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vom 07.06.2017, aktuelle Version,

Johannes Huber (Mediziner, 1946)

Johannes Huber (* 31. Mai 1946 in Bruck an der Leitha) ist ein österreichischer Mediziner und Theologe.

Leben

Er besuchte das Bundesgymnasium Hollabrunn, wo er 1965 die Matura ablegte. Danach studierte er katholische Theologie und Medizin an der Universität Wien. 1973 promovierte er zum Doktor der Theologie und 1975 zum Doktor der Medizin und war von 1973 bis 1983 einer von zwei persönlichen Sekretären von Kardinal Franz König. 1985 habilitierte er an der Medizinischen Universität Wien über "Strukturelle und numerische Chromosomenaberrationen bei gynäkologischen Malignomen". Huber arbeitete von 1992 bis 2011 als Leiter der klinischen Abteilung für Endokrinologie und Reproduktionsmedizin an der Medizinischen Universität Wien und war von 1995 bis 1996 provisorischer Leiter der gesamten Frauenklinik im Wiener AKH. 2001 bis 2006 war er Vorsitzender der Bioethik-Kommission, sowie Mitglied des Obersten Sanitätsrates, korrespondierendes Mitglied des Kuratoriums Alpbach und ist Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler wissenschaftlichen Organisationen.

Sein aus den Publikationen ersehendes Wissens und Forschungsgebiet sind Frauengesundheit, Reproduktionsmedizin, Endokrinologie und interdisziplinäre Gynäkologie.

Johannes Huber war lange Zeit Professor an der Universität Wien und ist seit 2004 außerordentlicher Universitätsprofessor an der Medizinischen Universität Wien. Fachlich ist Huber vorwiegend als Endokrinologe tätig.

Bis Oktober 2007 war er Vorsitzender der österreichischen Bioethik-Kommission. Er hat große Vorbehalte gegen Patientenverfügungen: Den Bemühungen um das Zustandekommen eines Patientenverfügungsgesetzes stand er skeptisch gegenüber. Er begründete das damit, dass Patienten einfach vertrauen könnten, dass Ärzte ihre Wünsche berücksichtigen, selbst wenn es so problematische Wünsche wie die Verweigerung von Bluttransfusionen wären.[1] Nach Inkrafttreten des Patientenverfügungsgesetzes erklärte er in völligem Gegensatz dazu öffentlich, sich nicht an alle verbindlichen Patientenverfügungen zu halten, und forderte Verständnis für Kollegen, die sich über den ausdrücklichen Patientenwillen hinwegsetzen, falls dieser auf einem "theologisch falschen" Hintergrund beruhe, wie z. B. bei der Verweigerung von Bluttransfusionen.[2] Andererseits trat er in Diskussionen nicht grundsätzlich für das Recht auf Leben ein, da er dafür plädierte, lebensfähigen Schwerbehinderten eine tödliche Injektion im Mutterleib zu verabreichen. Das sei humaner, als sie auf dem üblichen Weg abzutreiben.[3]

Besondere Bekanntheit erlangte er durch Vorträge, Kurse und mehrere Bücher über Altersforschung bzw. Anti-Aging, Hormon- und Frauenmedizin sowie gesunde Lebensführung, von denen einige von Alfred Worm mitverfasst wurden. Im Jahr 2007 wurde er durch einen von dem Journalisten Robert Buchacher durchgeführten Selbstversuch der Huberschen Anti-Aging-Methoden, der im P.M. Magazin veröffentlicht wurde, einer breiten deutschen Öffentlichkeit bekannt.

Auszeichnungen

Schriften

  • Hormone für die Schönheit. Ariston, Kreuzlingen/München 1997, ISBN 3-720-51706-3.
  • mit Christian Gruber, Doris Gruber:„Länger leben mit den Weisheiten der Klöster“. Uraltes Wissen, nach den neuesten Gesichtspunkten überprüft. Jentzsch, Wien 2004, ISBN 3-7142-0002-9.
  • Das Ende des Alterns. Bahnbrechende medizinische Möglichkeiten der Verjüngung, Stammzellentherapie, Organverjüngung. Ullstein, Berlin 2007, ISBN 978-3-548-36951-8.
  • Es existiert – Die Wissenschaft entdeckt das Unsichtbare edition a, Wien 2016, ISBN 978-3-99001-168-3

Literatur

  • Robert Buchacher: Anti-Aging. Wie ich dem Alter davonlief. In: P.M. Magazin. Nr. 2. Februar 2007, S. 68 ff.

Einzelnachweise

  1. Bioethik. Wenn Patienten lieber sterben. Die Presse, 23. Juni 2005
  2. ZIB 2, 29. April 2006
  3. Presseaussendung Format, 25. Juli 2002
  4. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)