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vom 15.05.2017, aktuelle Version,

Jörg Öchsl

Der Öchsl-Baldachin mit dem Gnadenbild Maria Pócs oder Pötsch

Jörg Öchsl (auch: Öxl) war von 1506 bis 1510 Dombaumeister am Wiener Stephansdom.[1]

Leben

Als Parlier von Jörg Kling am Wiener Stephansdom ist Jörg Öchsl erstmals 1496 genannt, um ihm nach seinem Tode im Jahre 1506 als Dombaumeister nachzufolgen. Bereits Anfang des Jahres 1510 wurde er seitens des Rats der Stadt Wien zum Rücktritt veranlasst und durch Anton Pilgram abgelöst.[2], den, der Charakterisierung Carl Oettingers zufolge, „ein harter, rücksichtsloser, kaum mehr mit subjektivem Rechtsgefühl zu vereinender Wille, sich durchzusetzen“, auszeichnete.[3] Dabei konnte Öchsl auf die fachliche wie menschliche Anerkennung seiner Mitarbeiter in der Dombauhütte bauen, die in ihrer Eingabe gegen die Berufung Pilgrams anführten, er (Öchsl) habe als ain beruembter Mayster etlich Jar das gepaw verrichtet und bereits vast halben tayl zue einem orgelfues gemacht.[4]

Tätigkeit

Die Hauptaufgabe Öchsls war der Weiterbau des Nordturms von St. Stephan, wo der obere Abschnitt des nordwestlichen Pfeilermassivs durch die an ihm angebrachten Jahreszahlen 1507 und 1511 zweifelsfrei als sein Werk ausgewiesen ist. Die Detailformen dieses Abschnitts zeigen zugleich seinen eigenwilligen Architekturstil, der keineswegs der konservativen Gestaltungsweise seines Vorgängers Kling entspricht, sondern von dem entschiedenen Versuch zur Auflösung der spätgotischen Form geprägt ist.[5] Auf Öchsls Tätigkeit geht vielleicht auch die Portalvorhalle des nördlichen Bischofstores zurück, da diese noch auf einer Ansicht von 1502 fehlt. Mit Jörg Öchsl wird aber auch der nach ihm benannte und von einem Bogenrippengewölbe gedeckte Öchsl-Baldachin über dem vom Rektor der Wiener Universität Johannes Keckmann († 1512) gestifteten Martinsaltar in der Südwestecke des Domlanghauses in Verbindung gebracht. Dass schließlich auch der unter Pilgram vollendete Orgelfuß, in St. Stephan mit seinen Bogenrippen unter Verwendung des bereits vorhandenen Steinmaterials auf dem Entwurf Öchsls basiert, ist anzunehmen, weniger hingegen, dass Öchsl auch große Teile der Domkanzel errichtet habe. Nach seiner Entlassung als Wiener Dombaumeister konnte sich Öchsl, was für sein Renommee spricht, als Architekt in Wien etablieren, so ab 1513 beim Bau des Niederösterreichischen Landhauses, dessen Bogenrippengewölbe auf ihn zurückgehen.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Dehio Wien I. Bezirk - Innere Stadt, 2003, S. 174
  2. Richard Perger: Die Baumeister des Wiener Stephansdomes im Spätmittelalter. In: Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte, 23, 1970, S. 100f.
  3. Karl Oettinger: Anton Pilgram und die Bildhauer von St. Stephan. Wien, 1951, S. 10.
  4. Peter Leisching: Werkstreit zu St. Stephan in Wien in den Jahren 1511–1513. In: Oswin Martinek und Gustav Wächter (Hrsg.): Arbeitsleben und Rechtsordnung. Festschrift Gerhard Schnorr zum 65. Geburtstag. Wien, 1988, S. 805–820.
  5. Johann Josef Böker: Der Wiener Stephansdom, Architektur als Sinnbild für das Haus Österreich. Verlag Anton Pustet, Salzburg 2007, S. 130f.