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vom 22.01.2019, aktuelle Version,

Katharinaberg (Schnals)

Blick auf das untere Schnalstal mit Katharinaberg
Blick über Katharinaberg
Pfarrkirche St. Katharina

Katharinaberg (italienisch Monte Santa Caterina) ist eine Fraktion der Gemeinde Schnals in Südtirol (Italien).

Geographie

Der Ort liegt im Schnalstal auf einem Bergsporn, der den Rest eines präglazialen (d. h. vor der Eiszeit vorhandenen) Talbodens darstellt (dessen Fortsetzung man sehr schön auf der gegenüberliegenden Seite [Saxalbhof] erkennt) in 1245 m Höhe am Meraner Höhenweg.[1][2] "In diesen alten Talboden haben die Gletscher mehrerer Eiszeiten und - in den Zwischeneiszeiten - auch die Fluten des Schnalser Baches ein neues, tieferes Tal eingeschnitten".[3] Auf dem Bild "Blick auf das untere Schnalstal mit Katharinaberg", kann man die beschriebenen Reste des ehemaligen Talbodens gut erkennen. Im weiteren Verlauf mündete das Schnalstal früher (vor den Eiszeiten) auf der Höhe von Schloss Juval in den Vinschgau: Vor allem im Laufe des Postglazials schnitt sich der Schnalser Bach in das anstehende Gestein ein und bildete die heutige, beeindruckende, steile und enge Schlucht ins Etschtal – ein sog. glaziales Hängetal.[4]

Geschichte

Erste Siedlungsspuren in Katharinaberg stammen aus der Bronzezeit. Sie wurden 1994 durch Keramikfunde auf dem Kirchhügel nachgewiesen.[5] In Katharinaberg befand sich die Schnalsburg, die 1350 abgetragen wurde.[6] 1499 wurde die Pfarrkirche St. Katharina gestiftet, die zusammen mit dem Friedhof unter Denkmalschutz steht.[7] Auf dem Friedhof liegt die Mutter von Friedrich Gurschler, Dominika Gurschler, begraben.

1953 gründeten die Brüder Alois und Johann Gorfer vom Obervernatschhof die Musikkapelle Katharinenberg, die etwa 30 Konzerte im Jahr im Ort und außerhalb gibt.[8]

1961 hatte Katharinaberg 300 Einwohner. Die Zahl sank bis 1971 auf 235.[9]

In Katharinaberg befindet sich eine Grundschule.[10] Sie gehört zum Schulsprengel Naturns.[11]

"Ursprünglich unterrichtete die einzige Lehrkraft im Pfarrhaus, als die Schulstube zu eng wurde sogar zweischichtig, das heißt: die eine Gruppe am Morgen, die zweite am Nachmittag. 1953 wurde das zweiklassige neue Schulgebäude fertiggestellt."[12] Im Herbst 1993 wurde dieses Gebäude abgerissen und nach dreijähriger Bauzeit im Jahr 1996 durch einen Neubau ersetzt.[13]

1959/60 hatte die Schule 63 Schüler, 1976/77 21 und im Schuljahr 2018/18 12 Schüler. Über die Anfänge des Schulwesens in Katharinaberg ist nichts genaues bekannt. Nach Hendricks und Rainer (1990) ist es aber wahrscheinlich, dass mit der Errichtung der Kuratie im Jahr 1735 hier unterrichtet wird – sicher ist eine Schule in Katharinaberg 1840 nachgewiesen.

Baudenkmale

In Katharinaberg befinden sich einige der Baudenkmale der Gemeinde Schnals:

Pfarrkirche St. Katharina mit Friedhofskapelle und Friedhof

An der Stelle der heutigen Kirche stand bis 1350 die Schnalsburg, deren Turm der heutigen Kirche noch als Glockenturm dient. Aber "schon in der Schnalsburg hatte es eine Katharinakapelle gegeben. Die wahrscheinlich recht geräumige Kapelle war bis 1304 das einzige Gotteshaus im Schnalstal".[14] Die Mönche der Kartause Allerengelberg ließen damals die Burg abtragen.

"Anderthalb Jahrhunderte später, 1498, bat Christian Weithaler von Prettrach, heute Unterpretter, den Prior von Allerengelberg um die Erlaubnis, auf dem alten Burggelände eine neue Kapelle zu Ehren der heiligen Katharina erbauen zu dürfen. Er erhielt die Erlaubnis. Christian Weithaler hatte einen Grund für die fromme Tat. Seine Tochter Margaretha sah der Entbindung entgegen und war zu Tode erkrankt. Die Eltern riefen die Nothelferin Katharina um Hilfe an und machten das Gelübde, ihr auf eigene Kosten eine Kapelle zu bauen. Margaretha wurde gesund und Christian Weithaler stand zu seinem Wort. Er baute das Kirchlein, wohl in der heutigen Form, aber etwas kleiner. 1503 hat es der Bischof Stephanus (Chur) eingeweiht. Es hatte damals schon drei Altäre. Vom Tag der Kirchweih an las ein Kooperator aus Naturns jeden dritten Sonntag eine heilige Messe in Sankt Katharina für die Leute im Gebirge und kehrte dann wieder nach Naturns zurück. Bis 1735 gehörten Katharinaberg und das Pfossental zur Pfarrei Naturns."[15] Ab 1735 wurde dann die selbständige Kuratie in Katharinaberg errichtet, wobei sich rasch herausstellte, dass die Kapelle zu klein war, sodass sie bis 1748 auf die heutigen Maße und Formen vergrößert wurde. Ein Brand zerstörte die Kirche; sie wurde 1813/1814 erneuert. Die Kirche hat einen Spitzturm, in dessen Erdgeschoss sich die Friedhofskapelle befindet. Das Kirchenschiff mit Rundbogenfenstern hat ein Tonnengewölbe. Der Chor ist mehreckig. Kirche, Friedhofskapelle und Friedhof stehen seit 1981 unter Denkmalschutz.[7]

Die Kirche ist der heiligen Katharina von Alexandrien geweiht.

Die folgende Beschreibung des Inneren der Kirche bezieht sich insbesondere auf die in diesem Artikel veröffentlichten Bilder "Innenansicht", "linker Seitenaltar" und "rechter Seitenaltar".

„Für den Liebhaber der Kunst lohnt sich der Besuch des Katharinakirchleins ebenso sehr wie für den Beter. Er wird den schönen barocken Hochaltar besonders bewundern. Mit Säulen, Architraven, Engelköpfchen und Rankenwerk ist er reich verziert. Im Abschlussfensterchen des Aufbaus findet sich das Bild der heiligen Theresia vom Kinde Jesu. Das von einem Medaillon halb verdeckte große Altarbild stellt die Vermählung der heiligen Katharina mit Jesus Christus dar. Simon Übertracher aus Naturns hat es gemalt. Zu den Seiten des Bildes stehen die Statuen eines Landmannes mit der Forke und einer Magd mit Arbeitsgeräten in den Händen, Bildnisse des heiligen Isidor und der heiligen Notburga. Der fromme spanische Pächter Isidor, dessen Fest die Kirche am 10. Mai feiert, lebte im 12. Jahrhundert. Sein Leben war eine einzige, aber gottgesegnete Arbeit auf den Feldern seines Herrn, und von großer Liebe zu Mitmenschen und Tieren geprägt. Er ist darum zu Recht der Schutzpatron aller Bauern. Notburga ist zeit ihres Lebens Haus- oder Stallmagd gewesen, sowohl bei einfachen Bauersleuten als auch am Hofe der vornehmen Grafen auf der Rattenburg überm Inn. Sie war mildtätig wie die heilige Elisabeth von Thüringen und treu gegen ihre Herrschaften, aber auch eigenwillig im Anspruch auf ihre Freizeit, die sie zum großen Teil betend in der Schlosskapelle oder im Kirchlein des heiligen Rupert bei Eben verbrachte. Die Tiroler verehren ihre heilige Landsmännin ganz besonders, und zwar als Schutzpatronin der Mägde und Knechte, die beim Herrgott auch für deren Freizeit eintritt. Über den Simsen der Eingänge zu den Beichtstühlen auf beiden Seiten des Hochaltars stehen die Statuen der heiligen Katharina mit dem zerbrochenen Rad und der heiligen Barbara mit Kelch und Hostie. Wie Katharina gehört auch Barbara zu den vierzehn Nothelfern. Sie ist insbesondere die Patronin der Bergleute.” Die beiden neugotischen Seitenaltäre – ihre barocken Vorgänger waren dem Brand von 1813 zum Opfer gefallen - sind der Schmerzensmutter und dem heiligen Sebastian, dem Patron der Jäger und Schützen, geweiht. Von außergewöhnlicher Schönheit ist auch das neben der Kanzel in die Wand eingelassene Reliefbildnis des heiligen Martin. Eine kleine Überraschung erlebt der fromme und kunstbeflissene Wanderer beim Besuch des Seitenkapellchens im Schaft des Turmes an der Westwand der Kirche. Es ist so winzig, dass er es leicht übersieht. Zudem lenken beim Rundgang um den Friedhof die schönen schmiedeeisernen Grabkreuze sein Interesse bald von dem unscheinbaren Eingang ab. Hat er ihn aber entdeckt und geöffnet, wird er in dem nur wenige Quadratmeter großen Raum einem meisterhaft geschnitzten barocken Altärchen gegenüberstehen. Das Zentrum seiner zierlichen Aufbauten bildet eine bäuerlich-schlichte Pieta-Gruppe, zu deren Seiten die Statuen zweier Heiliger stehen: eines greisen Mannes mit wallendem Bart und der Hirtenschippe in der Rechten und einer in ein wallendes Gewand gekleideten und ein Buch im Arm tragenden Frau. Niemand weiß mehr so genau, wen sie darstellen. Auf dem linken Flügel des großen Altartriptychons hat der Maler Jan Baegert um 1490 das Elternpaar der Gottesmutter mit denselben Attributen versehen, die auch der unbekannte Schöpfer des Katharinaberger Beinhaus-Altärchens benutzte. Das heute mit Kirche und Turm eine Einheit bildende Kapellchen ist die alte Beinkapelle, also ein eigenständiger Bau. Die Katharinaberger erzählen, man hätte es auf die noch stehenden Grundmauern eines Wachturmes der zerstörten Schnalsburg gebaut. Sie nennen es auch Kapelle der schmerzhaften Mutter und beten darin seit eh und je an hohen Festen und besonders an den Schmerzensfreitagen (Freitag vor Palmsonntag) um Erhörung in allen persönlichen Anliegen.“[16]

Obermair

Das Wohnhaus mit Giebelbundwerk, Tür-, Fenster- und Eckbemalung hat eine Stube mit Feldergetäfel und einer geschnitzten Türeinfassung. Im Giebelbundwerk findet sich die Jahreszahl 1814; die Türeinfassung ist mit der Jahresangabe 1812 und den Namen Jacob Kofler und Elisabeth Reinerin versehen. Das Gebäude steht seit 1981 unter Denkmalschutz.[17]

Obervernatsch

Das Wohnhaus ist ein Holzblockbau mit gotischem Erdgeschoss; Ober- und Dachgeschoss stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die Stube ist mit geschnitzten Fenstereinfassungen versehen. Hier findet sich die Jahresangabe 1739. Das Gebäude wurde 1981 unter Denkmalschutz gestellt.[18]

Montfert

Montfert ist ein Bauensemble mit Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Der Holzblockbau des Wohnhauses verfügt über eine Stube mit zwei Unterzugbalken. Sie ist mit einer Felderdecke geschmückt. Über dem Türholm ist die Jahreszahl 1812 angebracht. Der Getreidekasten hat eine geschnitzte Pfette. Montfert steht seit 1981 unter Denkmalschutz.[19]

Weithal

Weithal ist ein Ensemble aus Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Das Wohnhaus hat eine Freitreppe. Die Fenster sowie die Gebäudekanten sind bemalt. Der Speicher stammt aus dem 17. Jahrhundert. Das Ensemble wurde 1981 unter Denkmalschutz gestellt.[20]

Mitterkaser in Pfossental

Das Wohngebäude ist ein spätgotischer Blockbau. Es hat einen mit Steinen gepflasterten Eingang, im Giebelbundwerk ist die Jahreszahl 1620 angegeben, über dem Türholm befindet sich die Jahreszahl 1670. Die Stube verfügt über einen abgefasten Unterzugbalken. Die Küchendecke ist gewölbt. Das Gebäude steht seit 1989 unter Denkmalschutz.[21]

Kapelle beim Unterperfl

Die Barockkapelle aus dem 18. Jahrhundert wurde 1990 unter Schutz gestellt. Das Gebäude mit Schindeldach hat an den Gebäudeecken gemalte Quader. Im Inneren hat sie ein Tonnengewölbe. Sie ist barock ausgestattet.[22]

Siehe auch

Eishof: Bis 1897 war der in 2.076 m Höhe im Pfossental gelegene Hof ganzjährig bewohnt.

  Commons: Katharinaberg  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Katharinaberg bei Burggrafenamt.com
  2. Naturparke.com
  3. J. Hendricks, U. Hendricks und K.J. Rainer, Schnals, Aus Geschichte und Gegenwart eines Südtiroler Hochgebirgstales, Bozen 1990
  4. Maike Keim, Schnals - Kulturgeographie einer Südtiroler Bergbauerngemeinde, Bozen 1975
  5. Konrad Spindler (Hrsg.): Der Mann im Eis. Neue Funde und Ergebnisse. Springer-Verlag, Wien 1995, ISBN 3-211-82626-2, S. 19
  6. Oswald Trapp: Tiroler Burgenbuch. I. Band: Vinschgau. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1972, S. 198–199.
  7. 1 2 St. Katharina im Verzeichnis der Baudenkmäler in Südtirol
  8. Geschichte der Musikkapelle Katharinaberg, abgerufen am 22.1.2019
  9. Der Schlern, Band 48, Teil 2, Bozen 1974, S. 562 (Digitalisat)
  10. Gemeinde Schnals
  11. Südtiroler Bürgernetz
  12. J. Hendricks, U. Hendricks und K.J. Rainer, Schnals, Aus Geschichte und Gegenwart eines Südtiroler Hochgebirgstales, Bozen 1990, S. 103
  13. , Geschichte der Grundschule Katharinaberg, abgerufen am 15. Januar 2019
  14. J. Hendricks, U. Hendricks und K.J. Rainer, Schnals, Aus Geschichte und Gegenwart eines Südtiroler Hochgebirgstales, Bozen 1990, S. 99
  15. J. Hendricks, U. Hendricks und K.J. Rainer, Schnals, Aus Geschichte und Gegenwart eines Südtiroler Hochgebirgstales, Bozen 1990, S. 100
  16. J. Hendricks, U. Hendricks und K.J. Rainer, Schnals, Aus Geschichte und Gegenwart eines Südtiroler Hochgebirgstales, Bozen 1990, S. 100-101
  17. Obermair im Verzeichnis der Baudenkmäler in Südtirol
  18. Obervernatsch im Verzeichnis der Baudenkmäler in Südtirol
  19. Montfert im Verzeichnis der Baudenkmäler in Südtirol
  20. Weithal im Verzeichnis der Baudenkmäler in Südtirol
  21. Mitterkaser in Pfossental im Verzeichnis der Baudenkmäler in Südtirol
  22. Kapelle beim Unterperfl im Verzeichnis der Baudenkmäler in Südtirol