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vom 29.11.2019, aktuelle Version,

Jenny Weleminsky

Jenny und Friedrich Weleminsky (1905–1910)
Schloss Thalheim, Kapelln

Jenny Weleminsky, (geboren als Jenny Elbogen,* 12. Juni 1882 in Kapelln; † 4. Februar 1957 in London) war eine österreichische Übersetzerin und Esperantistin. Einige ihrer Übersetzungen von Werken Franz Grillparzers und von anderen österreichischen Literaten wurden in der Zeitschrift „Literatura Mondo“ veröffentlicht, die als Blatt einer Autorengruppe um die Budapester Schule gilt.[1]

Leben

Auf Schloss Thalheim geboren,[2] wuchs Jenny Weleminsky auch in Wien auf. Sie war das jüngste Kind von Guido Elbogen (1845–1918), einem jüdischen Unternehmer und späteren Präsidenten der Anglo-Austrian Bank in Wien[3][4] und seiner Frau Rosalie (Ali, geborene Schwabacher). Die beiden haben 1868 in Paris geheiratet und hatten vier Töchter, Jenny, Antoinette (1871–1901), Hermione und Helene (1878–1882) und einen Sohn namens Heinrich (Henri) (1872–1927).

Jenny Weleminsky wurde von der Gouvernante Miss Allen aus Devon (England) zu Hause erzogen. Sie beherrschte perfekt die Englische Sprache, so dass sie Axel Munthes Memoiren The Story of San Michele vom Englischen nach Esperanto übertragen konnte. Ihre Übersetzung wurde 1935 publiziert.[5]

Politische Ansichten

Ihre politischen Ansichten waren stark durch ihren Vater beeinflusst. Sie war eine leidenschaftliche Anhängerin der Habsburgermonarchie und wollte nach dem Zweiten Weltkrieg die Restauration der Monarchie mit Otto von Habsburg als Kaiser. Zugleich war sie aber auch Anhängerin des internationalen Marxismus, was auch in ihrem Engagement für Esperanto deutlich wurde. Als Jüdin nahm sie zum Zionismus eine eher kritische Haltung ein, besonders die Landnahme Palästinas lehnte sie ab und brach auch alle Kontakte zu zwei ihrer Töchter ab, als diese Österreich in Richtung Palästina verließen.

Obwohl ihr Vater für die Errichtung der neuen, 1913 erbauten Synagoge in St. Pölten spendete,[6] war Jenny eine säkulare Jüdin und Atheistin.

Heirat und Familie

Nach dem Tod ihres Vaters 1918 erbte Jenny Weleminsky Schloss Thalheim, das ihr Vater 1882 knapp vor ihrer Geburt erworben hatte.[7]

Dort und in Prag[5] lebte sie mit ihrem Ehemann Friedrich Weleminsky (1868–1945), den sie am 4. Dezember 1905 auf Schloss Thalheim geheiratet hatte. Friedrich Weleminsky war Dozent für Hygiene (heute: Mikrobiologie) an der Karls-Universität in Prag[8] und entwickelte mit Tuberculomucin Weleminsky eine Behandsungsmethode von Tuberkulose.[9] In dieser Zeit wurde Schloss Thalheim als moderner Milchwirtschaftsbetrieb geführt.

Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft suchte sie 1939 Zuflucht im Vereinigten Königreich,[8][10] wo sie weiter ihrer Übersetzungstätigkeit nachging, Gedichte verfasste und anderen Flüchtlingen Englischunterricht erteilte.[10] Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Tod ihres Ehemanns verbrachte Jenny Weleminsky mehrere Jahre in Wien, besuchte aber immer wieder auch London, wo sie im Alter von 74 Jahren an Brustkrebs verstarb.

Zusammen mit ihrem Mann hatte sie vier Kinder. Zwei ihrer Töchter emigrierten in den frühen 1930ern nach Palästina, namentlich Elisabeth (* 1909), die sich später Jardenah nannte, und Dorothea (* 1912), die sich Leah nannte. Ihre älteste Tochter Marianne (* 1906) und ihr Sohn Anton (* 1908) emigrierten vor dem Zweiten Weltkrieg in das Vereinigte Königreich. Ihre Nachfahren leben heute im Vereinigten Königreich, in Australien, in Schweden und in Deutschland.

Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Sutton, Geoffrey: Concise Encyclopedia of the Original Literature of Esperanto: 1887–2007. Mondial, New York 2008, ISBN 978-1-59569-090-6, S. 11 (Abgerufen am 26 May 2015).
  2. Richard Gaskell: British Committee for Refugees from Czechoslovakia and Czech Refugee Trust Fund documents at the Public Record Office: Names of registered individuals and associated persons from HO294/612 and HO294/613. Czech And Slovak Things. 23. Mai 2003. Abgerufen am 7. Januar 2013.
  3. Gabriele Schmid: Zahlenlotto und Klassenlotterie in der Habsburgermonarchie 1751–1918: Reformen und Widerstände. Universität Wien, 2008, S. 86.
  4. Bernhard Nagel, Jürgen P Nautz: Nationale Konflikte und monetäre Einheit: ein Plädoyer für die Währungsunion (German). Passagen Verlag, Vienna 1999, S. 92.
  5. 1 2 Munthe, Axel, translated from the original English text by Jenny Weleminsky: Romano de San Michele. Eldonis: Literatura Mondo, Budapest (Association of Esperanto Book Friends (AELA)) 1935.
  6. New synagogue: Donation list of the Temple-Construction-Association. Memorbuch: Juden in St Pölten. Archiviert vom Original am 31. August 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.juden-in-st-poelten.at Abgerufen am 31. August 2017.
  7. Thalheim. Burgen-Austria.com („Castles in Austria“). 17. September 2005. Abgerufen am 28. August 2017.
  8. 1 2 Reeves, Carole: Tuberculomucin – a forgotten treatment for tuberculosis. Carole Reeves. 4. April 2012. Abgerufen am 3. April 2013.
  9. H. Zemmin, K. Wille: Beitrag zur Tuberkulosetherapie mit Tuberculomucin. In: Beiträge zur Klinik der Tuberkulose und spezifischen Tuberkulose-Forschung. 64, Nr. 5–6, Oktober 1926, S. 679–682. Abgerufen am 25. August 2017.
  10. 1 2 Charlotte Jones: My grandfather: A kind and modest man Archiviert vom Original am 5. März 2016.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ajr.org.uk In: Association of Jewish Refugees (Hrsg.): AJR Journal. 11, Nr. 7, Juli 2011, S. 5. Abgerufen am 25. August 2017.
  11. 1 2 3 4 Istvan Meszaros: Enhavlisto de Literatura Mondo. egalite.hu. S. 51.
  12. Romano de San Michele. Toronto Public Library, (Abgerufen am 26 August 2017).