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vom 28.05.2017, aktuelle Version,

Karl Josef Napoleon Balling

Karl Josef Napoleon Balling (auch Karel oder Carl Joseph Napoleon Balling) (* 21. April 1805 in Gabrielahütten, Nordböhmen; † 17. März 1868 in Prag) war ein böhmisch-österreichischer Chemiker und Fachmann für Hüttenwesen. Er war 1866 bis 1868 Rektor des Polytechnikum in Prag.

Leben

Balling war das dritte Kind von Michael und Anne Balling. Als Absolvent des Gymnasiums in Pilsen studierte Karl Josef Napoleon Balling von 1820 bis 1823 am Polytechnikum in Prag Chemie und setzte anschließend das Studium an der Karls-Universität Prag fort mit einem Praktikum im Hüttenwerk Zbirow bei Pilsen in Böhmen unter seinem Vater. Karl Josef Napoleon Balling wurde Assistent für Chemie am Polytechnikum in Prag und 1833 nach dem Tod von Prof. Steinmann dessen Nachfolger am dortigen Lehrstuhl für Chemie mit Vorlesungen über die Zuckerfabrikation, Gärungschemie und Metallurgie. Am 16. Juli 1835 wurde er zum Professor für Allgemeine Chemie und Technische Chemie berufen. 1866 wurde er Rektor des Polytechnikums in Prag.

Familie und Herkunft

Balling hatte den Sohn Karl Albert Max Balling (1835–1896), der Professor für Chemie, Probierwesen und Metallhüttenkunde an der Bergakademie Pribram in Böhmen wurde und den älteren Bruder Friedrich Balling (1803–1869), welcher als Zentraldirektor eisenverarbeitender Industrien in Krumau verstarb. Ihr Vater Michael Balling (1776–1848), stammte aus Franken. Er war ein Sohn des Johann Kaspar Balling, geboren am 12. August 1737 in Würzburg, verstorben am 17. September 1805 als Ingenieur und Landvermesser in Würzburg. Er war der Sohn des Schreinermeister und Restaurateur Johann Kaspar Balling, geboren am 12. August 1705 in Selz an der Saale, verstorben am 8. Dezember 1768 in Würzburg, welcher den Johann Christoph Balling, (* 1680, † 4. August 1748 in Selz an der Saale) zum Vater hatte.

Wirken

Balling war einer der Begründer der wissenschaftlichen Gärungschemie und Förderer der Entwicklung der Zuckerindustrie in Böhmen. Er erfand im Jahre 1843 das nach ihm benannte Balling-Saccharimeter, eine Dichtespindel zur Bestimmung der Konzentration von wässerigen Zuckerlösungen. Dieses Saccharimeter führte er auch in der Brauereiindustrie ein und begründete ebenfalls im Jahr 1843 die sog. Attenuationlehre oder Saccharometrische Bierprobe, die einen mathematischen Zusammenhang zwischen dem Alkoholgehalt, dem wirklichen Extraktgehalt und der Konzentration der Stammwürze des Bieres herstellt. In den Jahren 1849 bis 1861 war er tätig als Geschäftsführer der Gewerbegenossenschaft in Prag, Ausschußmitglied der k. k. patriotisch-ökonomischen Gesellschaft, Mitglied der statistischen Handelskommission in Böhmen und der Medizinalkommission der böhmischen Statthalterei. Er war Förderer gewerblicher und landwirtschaftlicher Ausstellungen und Leiter der österreich-ungarischen Abteilung bei den Weltausstellungen 1851 in London und 1855 in Paris.

Im Jahre 1854 erhielt er das Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens, Auszeichnungen für Wissenschaft und Kunst, und war korrespondierendes Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, Inhaber der k. k. österr. großen goldenen Medaille für Wissenschaften und Künste und Mitglied der königl. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften in Prag.

Werke (Auswahl)

Literatur

  • Carl Jelinek: Das ständische polytechnische Institut in Prag. 1856.
  • Constantin von Wurzbach: Balling, Karl Joseph Napoleon. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 1. Theil. Universitäts-Buchdruckerei L. C. Zamarski (vormals J. P. Sollinger), Wien 1856, S. 135 f. (Digitalisat).
  • Johann Christian Poggendorf: Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exakten Wissenschaften. 7a, 1; 3.
  • Alphons Oppenheim: Balling, Karl Josef Napoleon. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 23.
  • F. Perschl-Stark: Die deutsche Technische Hochschule in Prag. 1906.
  • Anton Balling: Vervielfältigtes Manuskript: 200 Jahre Familiengeschichte, zusammengestellt im Jahre 1907 in Zuckmantel in Schlesien mit Ergänzungen aus dem Jahr 1918, Römerstadt in Mähren.
  • Josef Gicklhorn: Balling, Karl Josef Napoleon. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, ISBN 3-428-00182-6, S. 562 f. (Digitalisat).
  • Balling, Karl Josef Napoleon. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 1, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1957, S. 47.
  • Ch. Stölzl: Die Ära Bach in Böhmen – sozialgeschichtliche Studien zum Neoabsolutismus 1848–1851. München 1971.
  • Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder, herausgegeben von Heribert Sturm auf Auftrag des Collegium Carolinum. München 1979, Band I, S. 44.
  • Helene Bruscha: Das Neumann’sche Haus in Krumau und die Familien Balling, Ebenhöch, Neumann, Reising von Reisinger, Haslinger und Rosenauer. In: Archiv für Familiengeschichtsforschung – Zeitschrift für Familienforscher, 9. Jahrgang, Heft 1, 2005. C. A. Starke Verlag Limburg an der Lahn, Balling S. 34.
  • Gabriela Basarová: Carl Joseph Napoleon Balling – Professor an der Technischen Hochschule in Prag 1805–1868. In: Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens e. V.: Jahrbuch 2005. Berlin 2005, S. 27–45.
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