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vom 06.11.2018, aktuelle Version,

Kraftwerke an der Drau

Draubrücke bei Selkach/Gemeinde Ludmannsdorf
Eisenbahnbrücke über den Ferlacher Stausee bei Strau, Stadtgemeinde Ferlach

Die Drau ist von Paternion flussabwärts bis nach Donja Dubrava (Gespanschaft Međimurje) fast durchgehend energietechnisch genutzt.

Österreich

Das oberste Draukraftwerk ist das KW Amlach in Osttirol.[1]

In Kärnten wurde in den Jahren 1939 bis 1943 in Schwabegg das erste Kraftwerk an der Drau erbaut. Das damals von der Alpenelektrowerke AG erbaute Kraftwerk ist wie auch seine Nachfolger ein Lauf-/Schwellkraftwerk und verfügt über drei Kaplanturbinen mit vertikaler Welle.

Es folgte dann das Kraftwerk Lavamünd in den Jahren 1942 bis 1949, welches als erstes an der Drau in Pfeilerbauweise ausgeführt wurde. Der weitere Ausbau fand in den Jahren 1959 bis 1962 mit dem Kraftwerk Edling, 1965 bis 1968 mit Feistritz-Ludmannsdorf, 1971 bis 1975 mit Ferlach-Maria Rain, 1970 bis 1974 mit Rosegg-St. Jakob, 1976 bis 1981 mit Annabrücke, 1981 bis 1984 mit Villach, 1982 bis 1985 mit Kellerberg und schließlich von 1985 bis 1988 mit dem Kraftwerk Paternion statt.

Schilf bestandene Landzunge am Ferlacher Drau-Stausee unter der Hollenburg, Gemeinde Köttmannsdorf
Brücke der Loiblpass Straße über den Ferlacher Stausee, im Hintergrund der Matzenberg
Drau-Stausee bei Rottenstein, Gemeinde Ebenthal
Kraftwerk Ožbalt

Die zehn Laufkraftwerke der Verbund Hydro Power AG (früher ÖDK) tragen mit ihrer maximalen Leistung von zusammen ca. 600 MW und einer jährlichen Energiegewinnung von ca. 2600 Gigawattstunden ca. 3 %[2] zur Deckung des Strombedarfs Österreichs bei (für Kärnten ca. 42 %[3]).

Durch den Kraftwerksbau wurde aus der einstmals wilden Drau eine Kette von Stauseen mit nur wenigen Fließstrecken dazwischen. Dadurch hat sich ihre Ökologie und ihr Habitus völlig geändert.

Kraftwerkbau mit Staustufen basiert auf Aufstau oberhalb und Absenkung des Wasserspiegels unterhalb des jeweiligen Werks. Im Staubereich sind je nach Topografie und Geologie häufig Dämme und Schlitzwände zur Abdichtung gegenüber dem außerhalb anliegenden Grundwasser nötig. Im Bereich der Absenkung jedoch Eintiefung des Flussbetts und Stützmauern an den Ufern. Am Kraftwerksstau selbst ist der Staudruck des Wassers auch längs des Gewässers abzudichten. Dem Aus- und Überlauf des Kraftwerks folgt ein betoniertes Tosbecken, um Ausspülung des Bodens zu vermeiden.

All diese Einrichtungen kosten Raum und Errichtungskosten und werden, um das Kraftwerk effizient zu halten nur so weit dimensioniert, um eine gewisse Abflussmenge Wasser zu bewältigen. Bei Durchfluss über einem kritischen Wert wird planmäßig das Wehr als Bypass des Turbinendurchlases geöffnet, um Dämme oberhalb des Stauwerks nicht zu überschwemmen. Unterhalb des Stauwerks steigt durch Rückstau des Abflusses der Wasserspiegel. Beide Effekte bewirken eine Reduktion des Gefälles, der Wasserspiegelhöhendifferenz am Kraftwerk, sodass die gewinnbare elektrische Leistung zurückgeht, mitunter bis auf Null.

Durch dynamischen Betrieb kann beschränkte Zeit ein gewisser höherer Abfluss bewältigt werden, indem vor einem zu erwartenden Hochwasser auf Kosten der Stromproduktion der Spiegel eines Stausees vorausschuend abgesenkt wird, sein Inhalt also teilweise abgelassen wird, um für eine kommende Wassermenge Platz zu schaffen. Erst im Abflauen eines Hochwasserereignisses lässt sich die Wirksamkeit einer konkreten Absenkungsstrategie beurteilen.

Kraftwerksbetreiber streichen den Zugewinn an Sicherheit vor Überschwemmung bei Hochwasser heraus. Kritiker weisen auf einen Mangel an Retentionsräumen hin und dass es durch Kraftwerke zu einer schnelleren Ausbreitung einer Hochwasser-Welle längs eines Flusses kommen kann, die im Fall von nach Osten fliessender Flüsse mit nach Osten ziehenden Regenereignisse interferieren kann.

Hochwasser Oktober 2018

Beim Hochwasserereignis vom 30. Oktober 2018 brach unter der Staustufe St. Martin-Rosegg eine Stützmauer: sie wurde provisorisch mit Steinblöcken repariert. Das Ortszentrum von Rosegg wurde überschwemmt.[4]

Revisionen

Erneuerung der Maschinen erläutert am Beispiel KrW Feistritz-Ludmannsdorf mit zwei Maschinen aus 1968: Revisionen finden im Winter bei geringerem Wasserangebot des Flusses statt, nur in mehrjährigen Abständen werden dabei die – sonst wasserführenden – Turbinenkammern geöffnet und durch Luken begangen. Vor etwa zehn Jahren, also um 2002 wurden an beiden Kaplanturbinen die Schaufeln getauscht. Wurden die Erstexemplare im Wesentlichen noch durch Guss gestaltet und dann geschliffen, basieren die neuen nun auf viel genaueren Berechnungen und wurden schon durch 3D-CNC-Fräsen geformt. 10-kV-Generatoren haben durch Alterung von elektrischer Isolierung und Vibrationsverschleiss der magnetisierbaren Blechpakete eine Lebenserwartung von etwa 40–50 Jahren. Um nicht von einem Ausfall überrascht zu werden, und damit längeren Stillstand zu riskieren, werden in einem Tauschprogramm des Verbund Konzerns laufend Generatoren zum Ende dieser Periode hin erneuert. Hier ist der Tausch eines ersten Generators – nach 44 Jahren Betrieb – im März 2012 im Gang. Während durch neue, bessere Turbinenschaufeln sich die Ausbeute um 2–3 % erhöhen lässt, gewinnt man durch den moderneren Generator voraussichtlich nur um 0,5 % an Wirkungsgrad gegenüber dem alten.[5][6][7]

Slowenien

In Slowenien gibt es Kraftwerke bei Dravograd (deutsch: Unterdrauburg), Vuzenica (Saldenhofen), Vuhred (Wuchern), Ožbalt (St. Oswald an der Drau), Fala (Faal; mit dem Fertigstellungsjahr 1918 das älteste Draukraftwerk), Mariborski otok (Marburger Drauinsel), Melje, Zlatoličje (Golldorf) und Formin.[8] Die installierte Leistung wird mit 577 MW angegeben, der in slowenischen Draukraftwerken erzeugter Strom deckt ca. 80 % des Landesbedarfs.[9]

Kroatien

In Kroatien gibt es drei Draukraftwerke: KW Varaždin[10], KW Čakovec[11] und KW Dubrava[12].

Kraftwerk Čakovec bei Čakovec
Kraftwerk Dubrava bei Donja Dubrava

Übersicht

Abfolge
am
Fluss
Name bzw. Standort Nenn-
leistung
(MW)
Regelarbeit
(Mio. kWh
/Jahr)
Bauzeit,
Umbau,
Revision
Staat
01 Kraftwerk Amlach 60,00 219,00 1984–1989 A
02 Paternion 23,50 95,00 1985–1988 A
03 Kellerberg 24,60 96,00 1982–1985 A
04 Villach 24,60 100,00 1981–1984 A
05 KW St. Martin-Rosegg (Rosegg/St. Jakob) 80,00 338,00 1970–1974 A
06 Feistritz/Ludmannsdorf 88,00 354,00 1965–1968 A
07 Laufkraftwerk Ferlach-Maria Rain 75,00 318,00 1971–1975 A
08 Annabrücke 90,00 390,00 1976–1981 A
09 Edling 87,00 407,00 1959–1962 A
10 Schwabegg 79,00 378,00 1939–1943 A
11 Lavamünd 28,00 156,00 1942–1949 A
12 Dravograd (Unterdrauburg) 26,00 142,00 1941–1945, 1994 SLO
13 Vuzenica (Saldenhofen) 56,00 247,00 1947–1957, 1995 SLO
14 Vuhred (Wuchern) 72,00 297,00 1952–1958, 2005 SLO
15 Ožbalt (St. Oswald an der Drau) 73,00 305,00 1957–1960, 2005 SLO
16 Kraftwerk Faal (Fala, Zellnitz) 58,00 260,00 1913–1918, 1925,
1932, 1977, 1994
SLO
17 Mariborski otok (Marburger Drauinsel) 60,00 270,00 1942–1948 SLO
18 Melje (Zusatzwerk beim KW Zlatoličje) 0,68 5,10 2004(?)[13] SLO
19 Zlatoličje (Golldorf) 126,00 577,00 1964–1969 SLO
20 Formin 116,00 548,00 1978 SLO
21 KW Varaždin bei Varaždin (Warasdin) 94,00 522,00 1975 HR
22 KW Čakovec bei Čakovec (Tschakowetz) 76,00 427,00 1982 HR
23 KW Dubrava bei Donja Dubrava 76,00 418,00 1989 HR

Quellen

  1. Google Maps: Standortkoordinaten KW Tassenbach, aufgerufen 9. Juli 2012
  2. Umweltbundesamt Österreich: Energieeinsatz in Österreich, aufgerufen 9. Juli 2012
  3. Grüne in Kaernten: [//de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia:Defekte_Weblinks&dwl=http://kaernten.gruene.at/uploads/media/pk_energiewende_5.5.06_.pdf Seite nicht mehr abrufbar], Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/kaernten.gruene.at[http://timetravel.mementoweb.org/list/2010/http://kaernten.gruene.at/uploads/media/pk_energiewende_5.5.06_.pdf Energiewende], PDF, (9. Juli 2012)
  4. Unwetterschäden: Langwierige Aufräumarbeiten stehen an orf.at, 30. Oktober 2018, abgerufen 30. Oktober 2018.
  5. ORF.at Kaernten, 19. März 2012: Trockenheit: Drau-Kraftwerke betroffen, aufgerufen 9. Juli 2012, ergänzt und korrigiert „nur 1 von 2 Generatoren, keine Turbine“ durch Telefonat mit der Schaltwarte am 28. März 2012
  6. pts-Villach: Bild Typenschild (1968) der 2 Kaplanturbinen (Memento vom 6. September 2012 im Webarchiv archive.is), aufgerufen 9. Juli 2012
  7. Ing. Herbert Juch am 28. März 2012: Telefonat mit Verbund Hydro Power AG, Wien, Werksgruppe Drau
  8. dem, Dravske elektrarne Maribor: Hydro-power plants and generation, aufgerufen 9. Juli 2012
  9. dem, Dravske elektrarne Maribor: About DEM, aufgerufen 9. Juli 2012
  10. Google Maps: Standortkoordinaten KW Varaždin, aufgerufen 9. Juli 2012
  11. Google Maps: Standortkoordinaten KW Čakovec, aufgerufen 9. Juli 2012
  12. Google Maps: Standortkoordinaten KW Dubrava, aufgerufen 9. Juli 2012
  13. Geschäftsbericht 2004, Wirtschaftsraum Österreich – Zentral- und Osteuropa, Bosnien ... Slowenien Siemens, November 2004. S 34.