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vom 11.01.2017, aktuelle Version,

Gottfried Könzgen

Gottfried Könzgen (* 3. April 1886 in Mönchengladbach; † 15. März 1945 im KZ Mauthausen) war ein Mitglied der katholischen Arbeiterbewegung und Arbeitersekretär des Bezirksverbandes Duisburg der katholischen Arbeitnehmer-Bewegung.

Leben

Nach dem Besuch der Volksschule in Hochneukirch bei Mönchengladbach absolvierte Gottfried Könzgen eine Lehre als Weber. Er machte seine Mittlere Reife und das Abitur in Abendkursen am Erzbischöflichen Konvikt in Neuss. Er studierte anschließend als Gasthörer Jura und Wirtschaftswissenschaften in Bonn.

Im Ersten Weltkrieg wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Nach dem Krieg heiratete er in Mönchengladbach 1920 und begann sich politisch zu betätigen. Gottfried Könzgen war von 1919 bis 1944 Arbeitersekretär der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands in Duisburg. Als Stadtratsverordneter der Zentrumspartei war er zeitweise in Mönchengladbach aktiv. Er war zeitweise Leiter des „Katholischen Volksbüros“, was damals eine Art Rechtsberatung für die katholische Bevölkerung darstellte. Mitglied des Provinziallandtages war er von 1925 bis 1930 und Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Duisburg von 1929 bis 1933.

Am 9. Januar 1935 wurde er erstmals verhaftet. Er hatte im katholischen Arbeiterheim von St. Joseph in Duisburg über die „Begriffswandlungen in unseren Tagen“ gesprochen, worin die Gestapo einen Angriff auf die NS-Weltanschauung und eine Agitation gegen die Deutsche Arbeitsfront sah. Er befand sich dann für einige Monate in Schutzhaft. 1938 erhielt er Redeverbot und wurde durch die Gestapo weiter beobachtet, allerdings bis 1944 nicht mehr verhaftet.

Am 23. August 1944 wurde er verhaftet, Hintergrund hierfür war die Aktion Gewitter. Er wurde ins Gefängnis nach Duisburg gebracht und von dort als politischer Häftling ins KZ Sachsenhausen eingeliefert. Im Frühjahr 1945 wurde er ins KZ Mauthausen gebracht, wo er am 15. März 1945 in der Krankenbaracke an den Folgen seiner Haft verstarb, möglicherweise auch getötet wurde.

Ehrungen

Nach Gottfried Könzgen benannt sind:

  • die Gemeinschaftshauptschule "Gottfried-Könzgen-Schule" in Duisburg
  • die Gedenkkapelle in der Katholischen Kirche St. Joseph, im Dellviertel, seit 2010
  • die Gottfried-Könzgen-Straße, ebenda
  • die Gottfried-Könzgen-Straße in seinem Heimatort Jüchen-Hochneukirch seit über 30 Jahren
  • die Heimvolkshochschule Gottfried Könzgen in Haltern am See

Die katholische Kirche hat Gottfried Könzgen als Glaubenszeugen in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts aufgenommen.

Literatur

(in der Reihenfolge des Erscheinens)

  • Karl-Heinz Brüls: Bahnbrecher einer neuen Gesellschaftsordnung. Heimvolkshochschule Gottfried Könzgen, Haltern 1982. Darin S. 7–9: Gottfried Könzgen.
  • Michael Teggers: Gottfried Könzgen 1886–1945. KAB-Bezirksverband Duisburg, Duisburg 1986.
  • Ekkart Sauser: KÖNZGEN, Gottfried. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 16, Bautz, Herzberg 1999, ISBN 3-88309-079-4, Sp. 862–863.
  • Peter Cinka: Arbeitersekretär Gottfried Könzgen. Widerstandskämpfer und Märtyrer. Ketteler, Köln 2001.
  • Carmen Stange: Könzgen, Gottfried (1886-1945), Katholische Arbeiterbewegung. In: Siegfried Mielke (Hg.): Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen, Bd. 1. Metropol, Berlin 2002. ISBN 3-89468-268-X. S. 218–221.
  • Helmut Moll (Hrsg. im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz): Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts, 6. erweiterte und neu strukturierte Auflage, Paderborn u.a. 2015, ISBN 978-3-506-78080-5, Band I, S. 224-227.
  • Irmgard Aschbauer, Andreas Baumgartner, Isabella Girstmair (Hg.): Allein in der Tat ist die Freiheit. Widerstand gegen den Nationalsozialismus aus religiöser Motivation. Biografien und Beiträge zum Internationalen Symposium 2009 / Freedom lies in the action alone. Resistance against national socialism due to religious motivation. Biographies and lectures from the International Conference 2009. Edition Mauthausen, Wien 2010. ISBN 978-3-902605-17-7. Darin S. 115f. (deutsch) und S. 343f. (englisch): Gottfried Könzgen.