unbekannter Gast
vom 06.06.2017, aktuelle Version,

Judendorf-Straßengel

Vorlage:Infobox Gemeindeteil in Österreich/Wartung/Ehemalige Gemeinde

Judendorf-Straßengel (Ehemalige Gemeinde)
Historisches Wappen von Judendorf-Straßengel
Vorlage:Infobox Gemeindeteil in Österreich/Wartung/Wappen
Katastralgemeinde Judendorf-Straßengel
Judendorf-Straßengel (Österreich)
Red pog.svg
Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Graz-Umgebung (GU), Steiermark
Gerichtsbezirk Graz-West
f5
Koordinaten 47° 7′ 0″ N, 15° 20′ 43″ Of1
Höhe 380 m ü. A.
Einwohner der stat. Einh. 5843 (31. Oktober 2013)
Gebäudestand 1374 (2001f1)
Fläche d. KG 10,61 km²
Postleitzahl 8111f1
Vorwahl +43/3124f1
Statistische Kennzeichnung
Gemeindekennziffer 60664
Katastralgemeinde-Nummer 63238

Lage der ehemaligen Gemeinde im Bezirk Graz-Umgebung
Eigenständige Gemeinde bis Ende 2014
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; GIS-Stmk

Judendorf-Straßengel ist eine Katastralgemeinde und ehemalige Marktgemeinde mit 5843 Einwohnern (Stand: 31. Oktober 2013)[1] in der Steiermark nordwestlich von Graz im Bezirk Graz-Umgebung. Im Rahmen der steiermärkischen Gemeindestrukturreform ist sie seit 2015 mit den Gemeinden Gratwein, Eisbach und Gschnaidt zusammengeschlossen,[2] die neue Gemeinde führt den Namen Marktgemeinde Gratwein-Straßengel. Grundlage dafür ist das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz - StGsrG.[3]

Geografie

Geografische Lage

Judendorf-Straßengel liegt in der Weststeiermark, circa fünf Kilometer nordwestlich der Landeshauptstadt Graz. Die Marktgemeinde wurde im Osten durch die Mur, im Süden durch den Rötzer Wald, im Westen durch den Kugelberg begrenzt. Im Norden war sie mit der Nachbargemeinde Gratwein zusammengewachsen.

Gemeindegliederung

Das Gemeindegebiet umfasste folgende fünf, jeweils als Dorf qualifizierte Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[4]):

  • Hundsdorf (457)
  • Judendorf (1570)
  • Kugelberg (282)
  • Rötz (762)
  • Straßengel (2607)

Die Marktgemeinde bestand aus der einzigen Katastralgemeinde Judendorf-Straßengel.

Nachbargemeinden bis Ende 2014

Gratwein Gratkorn Gratkorn
Eisbach Graz
Eisbach Sankt Oswald bei Plankenwarth Thal

Geschichte

Wallfahrtskirche Maria Straßengel

Um 860 wird in einer der ältesten Urkunden Österreichs der Kirchberg als „ad Strazinolun“ genannt. Vermutlich leitet sich der Name vom slawischen „straza“ ab, was sich auf einen hier günstig gelegenen Wachturm beziehen könnte.

Am 11. Juni 1147 widmete Markgraf Otakar III. dem Kloster Rein unter anderem die Dörfer Rötz, Straßengel und Judendorf. Diese Gebiete wurden von Reiner Mönchen bewirtschaftet.

Siedlungen mit der Bezeichnung Judendorf liegen meist an alten Handelsrouten, die die Alpen überqueren. In ihrer Nähe kam es in späterer Zeit meist zu Stadt- und Marktgründungen. Man nimmt an, dass es sich bei diesen Judendörfern um Niederlassungen jüdischer Kaufleute handelt, die im frühen Mittelalter intensiv am Warenhandel beteiligt waren.

Nach Aufhebung der Grundherrschaften zählten Judendorf, Straßengel, Rötz, Hundsdorf und Kugelberg zur 1849 konstituierten Marktgemeinde Gratwein.

Mit der Eröffnung des Streckenabschnittes Mürzzuschlag - Graz der k.k. privilegierten Südbahn am 21. Oktober 1844 fand auch das Gratweiner/Gratkorner Becken Anschluss an die „industrielle Revolution“. In der Folge siedelten sich in Judendorf wirtschaftliche Betriebe an, darunter eine Zementfabrik.

Ihren wirtschaftlichen Aufschwung hatten die Judendorfer und Straßengler jedoch dem Umstand zu verdanken, dass sich bereits um 1850 die Grazer Oberschichte dieser Gegend bemächtigte hatte. Besonders die auf Grund ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten zu sagenhaftem Reichtum gelangte Dynastie Materleitner in Judendorf verfolgte daraufhin separatistische Bestrebungen, die durch Ansiedlung eines Hotels (1889), einer Kaltwasserheilanstalt (1894), bzw. des „Steirischen Park-Sanatoriums Dr. Feiler“ (1901) gestärkt wurden. Judendorf-Straßengel, zum damaligen Zeitpunkt einer der bekanntesten Kurorte der Monarchie, erlangt schließlich die Trennung von Gratwein, und konstituierte sich 1909 als selbständige Ortsgemeinde.

Der Aufschwung fand mit dem Zusammenbruch der Monarchie und mit dem damit verbundenen Verlust des wirtschaftlichen Hinterlandes ein jähes Ende. Fast wäre die Gemeinde wieder in die Bedeutungslosigkeit versunken, wenn nicht die Krankenkasse der Österr. Bundesbahnen das ehemalige Parksanatorium Feiler erworben hätte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Judendorf-Straßengel immer mehr zu einer Wohngemeinde und im Jahre 1981 pendelten 86 % der Beschäftigten aus der Gemeinde aus, was nicht geringe Probleme für die Gemeinde als kommunalen „Versorgungsbetrieb“ mit sich bringt. Vor allem das Fehlen von Fuß- und Radwegen im Ort bzw. eine Anbindung an den Murradweg nach Graz wird von vielen Teilen der Bevölkerung bemängelt. Nachdem die Versicherungsanstalt der Österr. Eisenbahnen im Jahre 1989 einen Teil ihrer Sonderkrankenanstalt stilllegte, kam 1999 das endgültige Aus. Durch intensive Bemühungen gelang es auch hier die Tradition Judendorf-Straßengels als Kurort bzw. als Ort der Ruhe und Erholung fortzusetzen. So entstand im zuerst geschlossenen Teil der Sonderkrankenanstalt die „Parkresidenz“, ein Seniorenwohnheim, und auf dem Areal des zuletzt stillgelegten Teils wurde ein modernes Rehabilitationszentrum mit den Schwerpunkten Neurologie, Orthopädie, Onkologie und Kinder-Rehabilitation errichtet.[5]

2009 wurde der Hauptplatz rund um das Gemeindezentrum komplett neu gestaltet und anlässlich des 100-Jahr Jubiläums feierlich eröffnet.[6]

Politik

Das Ergebnis der Gemeinderatswahl 2010 erbrachte folgende Mandatsverteilung im Gemeinderat:

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Wallfahrtskirche von Süden gesehen

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Trotz der Nähe zu Graz ist Judendorf-Straßengel an die Fernverkehrsverbindungen schlecht angebunden, da die Hauptverkehrsstraßen auf der gegenüberliegenden Mur-Seite liegen. Graz selbst kann allerdings direkt über eine Landesstraße erreicht werden. Der nächstgelegene Autobahnanschluss an die Pyhrn Autobahn A 9 besteht mit der Anschlussstelle Gratkorn (173), die aufgrund einer fehlenden Mur-Brücke im Gemeindegebiet in circa acht Kilometer erreicht wird. Die Grazer Straße B 67 wird in etwa vier Kilometer erreicht.

In Judendorf-Straßengel befindet sich eine Haltestelle der Südbahn mit - in Stoßzeiten  - halbstündlichen S-Bahn-Verbindungen der Linie S1 nach Graz und Bruck an der Mur.[7]

1893 wurde von privater Seite der Bau einer vom Grazer Südbahnhof über das linke Murufer, Unter-Andritz, Sankt Gotthard(t), Weinzödl sowie Sankt Stefan nach Strassengel und Judendorf führenden Dampftrambahn erwogen.[8]

Der Flughafen Graz ist rund 30 km entfernt.

Die Knicke in der Führung der Landesstraße von Graz-Nord nach Judendorf-Straßengel und weiter nordwärts nach Gratwein lassen diese (rechte, westliche) Murseite weniger Autoverkehr anziehen als die A 9 und die B 67 links der Mur und beruhigen so Judendorf-Straßengel. Ab dem südlichen Ortsrand führt die Radroute „über Raach“ nach Graz-Gösting. Als Rad-Gehweg, bald HR1 (Hauptradroute G/GU des Landes Steiermark,[9]) ein Stück erhöht auf der alten Bahntrasse, über Graz-Raach (als Autoverkehrs-Sackstraße verkehrsberuhigt), hochsteigend über das Plabutsch-Tunnelportal in Waldhang-Lage wieder als Rad-Gehweg (offen auch für Mopeds), und eine Siedlungsstraße zum Schlossplatz Gösting.

Auf Höhe des Ortes gibt es auch am rechten Ufer von Mur und Werkskanal ein Stück autofreier Rad-Fuß-Route (HR1 von Gratwein), einen Fußgänger-Steg über den Kanal und die alte Brücke am Nordwesteck der Papierfabrik, die nur mehr für Radfahrer und Fußgänger offen steht. Eine geplante Fortsetzung dieser rechtsufrigen Route durchgehend bis zum Kalvarienberg in Graz verlangt Vereinbarungen mit privaten Besitzern.

Sportveranstaltungen

  • Seit 2007 findet jeweils im April der Strassengler Lauf statt. Bei diesem Rundkurs über 1,2 km und 4,7 km gibt es Einzel- und Staffelbewerbe für Läufer und Nordic-Walker mit Distanzen von 1,2 km, 2,4 km, 4,7 km sowie 9,4 km. Für Kleinkinder gibt zusätzlich eine Strecke über 300 Meter.[10]
  • 2009 und 2015 war Judendorf-Straßengel Etappenziel der Österreich Rundfahrt.[11]

Literatur

  • Ingo Mirsch: Marktgemeinde Judendorf-Straßengel – Die Geschichte, herausgegeben von der Marktgemeinde, erhältlich im Gemeindeamt
  • Ingo Mirsch: Judendorf in alten Ansichten, Herausgeber: Europäische Bibliothek, ISBN 90-288-1346-2
  • Marianne Gerstenberger: Maria Straßengel, Herausgeber: Pfarramt

Einzelnachweise

  1. Land Steiermark: Endgültiger Bevölkerungsstand am 31.10.2013 (Excel-Datei, 85 KB; abgerufen am 2. Mai 2015)
  2. Steiermärkische Gemeindestrukturreform.
  3. § 3 Abs. 3 Z 3 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. ZDB-ID 705127-x. S. 3.
  4. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  5. http://www.klinik-judendorf.at/
  6. http://www.styriagate.net/jnew/index.php?option=com_content&view=article&id=104%3Ahauptplatzeroeffnung-in-judendorf-strassengel&catid=1%3Aaktuelle-nachrichten&Itemid=50&lang=de
  7. ÖBB-Personenverkehr AG: Kursbuch aktuell Fahrplanbild 501 (abgerufen am 19. Mai 2009)
  8. Communicationswesen. (…) Dampftrambahn Südbahnhof Graz-Judendorf. In: Der Bautechniker, Jahrgang 1893, Nr. 9, 3. März 1893 (XIII. Jahrgang), S. 140, Mitte rechts, sowie S. 837. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bau
  9. http://www.radland.steiermark.at/cms/beitrag/10864905/24321473/ Land Steiermark: Hauptradrouten samt Plan (HR1 = rot, fälschlich unbezeichnet) (abgerufen am 19. Dezember 2010)
  10. http://www.laufkalender24.at/veranstaltung/179155-10.-Strassengler-Lauf-30.04.2017-Judendorf-Strassengel.html
  11. http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:qNIB8iQUefIJ:www.weitra.gv.at/fileadmin/Ankuendigungen/Ankuendigungen_2015/OTour2015_Etappenpraesentation.pdf+&cd=6&hl=de&ct=clnk&gl=at
  Commons: Judendorf-Straßengel  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien