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vom 02.02.2018, aktuelle Version,

Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck

Die Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck ist ein Komplex von Wasserkraftanlagen der Verbund AG im österreichischen Bundesland Kärnten, bestehend aus den Stausee-Gruppen Reißeck Jahresspeicher, Reißeck Tagesspeicher und Kreuzeck Tagesspeicher in Reißeck, Niklai in Sachsenburg, Mühldorf und Steinfeld sowie verschiedenen Krafthäusern und Pumpwerken.

Kraftwerk Kolbnitz
Kleiner Mühldorfer See

Geschichte

Das Hochdruckkraftwerk wurde in den Jahren 1950 bis 1961 von der damaligen ÖDK[1][2] errichtet. Es gehört ebenso wie das Kraftwerk Kaprun zu den Pionierbauten der österreichischen Energiewirtschaft.

Aufbau

Im Kraftwerk Kolbnitz wird das Wasser der Komponenten Reißeck-Jahresspeicher, Tagesspeicher Gondelwiese und Tagesspeicher Roßwiese in elektrische Energie umgewandelt.

Krafthaus Kolbnitz

Das Krafthaus Kolbnitz leistet maximal 138 MW. Die Steuerung erfolgt durch die Schaltwarte im benachbarten Kraftwerk Rottau. Durch ein Fenster in der Seite des Gebäudes sind die Maschinensätze einzusehen. Das Besondere und Interessante daran ist, dass die gemeinsame Kraftstation Kolbnitz (606 m) im Mölltal von beiden Hangseiten Triebwasser aus zwei offenliegenden Druckrohrleitungen erhält. Im Gebäude der Kraftstation befinden sich sieben Peltonturbinen, die den verschiedenen Komponenten des Systems zugeordnet sind (vgl. Schema).

Schema der Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck mit Maltakraftwerken

Jahresspeicher Reißeck

Druckrohrleitung vom Reißeck-Jahresspeicher neben der Reißeckbahn

Eine Druckrohrleitung kommt vom nordöstlich gelegenen Bereich Jahresspeicherwerk Reißeck, das aus sechs Karseen der Reißeckgruppe mit den Niederschlägen des Winterhalbjahres gespeist wird. An vier Seen wurden Staumauern errichtet. Die 4234,5 m lange Druckrohrleitung hat eine Fallhöhe von 1772,5 m und erzeugt dementsprechend etwa 177 bar Druck. Dieser Höhenunterschied gehört zu den größten der Welt, er belegt Platz 2 hinter dem schweizerischen Kraftwerk Bieudron des Systems Grande Dixence (1883 m Diff.). Die Druckrohrleitung ist auf Gleitsockeln verlegt und an 32 Fixpunkten verankert. Im unteren Teil sind die Stahlrohre mit Ringen aus Chrom-Molybdän-Stahl bandagiert. Die letzten 600 m der Druckrohrleitung von der Reißeckbahn-Talstation bis zum Krafthaus Kolbnitz, direkt an der Möll verlaufen unter den Kulturflächen im Talboden. Neben dieser Leitung verläuft die Reißeck-Standseilbahn. Das Jahresspeicherwerk Reißeck ist mit drei Peltonturbinen mit je 22,5 MW im Krafthaus Kolbnitz vertreten.

Tagesspeicher Reißeck / Gondelwiese

Eine weitere Druckrohrleitung kommt vom nördlich gelegenen Bereich Tagesspeicher Reißeck / Gondelwiese und verläuft schließlich parallel der Jahresspeicher-Druckrohrleitung und der Reißeckbahn. Der Tagesspeicher befindet sich an der Südseite der Reißeckgruppe auf einer Seehöhe von 1300 m ü. A. Die Hauptzubringer sind der Rieken-, Zwenberger- und Mühldorfer Bach. Der Nutzinhalt beträgt 40.000 m³ bei einer maximalen Tiefe von 12,5 Metern. Das Wasser wird bei einer maximalen Fallhöhe von 678,5 Metern in der Kraftstation Kolbnitz in elektrische Energie umgewandelt.

Tagesspeicher Kreuzeck / Roßwiese

Druckrohrleitung vom Kreuzeck-Tagesspeicher Roßwiese neben der Kreuzeckbahn

Der Tagesspeicher Roßwiese verwendet Wasser der Zuflüsse aus der nördlichen Kreuzeckgruppe. Diese Zuflüsse sind der Teuchl-, Gnoppnitz-, Gra- und Niklaibach. Die Fallhöhe zur Kraftstation Kolbnitz beträgt 587,5 Meter. Die maximale Tiefe des Speichers beträgt 19,5 Meter und der Nutzinhalt 204.000 m³. Der Speicher kann mit der Kreuzeckbahn erreicht werden. Die Druckrohrleitung kommt von Südwesten zum Kraftwerk und damit von der gegenüberliegenden Hangseite.

Den beiden letzten Komponenten sind im Krafthaus Kolbnitz die restlichen vier Peltonturbinen zugeordnet.

Pumpstation Hattelberg

Das besondere liegt auch in der Pumpstation Hattelberg im Bereich der Reißeck-Bahn, die auf 1113 m liegt, und als hydraulisches Bindeglied fungiert. Nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren ist es möglich, mit Hilfe der Pumpstation Wasser bis hoch in die Stauseen des Jahresspeicherwerkes Reißeck zu pumpen (2319 m). Beide Tagesspeicherwerke erhalten Wasser aus einem ausgedehnten System von Wasserfassungen und zwei Zwischenspeicherbecken. Somit sind die drei Systeme hydraulisch miteinander verbunden.

Neuerrichtung Kraftwerk Reißeck II

Im Zuge einer Erweiterung des Systems Reißeck-Kreuzeck wurde dieses bis 2016 mit dem benachbarten System Malta (Kraftstationen Galgenbichl, Rottau und Möllbrücke) und deren Hauptspeicher Kölnbrein verbunden. Hierzu wurde das Kraftwerk Reißeck II gebaut, ein Kavernenkraftwerk mit 2 reversiblen Pumpturbinen (430 MW) im Mühldorfer Graben. Dieses neue Kraftwerk verbindet die Druckrohrleitung Malta-Rottau mit dem Großen Mühldorfer See, sodass es nun möglich ist, Wasser aus den kommunizierenden Speichern Gößkar und Galgenbichl in das Winterspeicherwerk Reißeck zu heben oder in umgekehrte Richtung abzuarbeiten.[3] Auftragnehmer für die Bauausführung der Erweiterung Reisseck II war die Arbeitsgemeinschaft ARGE Reisseck II bestehend aus den Firmen Swietelsky Tunnelbau, Porr, Hinteregger & Söhne und ÖSTU-Stettin.

Kleinkraftwerke

Niklai

Das Kraftwerk Niklai befindet sich im Gemeindegebiet von Sachsenburg und ist ein Laufkraftwerk welches 1959 in Betrieb genommen wurde. Das Einzugsgebiet beträgt 64,2 km². Dadurch ergibt sich eine Nennleistung von 1635 kW und eine Erzeugung im Regeljahr von 7 GWh bei einer Rohfallhöhe von 56,9 Metern. Es ist mit zwei horizontalachsigen Francisturbinen ausgestattet.

Mühldorf

Das Kraftwerk Mühldorf ist das älteste Kraftwerk der Kraftwerksgruppe und wurde von 1922 bis 1924 errichtet. Das Kraftwerk sollte damals den Baustrom für den Bau der anderen Kraftwerke liefern. Die Nennleistung beträgt 900 kW und die Erzeugung im Regeljahr 2,2 GWh bei einer Rohfallhöhe von 81 Metern.

Steinfeld

Das Kleinkraftwerk Steinfeld wurde 1962 in Betrieb genommen, und ist das Kraftwerk mit der geringsten Leistung, in einem Regeljahr, der Kraftwerksgruppe. Die Nennleistung beträgt 132 kW und die Erzeugung im Regeljahr 0,6 GWh bei einer Rohfallhöhe von 57,0 Metern.

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Einzelnachweise

  1. Steckbrief Draukraftwerke. In: LANDSCHAFT, GESTEINE UND MINERALISATIONEN IM MALTATAL. Österreichische Mineralogische Gesellschaft, abgerufen am 17. August 2017 (PDF).
  2. Rundgang – Wassererlebnisse – Rad und Urlaub – Gemeinde Neuhaus. In: neuhaus.gv.at. Abgerufen am 17. August 2017.
  3. Europas modernstes Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II ist am Netz. In: verbund.com. Abgerufen am 17. August 2017.