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vom 23.06.2020, aktuelle Version,

Klaus Tschira Stiftung

Klaus Tschira Stiftung
(KTS)
Rechtsform Gemeinnützige GmbH
Gründung 1995
Gründer Klaus Tschira
Sitz Heidelberg
Zweck Förderung von Naturwissenschaften, Mathematik und Informatik
Geschäftsführung Carsten Könneker, Beate Spiegel[1]
Stiftungskapital 4.091.000.000 Euro (2018)
Website www.klaus-tschira-stiftung.de

Die Klaus Tschira Stiftung (KTS) ist eine deutsche gemeinnützige Organisation mit der Rechtsform gGmbH zur Förderung von MINT-Fächern. Sie wurde 1995 von dem Physiker Klaus Tschira gegründet und bis zu seinem Tod 2015 von diesem geleitet. Die KTS gehört mit einem Eigenkapital von etwa 4 Milliarden Euro zu den größten Stiftungen Deutschlands.[2]

Tätigkeitsbereiche

Die Organisation will Kindergärten, Bildungs- und Forschungseinrichtungen bei der Erarbeitung und verständlichen bzw. anschaulichen Darstellung von Forschungsergebnissen unterstützen. Ziele sind, bei Menschen im frühen Lebensalter die „Faszination“ für Naturwissenschaften zu wecken, Forschung für die Gesellschaft zu betreiben und Wissenschaft für Laien verständlich darzustellen. Außerdem werden auf Antrag Projekte gefördert. Die Organisation engagiert sich dementsprechend in den drei Hauptbereichen:

  • Bildung
  • Forschung
  • Wissenschaftskommunikation
  • in ausgewählten Fällen Architektur für die Wissenschaft.

Mit dem internationalen Friedenspreis Dresden-Preis honoriert die Organisation besondere Leistungen im Einsatz gegen bewaffnete Konflikte, Gewalt und Eskalationen.

Heidelberg Laureate Forum Foundation

2013 gründete die Klaus Tschira Stiftung die Heidelberg Laureate Forum Foundation (HLFF). Diese richtet das jährlich stattfindende Heidelberg Laureate Forum aus, ein Netzwerktreffen, das die Träger der renommiertesten Auszeichnungen in Mathematik und Informatik mit herausragenden Nachwuchsforschenden dieser Fachgebiete zusammenbringt. Ein weiterer Fokus der HLFF liegt darauf, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Disziplinen Mathematik und Informatik zu lenken, das Interesse daran zu wecken und nachhaltig zu stärken. In ihrer 2017 eröffneten Mathematik-Informatik-Station (MAINS) finden rund ums Jahr Aktivitäten für alle Altersklassen statt.[3]

Aktivitäten im Bereich Bildung

Die KTS will Anstöße zur Förderung der Begeisterung und Neugier Heranwachsender für Naturphänomene geben.

Forscherstation

Explore Science

Seit 2006 veranstaltet die Organisation jährlich „naturwissenschaftliche Erlebnistage“ im Luisenpark Mannheim (seit 2018 auch in Bremen). Diese sollen Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, naturwissenschaftliche Phänomene zu entdecken und bei jungen Menschen das Interesse an naturwissenschaftlichen Themen wecken und die Vernetzung von wissenschaftlichen Einrichtungen und Schulen fördern.[4]

Jugend präsentiert

Mit dem Projekt Jugend präsentiert fördert die KTS die Kompetenzen von Schülern bei der Präsentation von Wissen. Training, Wettbewerb und Kommunikation sind die tragenden Säulen des Projektes. Sie stellt von Wissenschaftlern und Lehrern konzipiertes Unterrichtsmaterial zur Verfügung und bildet Lehrkräfte in Seminaren fort. Schüler der 8.–10. Jahrgangsstufe können nach der Vorbereitung im Unterricht am jährlich ausgeschriebenen Schülerwettbewerb teilnehmen.

Jugend präsentiert ging aus dem Jugendsoftwarepreis hervor. Dieser zeichnete von 2001 bis 2011 jährlich Schüler aus, die eine hervorragende Lernsoftware oder Präsentation in digitaler Form entwickelt hatten, um naturwissenschaftliche und mathematische Erkenntnisse anschaulich zu präsentieren. Das Projekt wurde mit der zehnten Vergabe im Januar 2011 beendet.

Aktivitäten im Bereich Forschung

Ein weiteres Ziel der Arbeit ist es, Forschungsergebnisse zum Nutzen der Gesellschaft anzuwenden. Deshalb fördert die Organisation wissenschaftlichen Nachwuchs, betreibt eigene Forschung und unterstützt Projekte anderer Institutionen. Dabei unterstützt sie hauptsächlich von ihr selbst initiierte Vorhaben.

Heidelberger Institut für Theoretische Studien

Im Januar 2010 wurde das Heidelberger Institut für Theoretische Studien als Nachfolger des 2003 gegründeten EML Research (European Media Laboratory) eröffnet. Das Schwesterinstitut des anwendungsorientierten EML verfolgt langfristige Ziele in der Grundlagenforschung, die keinen wissenschaftlichen Modeströmungen unterliegen sollen. Die Arbeitsgruppen forschen in den Gebieten der Lebenswissenschaften, wissenschaftliche Datenbanken und Computerlinguistik, Theoretische Astrophysik, statistische Methoden und Computerwissenschaften. In Zukunft sollen bis zu zehn Forschungsgruppen am HITS vertreten sein. Das Institut verfolgt einen interdisziplinären, kooperativen Ansatz.

Klaus-Tschira-Labor

Das Klaus-Tschira-Labor für physikalische Altersbestimmung ist eine Institution der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim und ein An-Institut der Universität Tübingen. Hier werden geisteswissenschaftliche Überlegungen zur zeitlichen Einordnung von Kunstwerken mithilfe naturwissenschaftlicher Untersuchungen wie der Radiokohlenstoffdatierung überprüft.

Aktivitäten im Bereich Wissenschaftskommunikation

Um das Verständnis für Naturwissenschaften zu fördern, unterstützt die Organisation Journalisten und Wissenschaftler beim Erlernen kommunikativer Fähigkeiten in diesem Bereich.

Klartext

Lok der Baureihe 101 mit Werbung für den Klaus  Tschira  Preis

Der Klaus Tschira Preis für verständliche Wissenschaft war das erste operative Projekt. Seit 2017 trägt der Preis den Namen „KlarText – Preis für Wissenschaftskommunikation“. Bei dem Wettbewerb sucht die Organisation junge Wissenschaftler, die eine sehr gute Doktorarbeit geschrieben und Interesse haben, einem nicht-wissenschaftlichen Publikum zu erklären, was sie erforscht haben. Dazu reichen sie einen allgemein verständlichen Artikel in deutscher Sprache ein.

Bewerben können sich alle Wissenschaftler, die im Vorjahr der Ausschreibung in Biologie, Chemie, Informatik, Geowissenschaften, Mathematik, Neurowissenschaften oder Physik eine Doktorarbeit geschrieben haben.

In der Vorauswahl sichten angehende Redakteure der Deutschen Journalistenschule in München die eingereichten Arbeiten und empfehlen zwei Drittel der Texte für die nächste Jury-Runde. Die verbliebenen Artikel gehen anschließend in die fachliche Prüfung. Dazu wird jeder Text von zwei Wissenschaftlern aus dem jeweiligen Fachgebiet gelesen. Ihr Hauptaugenmerk liegt zunächst auf der fachlichen Qualität. Vor allem prüfen sie aber auch, ob es im Beitrag wirklich um die eigene Forschungsleistung geht und nicht etwa allgemeine Prinzipien beschrieben werden.

Zum Ende bleiben einige Dutzend Beiträge übrig, die von der achtköpfigen Sprachjury aus Wissenschaftlern und Journalisten unter die Lupe genommen werden. Diese wählen in jeder der Kategorien die Beiträge aus, die ihnen am preiswürdigsten erscheinen. Sie geben Rankings ab, diskutieren diese in einer mehrstündigen Jurysitzung und küren schließlich die finalen Sieger.

Nationales Institut für Wissenschaftskommunikation

Von 2001 bis Dezember 2012 veranstaltete die KTS Kommunikationstrainings für Wissenschaftler unter dem Titel „Sag’s klar“.

2012 gründete die Organisation mit dem Karlsruher Institut für Technologie das Nationale Institut für Wissenschaftskommunikation. Das Institut bildet Wissenschaftler und Studierende für die Kommunikation mit der Öffentlichkeit fort und soll den Dialog zwischen Wissenschaftlern und Journalisten fördern.

Science Media Center Germany

2015 hat die Organisation die Science Media Center Germany (SMC) gegründet. Das SMC soll eine vielseitige, kompetente und auch kritische Berichterstattung über Themen mit Wissenschaftsbezug in den Medien fördern, unabhängig von Partikularinteressen. Die gemeinnützige Einrichtung wird von Wissenschaftsjournalisten betrieben. Das Science Media Center Germany ist in Köln verortet und startete sein Produkt- und Dienstleistungsangebot für Journalisten im Frühjahr 2016.[5]

Architektur für die Wissenschaft

Die Organisation förderte den Bau des Advanced Training Centre für das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie, das Haus der Astronomie sowie das Mathematikon in Heidelberg, das ESO Supernova Planetarium & Besucherzentrum am Hauptsitz der Europäischen Südsternwarte in Garching bei München und den Veranstaltungssaal „Tschira-Forum“ am Stammgelände der Technischen Universität München.[6]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Geschäftsführung. In: www.klaus-tschira-stiftung.de. Abgerufen am 13. März 2020.
  2. Liste der größten gemeinwohlorientierten Stiftungen. In: www.stiftungen.org. Abgerufen am 13. März 2020.
  3. Heidelberg Laureate Forum Foundation
  4. Klaus Tschira Stiftung gGmbH: explore science. Abgerufen am 6. April 2018.
  5. Website Science Media Center Germany (deutsch)
  6. Tschira-Forum eröffnet – neuer Veranstaltungssaal im „Thiersch-Turm“ der TU München – Klaus Tschira Stiftung. Abgerufen am 24. Juni 2019 (deutsch).