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vom 06.01.2020, aktuelle Version,

Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck

Schema der Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck mit der Erweiterung Reißeck II

Die Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck ist ein Komplex von Wasserkraftanlagen der Verbund AG im österreichischen Bundesland Kärnten, bestehend aus den Stausee-Gruppen Reißeck Jahresspeicher, Reißeck Tagesspeicher und Kreuzeck Tagesspeicher in Reißeck, Niklai in Sachsenburg, Mühldorf und Steinfeld sowie verschiedenen Krafthäusern und Pumpwerken.

Geschichte

Skulptur Dem Gedenken der beim Kraftwerksbau tödlich Verunglückten am Schoberboden

Die Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck gehört ebenso wie das Kraftwerk Kaprun zu den Pionierbauten der österreichischen Energiewirtschaft. 1922 begann der Bau des Kraftwerks Mühldorf, 1924 folgte Steinfeld. Die Errichtung weiterer geplanter Kraftwerke verzögerte sich wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage und der zunehmenden Bedeutung der Kohle zur Stromerzeugung. Erst mit dem Anschluss Österreichs wurde die Wasserkraft im Hinblick auf die energieintensive Rüstungsindustrie wieder attraktiv. Anders als beim Kraftwerk Kaprun wurde der Bau des Speicherkraftwerks Reißeck-Kreuzeck erst nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1947 begonnen. Bauherr war die Österreichische Draukraftwerke AG (ÖDK).

Die Investitionssumme lag bei 1,4 Milliarden Schilling. Sie stammte aus dem Marshallplan, Energieanleihen, Eigenmitteln des Bauherren und dem ersten Weltbank-Kredit, der an die Republik Österreich vergeben worden war.

Die Arbeitsbedingungen waren sehr hart, die frostfreie Bauzeit im Hochgebirge lag bei nur wenigen Wochen bis Monaten, Schutz vor Lawinen und Steinschlag war kaum vorhanden. Zur Spitzenzeit 1957 waren 2885 Mitarbeiter beschäftig, insgesamt 22 Menschen verloren ihr Leben, an sie erinnert ein Denkmal bei der obersten Station der Reißeck-Standseilbahn am Schoberboden.

Für den Materialtransport wurden verschiedene Konstruktionen errichtet, darunter die Reißeck-Standseilbahn, die Reißeck-Höhenbahn und die Kreuzeck-Standseilbahn, die später für den touristischen Betrieb geöffnet wurden, es kamen aber auch Trägerkolonnen und Maultiere zum Einsatz.[1]

Aufbau

Im Kraftwerk Kolbnitz wird das Wasser der Komponenten Reißeck-Jahresspeicher, Tagesspeicher Gondelwiese und Tagesspeicher Roßwiese in elektrische Energie umgewandelt.

Krafthaus Kolbnitz

Das Krafthaus Kolbnitz liegt auf 606 Metern Seehöhe direkt an der Möll, in die das abgearbeitete Wasser mündet, und leistet maximal 138 MW. Die Steuerung erfolgt durch die Schaltwarte im benachbarten Kraftwerk Rottau. Durch ein Fenster in der Seite des Gebäudes sind die Maschinensätze einzusehen. Das Besondere und Interessante daran ist, dass die Kraftstation von beiden Hangseiten des Mölltals Triebwasser aus zwei offenliegenden Druckrohrleitungen erhält. Von den sieben Peltonturbinen sind drei dem Jahresspeicher und jeweils zwei den Tagesspeichern zugeordnet.

Jahresspeicher Reißeck

Eine Druckrohrleitung kommt vom nordöstlich gelegenen Bereich Jahresspeicherwerk Reißeck, das aus sechs natürlichen Karseen der Reißeckgruppe mit den Niederschlägen des Winterhalbjahres gespeist wird. Vier der Seen wurden durch Staumauern vergrößert. Die Druckrohrleitung hat eine Fallhöhe von 1772,5 m und erzeugt dementsprechend etwa 177 bar Druck. Neben dieser überirdischen Leitung verläuft die Reißeck-Standseilbahn. Der letzte Abschnitt der Druckrohrleitung von der Reißeckbahn-Talstation bis zum Krafthaus Kolbnitz direkt an der Möll verläuft unter den Kulturflächen im Talboden. Das Jahresspeicherwerk Reißeck ist mit drei Peltonturbinen mit je 22,5 MW im Krafthaus Kolbnitz vertreten.[2]

Der Höhenunterschied des Jahresspeicherwerks gehört zu den größten der Welt, er belegt Platz 2 hinter dem schweizerischen Kraftwerk Bieudron des Systems Grande Dixence (1883 m Diff.)

Tagesspeicher Reißeck / Gondelwiese

Eine weitere Druckrohrleitung kommt vom nördlich gelegenen Bereich Tagesspeicher Reißeck / Gondelwiese und verläuft schließlich parallel der Jahresspeicher-Druckrohrleitung und der Reißeckbahn. Der Tagesspeicher Gondelwiese befindet sich an der Südseite der Reißeckgruppe auf einer Seehöhe von 1288 m ü. A. Die Hauptzubringer sind der Rieken-, Zwenberger- und Mühldorfer Bach. Der Nutzinhalt beträgt 40.000 m³ bei einer Kronenhöhe von 12,5 Metern über dem tiefsten Entnahmepunkt. Das Wasser wird bei einer mittleren Rohfallhöhe von 678,5 Metern in der Kraftstation Kolbnitz in elektrische Energie umgewandelt. Der erste Maschinensatz ging am 23. November 1950 in Betrieb, der zweite Ende April 1952. Die Leistung beträgt 23,2 MW, die Jahreserzeugung 53.716 MWh.[3]

Tagesspeicher Kreuzeck / Roßwiese

Der Tagesspeicher Roßwiese verwendet Wasser der Zuflüsse aus der nördlichen Kreuzeckgruppe. Diese Zuflüsse sind der Teuchl-, Gnoppnitz-, Gra- und Niklaibach, die drei letztgenannten durchlaufen bereits vorher das Kleinkraftwerk Niklai. Die Bauarbeiten begannen an den Triebwasserwegen im März 1955, die beiden Maschinensätze im Krafthaus Kolbnitz gingen am 6. Oktober 1958 und im Mai 1959 in Betrieb. Die Fallhöhe zur Kraftstation Kolbnitz beträgt 587,5 Meter. Die maximale Kronenhöhe des Speichers Roßwiese beträgt 19,5 Meter und der Nutzinhalt über 200.000  m³. Der Speicher kann mit der Kreuzeckbahn erreicht werden. Mit einer Gesamtleistung von 45 MW erzeugen die beiden Maschinensätze pro Jahr 154.531 MWh elektrische Energie. Die Druckrohrleitung kommt von Südwesten zum Kraftwerk und damit von der gegenüberliegenden Hangseite.[4]

Die beiden Speicherseen Gondelwiese und Roßwiese sind hydraulisch über ein Absperrorgan verbunden. Daher kann auch Wasser vom einen in den anderen Speicher verlagert werden.[3]

Pumpstation Hattelberg

Pumpstation Hattelberg

Das besondere liegt auch in der Pumpstation Hattelberg, die auf einer Höhe von 1113 Metern direkt an der Reißeck-Bahn liegt und als hydraulisches Bindeglied fungiert. Mit ihr ist es möglich, Wasser aus den verbundenen Tagesspeichern in die Stauseen des Jahresspeicherwerkes Reißeck hochzupumpen (2319 m). Somit sind die drei Systeme hydraulisch miteinander verbunden. Die Station enthält drei horizontalachsige, achtstufige Hochdruck-Speicherpumpen mit einer Förderleistung von je 450 l/s und einer Motorenleistung von je 6.200 kW[2]

Neuerrichtung Kraftwerk Reißeck II

Im Zuge einer Erweiterung des Systems Reißeck-Kreuzeck wurde dieses bis 2016 mit dem benachbarten System Malta verbunden, wodurch die bestehenden Jahresspeicher nun auch als Wochenspeicher genutzt werden. Hierzu wurde im Mühldorfer Graben das Kraftwerk Reißeck II gebaut, ein Kavernenkraftwerk mit zwei reversiblen Pumpturbinen (430 MW). Dieses neue Kraftwerk verbindet die Druckrohrleitung Malta-Rottau mit dem Großen Mühldorfer See, sodass es nun möglich ist, Wasser aus den kommunizierenden Speichern Gößkar und Galgenbichl in das Winterspeicherwerk Reißeck zu heben oder in umgekehrte Richtung abzuarbeiten.[5] Auftragnehmer für die Bauausführung der Erweiterung Reisseck II war die Arbeitsgemeinschaft ARGE Reisseck II, bestehend aus den Firmen Swietelsky Tunnelbau, Porr, Hinteregger & Söhne und ÖSTU-Stettin.

Kleinkraftwerke

Niklai

Das Kraftwerk Niklai befindet sich im Gemeindegebiet von Sachsenburg im Niklaibach-Graben auf einer Höhe von 1.203,20 Metern und ist ein Laufkraftwerk, welches 1960 in Betrieb genommen wurde. Es ist eine Zwischenstufe des Tagesspeichers Kreuzeck, für das Wasser aus dem Gnoppnitzbach, dem Grabach und dem Niklaibach gefasst wird. Unterbecken ist der Tagesspeicher Roßwiese. Dadurch ergibt sich eine Nennleistung von 1.635 kW und eine Erzeugung im Regeljahr von 7 GWh bei einer Rohfallhöhe von etwa 57 Metern. Es ist mit zwei horizontalachsigen Francisturbinen ausgestattet. Die gewonnene Energie deckt den Eigenbedarf der Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck.[6]

Mühldorf

Kraftwerk Mühldorf

Das Kraftwerk Mühldorf liegt am nördlichen Rand der Gemeinde Mühldorf knapp unterhalb der Tauernbahn auf ungefähr 640 Metern Höhe[7] und ist das älteste Kraftwerk der Kraftwerksgruppe. Es geht auf Planungen bis vor dem Ersten Weltkrieg zurück und sollte damals den Baustrom für die anderen Kraftwerke liefern. Schließlich wurde es von 1922 bis 1924 durch die Treibacher Chemische Werke Ges.m.b.H. (TCW) errichtet und versorgte ein Werk für Ferrolegierungen, Planer war Franz Wallack. 1926 ging das Kraftwerk an die TCW-Tochter Mühldorfer Wasserkraftwerke AG (MÜWAG), welche es 1951 an die Österreichische Draukraftwerke AG übergab, nachdem die Ausbauwassermenge durch die Errichtung des Jahresspeichers Reißeck reduziert worden war. Das Triebwasser wird auf einer Höhe von 720,67 m im Mühldorfer Seebach gefasst, daher ergibt sich eine Rohfallhöhe von etwa achtzig Metern. Das Kraftwerk verfügt über zwei horizontalachsige Francisturbinen. Die Nennleistung beträgt 900 kW und die Erzeugung im Regeljahr 1,9  GWh. Das abgearbeitete Wasser mündet in den Mühldorfer Mühlbach. Dieser durchläuft noch weitere Kleinkraftwerke, eines davon befindet sich in der ehemaligen Lodenfabrik Hopfgartner.[8]

Steinfeld

Das Kleinkraftwerk Steinfeld befindet sich am Grabach, einem rechten Nebenfluss der Drau, in der Gemeinde Steinfeld. Ein Vorgängerbau wurde ab 1924 durch eine Genossenschaft aus Steinfeld und vier weiteren Gemeinden gebaut, aber 1935 durch einen Bergsturz zerstört. 1936 begann unter der Beteiligung zweier weiterer Gemeinden der Bau des heutigen Kraftwerks, nun als sichere Kaverne im Berg. 1947 wechselte der Besitz durch Verstaatlichung zur Kärntner Elektrizitäts-AG (KELAG). Seit 1956 wird ein Teil des Wassers des Grabaches für den Tagesspeicher Reißeck-Kreuzeck abgeleitet, daher wurde das Kraftwerk an die Österreichische Draukraftwerke AG verkauft. 1995 wurde einer der beiden Maschinensätze stillgelegt. Die Maximalleistung der noch aktiven, horizontalachsigen Francisturbine beträgt 132 kW; die Erzeugung im Regeljahr 493 MWh.[9]

Literatur

  • Die Alpenbatterie: Ökostrom aus dem Berg: Baugeschichte des Pumpspeicherkraftwerks Reißeck II; Herzstück der Energiezukunft. Kremayr & Scheriau, Wien 2016, ISBN 978-3-218-01058-0.
  Commons: Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Die Alpenbatterie: Ökostrom aus dem Berg. 2016, 90 Jahre Wasserkraft: Die Geschichte der Kraftwerksgruppe Malta/Reißeck, S. 15–21.
  2. 1 2 Speicherkraftwerk Reißeck Jahresspeicher auf verbund.com, abgerufen 10. März 2019; betreffende Version (Memento vom 28. November 2018 im Internet Archive)
  3. 1 2 Speicherkraftwerk Reißeck Tagesspeicher auf verbund.com, abgerufen 10. März 2019; betreffende Version (Memento vom 22. Oktober 2017 im Internet Archive)
  4. Speicherkraftwerk Kreuzeck auf verbund.com, abgerufen 10. März 2019; betreffende Version (Memento vom 22. Oktober 2017 im Internet Archive)
  5. Europas modernstes Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II ist am Netz. In: verbund.com. Abgerufen am 17. August 2017.
  6. Laufkraftwerk Niklai auf verbund.com, abgerufen 10. März 2019; betreffende Version (Memento vom 5. April 2017 im Internet Archive)
  7. Höhe gemessen auf Google Earth
  8. Laufkraftwerk Mühldorf auf verbund.com, abgerufen 10. März 2019; betreffende Version (Memento vom 5. April 2017 im Internet Archive)
  9. Laufkraftwerk Steinfeld auf verbund.com, abgerufen 10. März 2019; betreffende Version (Memento vom 27. März 2019 im Internet Archive)