandet ist. Die Krone fällt nach dem Verblühen nicht ab, sondern bleibt bis zur Fruchtreife.

Es werden Klausenfrüchte gebildet, die in vier einsamige Teilfrüchte (Klausen) zerfallen. Die Teilfrüchte sind verkehrt-eiförmig mit einer Areole auf 1/2 bis 2/3 ihrer Länge. Die Teilfrüchte besitzen ein Elaiosom.[1]

Systematik und Verbreitung

Ajuga australis
Gelber Günsel ( Ajuga chamaepitys)
Ajuga decumbens
Mittelmeer-Günsel ( Ajuga iva)
Ajuga orientalis
Pyramiden-Günsel ( Ajuga pyramidalis)
Kriechender Günsel ( Ajuga reptans)
Ajuga vestita

Die Gattung Ajuga gehört zur Unterfamilie der Ajugoideae innerhalb der Familie der Lamiaceae.

Die etwa 65[2] Arten der Gattung Günsel (Ajuga) kommen in ganz Eurasien bis nach Japan und im nördlichen Afrika vor, vereinzelt auch bis ins zentrale Afrika, nach Südafrika (Ajuga ophrydis) und bis Madagaskar. Besonders artenreich ist der Nahe Osten und der Himalaja. Zwei Arten stammen aus Australien (eine davon Ajuga australis). Einzelne Arten sind weltweit Neophyten, beispielsweise der Kriechende Günsel (Ajuga reptans). In Europa kommen folgende zehn Arten vor: Gelber Günsel oder Acker-Günsel (Ajuga chamaepitys), Genfer Günsel (Ajuga genevensis), Mittelmeer-Günsel (Ajuga iva}), Ajuga laxmannii, Ajuga orientalis, Ajuga piskoi, Pyramiden-Günsel (Ajuga pyramidalis), Kriechender Günsel (Ajuga reptans), Ajuga salicifolia, Sizilianischer Günsel (Ajuga tenorei).

Es gibt etwa 65 Ajuga-Arten:[2]

  • Ajuga ×adulterina Wallr. (= A. genevensis × A. pyramidalis)
  • Ajuga arabica P.H.Davis: Die Heimat ist Saudiarabien.[2]
  • Ajuga australis R.Br.: Die Heimat ist das östliche und südliche Australien.[2]
  • Ajuga austroiranica Rech. f.: Die Heimat ist der Irak und der Iran.[2]
  • Ajuga ×bastarda Makino (= A. decumbens × A. jesoensis)
  • Ajuga bombycina Boiss.: Die Heimat ist die Ägäis und die südliche Türkei.[2]
  • Ajuga boninsimae Maxim.: Dieser Endemit kommt nur auf den japanischen Ogasawara-Inseln südlich von Honshu vor.[2]
  • Ajuga ×borbasiana (Rouy) Prain (= A. pyramidalis × A. reptans)
  • Ajuga brachystemon Maxim.: Die Heimat ist das nordindische Uttarakhand und Nepal.[2]
  • Ajuga campylantha Diels: Sie gedeiht in alpinen Gebieten in Rhododendron-Dickicht, Kiefernwäldern und auf Weiden in Höhenlagen von 2800 bis 3500 Metern nur in der chinesischen Provinz Yunnan. Sie wird als Heilpflanze verwendet.[1]
  • Ajuga campylanthoides C.Y.Wu & C.Chen: Sie ist mit zwei Varietäten in den zentralchineschen Provinzen Gansu, Sichuan, sowie Yunnan und im autonomen Gebiet Tibet in Höhenlagen von 2000 bis 2800 Metern verbreitet.[1]
  • Ajuga chamaecistus Ging. ex Benth.: Diese Art in sechs Unterarten im Iran und Afghanistan verbreitet.[2]
  • Gelber Günsel oder Acker-Günsel (Ajuga chamaepitys (L.) Schreb.): Er ist in mindestens 14 Unterarten in Westeuropa und im gesamten Mittelmeerraum bis Zentralasien verbreitet.[2]
  • Ajuga chasmophila P.H.Davis: Die Heimat ist Syrien.[2]
  • Ajuga ciliata Bunge: Er ist mit fünf Varietäten in China, Korea und Japan verbreitet und wächst meist in Höhenlagen zwischen 300 und 2500 Metern.[1][2]
  • Ajuga davisiana Kit Tan & Yildiz: Die Heimat ist die Türkei.[2]
  • Ajuga decaryana Danguy ex R.A.Clement: Die Heimat ist Madagaskar.[2]
  • Ajuga decumbens Thunb.: Er ist mit zwei Varietäten in Ostasien und China verbreitet.[1][2]
  • Ajuga dictyocarpa Hayata: Das Verbreitungsgebiet reicht von den Nansei-Inseln und Taiwan bis Vietnam.[2]
  • Ajuga fauriei H.Lév. & Vaniot: Die Heimat ist Korea.[2]
  • Ajuga flaccida Baker: Die Heimat ist Madagaskar.[2]
  • Ajuga forrestii Diels: Er ist von Nepal bis zu den chinesischen Provinzen Sichuan, Yunnan sowie Tibet verbreitet.[1][2]
  • Genfer Günsel (Ajuga genevensis L.): Das Verbreitungsgebiet reicht von Europa bis zum Kaukasus.[2]
  • Ajuga grandiflora Stapf: Die Heimat ist das südliche Australien.[2]
  • Ajuga ×hybrida A.Kern. (= A. genevensis × A. reptans)
  • Ajuga incisia Maxim.: Die Heimat ist Japan.[2]
  • Ajuga integrifolia Buch.-Ham.: Das Verbreitungsgebiet reicht vom tropischen Afrika bis Neuguinea.[2]
  • Mittelmeer-Günsel (Ajuga iva (L.) Schreb.): Das Verbreitungsgebiet umfasst den Mittelmeerraum und Makaronesien.[2]
  • Ajuga japonica Miq.: Die Heimat ist Japan.[2]
  • Ajuga laxmannii (Murray) Benth.: Er ist von der südöstlichen Slowakei bis zum Nordkaukasus verbreitet.[2]
  • Ajuga leucantha Lukhoba: Er ist von Äthiopien bis zum westlichen Uganda verbreitet.[2]
  • Ajuga linearifolia Pamp.: Er gedeiht an trockenen Grashängen und in Schluchten in Höhenlagen von 700 bis 900 Metern in den chinesischen Provinzen Hebei, Hubei, Liaoning, Shaanxi sowie Shanxi.[1]
  • Ajuga lobata D.Don: Das Verbreitungsgebiet reicht von Nepal bis China mit den Provinzen Xizang und Yunnan.[1][2]
  • Ajuga lupulina Maxim.: Die zwei Varietäten sind von Nepal bis China verbreitet.[1][2]
  • Ajuga macrosperma Wall. ex Benth.: Mit zwei Varietäten. Das Verbreitungsgebiet reicht vom Himalaja bis Taiwan, wo die Art meist in Höhenlagen zwischen 400 und 2600 Metern gedeiht.[1][2]
  • Ajuga makinoi Nakai: Dieser Endemit kommt nur auf der japanischen Insel Honshu vor.[2]
  • Ajuga ×mixta Makino (= A. decumbens × A. nipponensis)
  • Ajuga mollis Gladkova: Dieser Endemit wurde 1974 erstbeschrieben und kommt nur auf der östlichen Krim vor.[2]
  • Ajuga multiflora Bunge: Mit drei Varietäten. Das Verbreitungsgebiet reicht vom südöstlichen Sibirien bis China und Korea.[2]
  • Ajuga nipponensis Makino: Das Verbreitungsgebiet reicht von Ostasien und China bis Vietnam.[1][2]
  • Ajuga novoguineensis A.J.Paton & R.J.Johns: Die Heimat ist das westliche Neuguinea.[2]
  • Ajuga nubigena Diels: Er gedeiht in Höhenlagen von 2500 bis 4800 Metern in den chinesischen Provinzen Sichuan, Yunnan sowie in Tibet.[1][2]
  • Ajuga oblongata M.Bieb.: Das Verbreitungsgebiet ist der östliche Kaukasus und der nördliche Irak.[2]
  • Ajuga oocephala Baker: Die Heimat ist Madagaskar.[2]
  • Ajuga ophrydis Burch. ex Benth.: Das Verbreitungsgebiet ist das südliche Afrika.[2]
  • Ajuga orientalis L.: Er ist von Sardinien[3] bis zum nordwestlichen Iran verbreitet.[2]
  • Ajuga ovalifolia Bureau & Franch.: Er gedeiht auf Grashängen und im Dickicht in Höhenlagen von 2800 bis 3700 Metern nur in den chinesischen Provinzen Gansu sowie Sichuan.[1]
  • Ajuga pantantha Hand.-Mazz.: Er gedeiht auf trockenen Hängen im niedrigen Gras in Höhenlagen von 2400 bis 2700 Metern nur in der chinesischen Provinz Yunnan. Sie wird als Heilpflanze verwendet.[1]
  • Ajuga parviflora Benth.: Das Verbreitungsgebiet reicht vom östlichen Afghanistan bis zum Himalaja.[2]
  • Ajuga piskoi Degen & Bald.: Er kommt nur im südöstlichen Albanien bei Leskovik und am Ohridsee in Mazedonien vor.[4]
  • Ajuga postii Briq.: Die Heimat ist die südliche Türkei.[2]
  • Ajuga ×pseudopyramidalis Schur (= A. pyramidalis × A. reptans; Syn.: Ajuga ×rotundifolia Willk. & Cutanda ex Willk.)
  • Ajuga pygmaea A.Gray: Das Verbreitungsgebiet reicht von Japan und Taiwan bis China.[2]
  • Pyramiden-Günsel (Ajuga pyramidalis L.): Das Verbreitungsgebiet umfasst Europa.[2]
  • Ajuga relicta P.H.Davis: Die Heimat ist die Türkei.[2]
  • Kriechender Günsel (Ajuga reptans L.): Er ist von Europa bis zum Iran und im nordwestlichen Afrika verbreitet.[2]
  • Ajuga robusta Baker: Die Heimat ist Madagaskar.[2]
  • Ajuga salicifolia (L.) Schreb.. Er kommt von Bulgarien bis zur Türkei vor.[2]
  • Ajuga saxicola Assadi & Jamzad: Die Heimat ist der Iran.[2]
  • Ajuga sciaphila W.W.Sm.: Er gedeiht auf Grashängen, an feuchten Ufern von Fließgewässern in Kiefernwäldern und in Lorbeerwäldern in Höhenlagen von 2500 bis 3700 Metern nur in den chinesischen Provinzen Yunnan sowie Sichuan.[1]
  • Ajuga shikotanensis Miyabe & Tatew.: Er kommt nur auf den Inseln japanisches Honschu und südliche Kurilen vor.[2]
  • Ajuga sinuata R.Br.: Die Heimat ist das östliche Australien.[2]
  • Ajuga spectabilis Nakai: Die Heimat ist Korea.[2]
  • Ajuga taiwanensis Nakai ex Murata: Das Verbreitungsgebiet reicht von Taiwan und den Nansei-Inseln bis zu den Philippinen.[2]
  • Sizilianischer Günsel (Ajuga tenorei C.Presl): Er kommt nur im zentralen und südlichen Italien und in Sizilien vor[2].
  • Ajuga turkestanica (Regel) Briq.: Das weite Verbreitungsgebiet ist Zentralasien.[2]
  • Ajuga vesiculifera Herder: Das weite Verbreitungsgebiet ist Zentralasien.[2]
  • Ajuga vestita Boiss.: Das Verbreitungsgebiet reicht von der südöstlichen Türkei bis zum nördlichen Irak.[2]
  • Ajuga xylorrhiza Kit Tan: Die Heimat ist die Türkei.[2]
  • Ajuga yesoensis Maxim. ex Franch. & Sav.: Die Heimat ist Japan.[2]
  • Ajuga zakhoensis Rech. f.: Die Heimat ist der nördliche Irak.[2]

Nutzung

Beispielsweise werden vom Kriechenden Günsel (Ajuga reptans) einige Sorten als Zierpflanzen in Parks und Gärten verwendet.

Quellen

Literatur

  • Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 14. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen. Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-06-012539-2.
  • Peter William Ball: Ajuga L. In: T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae. Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 128–129 (englisch, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Ajuga. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 17: Verbenaceae through Solanaceae. Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 1994, ISBN 0-915279-24-X, S. 63 (englisch, online [abgerufen am 17. August 2017]).
  • Werner Greuter, Hervé-Maurice Burdet, Guy Long (Hrsg.): Med-Checklist. A critical inventory of vascular plants of the circum-mediterranean countries. Vol. 3: Dicotyledones (Convolvulaceae – Labiatae). Conservatoire et Jardin Botanique, Genève 1986, ISBN 2-8277-0153-7, S. 276–279 (online [abgerufen am 17. August 2017]).

Einzelnachweise

  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Ajuga. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 17: Verbenaceae through Solanaceae. Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 1994, ISBN 0-915279-24-X, S. 63 (englisch, online).
  2. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 R. Govaerts, A. Paton, Y. Harvey, T. Navarro, M. del Rosario García Peña: World Checklist of Lamiaceae. Ajuga. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 27. März 2014
  3. Antonio Scrugli, Luigi Mossa, Maria Pia Grasso: Ajuga orientalis L. (Labiatae) nuova per la flora di Sardegna. Considerazioni fitogeografiche. In: Candollea. Band 38, Nr. 1, 1983, ISSN 0373-2967, S. 125–129.
  4. Volker Hellmann, Siegmund Seybold: Ajuga piskoi (Labiatae) – neu für Jugoslawien. In: Plant Systematics and Evolution. Band 135, Nr. 3–4, 1980, S. 295–297, doi:10.1007/BF00983193.
  Commons: Günsel  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien