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vom 12.04.2017, aktuelle Version,

Lokalbahn Retz–Drosendorf

Retz–Drosendorf
Dieseltriebwagen in Drosendorf
Dieseltriebwagen in Drosendorf
Streckennummer: 180 01
Kursbuchstrecke (ÖBB): 941
Streckenlänge: 39,959 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 29 
Minimaler Radius: 170 m
Höchstgeschwindigkeit: 60 km/h
von Wien Nordwestbf
0,000 Retz 245 m ü. A.
nach Znojmo
2,019 EK B 35
Hölzelmühle 08.11.1927 aufgelassen
7,434 EK B 30
8,225 Hofern 416 m ü. A.
9,999 Nieder Fladnitz 422 m ü. A.
Alsenbach
14,353 Pleißing-Waschbach 384 m ü. A.
17,881 Weitersfeld NÖ 429 m ü. A.
Fugnitz
22,800 Oberhöflein 424 m ü. A.
23,707 Anglerparadies Hessendorf 440 m ü. A.
24,700 Hessendorf
26,488 Langau 450 m ü. A.
26,803 EK B 30
31,349 Geras-Kottaun 460 m ü. A.
32,900 Johannesthal 29.05.1994 aufgelassen
Thumeritzbach
35,153 Zissersdorf H-Lst 485 m ü. A.
??,? Wallfahrtskirche Maria Schnee 1938 aufgelassen
39,835 Drosendorf 414 m ü. A.
Gleis 11 nach Drosendorf (in Retz)
Fahrplan aus dem Jahr 1994
Bahnhof Retz
Die ehemalige Sieberei in Langau
Die Brücke über den Thumeritzbach
Bahnhof Drosendorf
Halte- und Ladestelle Zissersdorf

Die Lokalbahn Retz–Drosendorf verbindet die Stadt Drosendorf im Waldviertel mit der Stadt Retz im Weinviertel an der Nordwestbahn. Nach Einstellung des Personenverkehrs am 9. Juni 2001 wird die Strecke seit 2002 als Nostalgiebahn unter dem Namen „Reblaus-Express“ touristisch vermarktet.

Geschichte

Vorgeschichte und Bau

Die Stadt Drosendorf bemühte sich schon früh um einen Bahnanschluss. Deswegen wurden auch einige Streckenvarianten geplant und vorkonzessioniert, von denen jedoch keine verwirklicht wurde:

Am 1. Februar 1901 wurde eine weitere Vorkonzession für eine normal- oder schmalspurige Lokalbahn mit der Route Retz–Weitersfeld–Drosendorf erteilt. Die Trassenrevision wurde am 7. und 8. Oktober 1901 abgehalten.

Der Streckenabschnitt Langau–Drosendorf sollte ursprünglich über Wolfsbach geführt werden und wäre um vier Kilometer kürzer gewesen. Dieses Vorhaben wurde aber bei der Trassenrevision verworfen. Nach Klärung der letzten finanziellen Details wurde dem Landesausschusse des Erzherzogtumes Österreich unter der Enns am 27. Juli 1908 die Konzession zu Bau und Betrieb der normalspurigen Lokalbahn Retz–Drosendorf erteilt.[2] Vorgeschrieben war darin die Fertigstellung der Bahn innerhalb der beiden nächsten Jahre, also bis 1910.

Einwände der Anrainergemeinden machten oftmalige Begehungen der geplanten Strecke notwendig. Einer der Diskussionspunkte war die Art des Anschlusses an die Nordwestbahn in Retz. Ursprünglich war geplant gewesen, gegenüber dem bereits bestehenden Bahnhofsgebäude der Nordwestbahn einen eigenen neuen Lokalbahnhof zu errichten. Dies hätte zur Folge gehabt, dass das Gleis der nach Drosendorf führenden Bahn die nach Znaim führende Strecke gekreuzt hätte. Schließlich einigte man sich auf die heute noch bestehende Ausführung einer Abzweigung aus dem Bahnhofsbereich der Nordwestbahn heraus.

Die Baubewilligung für die Strecke von Retz nach Drosendorf wurde am 23. Oktober 1908 erteilt und am 1. Februar 1909 folgte jene für den Bahnhofsbereich in Retz. Noch im Oktober 1908 wurde mit dem Bau begonnen. Die Erprobung der Brücken erfolgte am 4. und 5. August 1910 und die technisch polizeiliche Streckenprüfung am 16. August 1910. Der planmäßige Betrieb auf der neuen Strecke wurde am 21. Oktober 1910 aufgenommen, und von den Niederösterreichischen Landesbahnen durchgeführt. Nachdem die Statuten der „Lokalbahn Retz–Drosendorf“ am 3. April 1912 genehmigt und die konstituierende Generalversammlung der neuen Gesellschaft erfolgt war, erfolgte am 13. August 1912 die Eintragung ins Handelsregister. Betriebsführende Gesellschaft waren von Anfang an die Niederösterreichischen Landesbahnen.

Betrieb

Ab dem 1. Mai 1916 gab es in der Nähe der Wallfahrtskirche Maria Schnee zwischen Zissersdorf und Drosendorf eine Haltestelle, die nur an bestimmten Tagen eingehalten wurde und 1938 wieder aufgelassen wurde.

Das vordergründig positive Rechnungswerk der ersten Betriebsjahre wurde jedoch durch die Inanspruchnahme der Landesgarantie relativiert. Die Landesbahn erhielt 1912 119.045,04 Kronen; 1913 106.663,27 Kronen und 1914 99.727,67 Kronen. Ein Kunde der Bahn war während des Ersten Weltkrieges wahrscheinlich auch das Internierungslager Drosendorf.

Aber auch diese Lokalbahn bekam die wirtschaftlichen Probleme der Nachkriegszeit zu spüren. Nachdem die Niederösterreichischen Landesbahnen wegen der zahlreichen Verluste schreibenden Bahnlinien in schwere wirtschaftliche Turbulenzen geraten war, wurde am 15. Juli 1922 zwischen dem Staat Österreich und den Ländern Wien und Niederösterreich ein Vertrag geschlossen, der der Republik die Pacht aller Strecken der NÖ. Landesbahnen rückwirkend ab 1. Jänner 1921 ermöglichte. Mit 24. September 1924 ging die Bahn letztendlich in den Besitz der Bundesbahnen Österreichs über.

Der Paragraph 2 des Vertrages regelte z. B. … sofort nach Inkrafttreten dieses Vertrages in die tatsächliche Innehabung der Bahnlinie in dem Zustande, wie sie liegt und steht, einschließlich des etwa nicht im Eisenbahnbuche eingetragenen Grundbesitzes treten (wird).

Die zwischen Retz und Hofern gelegene Haltestelle Hölzelmühle wurde am 8. November 1927 aufgelassen. Mit 1. Jänner 1935 übernahm der Staat die Lokalbahn Retz–Drosendorf endgültig, die Liquidation der Aktiengesellschaft war am 20. Februar 1936 abgeschlossen. Zwischen 22. April 1932 und 3. Oktober 1933 war die Haltestelle Johannesthal zwischen Geras-Kottaun und Zissersdorf vorübergehend aufgelassen, später aber wieder aktiviert. Am 28. Mai 1995 wurde sie dann endgültig stillgelegt.

Nach einer Probefahrt und einer technisch-polizeilichen Überprüfung wurde 1933 eine Anhebung der Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h auf 50 km/h genehmigt. Am 6. und 7. Oktober 1933 fand die nächste Überprüfung statt mit dem Ziel, die Geschwindigkeit für den Einsatz von Leichttriebwagen in einigen Streckenabschnitten auf 70 km/h zu erhöhen. Diese Erhöhung der höchstzulässigen Fahrgeschwindigkeit erforderte allerdings Investitionen in die Herstellung von größeren Sichträumen und technischen Sicherungsanlagen bei Straßenkreuzungen.

In Zusammenhang mit dem Bau der Bahnstrecke entdeckte man zwischen Langau und Schaffa (heute Šafov) in Mähren ein Braunkohlenlager, welches aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg abgebaut wurde und während dieser Zeit das Frachtaufkommen wesentlich steigerte. Zu den Kunden zählte aber auch der Kaolinbergbau Mallersbach. Zur Zeit des Eisernen Vorhanges, als es nicht möglich war, die Strecke der Nordwestbahn nach Znaim und weiter nach Norden zu befahren, führte die ÖBB sogar einige Züge ab dem Bahnhof Wien Praterstern durchgehend bis Drosendorf.

Am 10. Juni 2001 wurden der Personenverkehr auf der gesamten Strecke und der Güterverkehr zwischen Weitersfeld und Drosendorf eingestellt. Der letzte Personenzug fuhr am 9. Juni 2001 um 19:25 Uhr von Retz ab und kehrte als Leerzug nach Retz zurück. Ein saisonaler Personenverkehr wurde zwischen 2002 und Ende Juni 2006 auf Bestellung des Landes Niederösterreich als Nostalgiebahn unter dem Namen „Reblaus-Express“ an den Wochenenden der Sommersaison weitergeführt. Durch die heftigen Niederschläge Ende Juni 2006 wurde der Bereich zwischen Weitersfeld und Hessendorf stark beschädigt und der Reblaus-Express daraufhin zwischen Retz und Weitersfeld kurzgeführt. Mit Saisonbeginn 2007 konnte der Betrieb aber wieder planmäßig aufgenommen werden. Der Reblaus-Express wurde daraufhin derart gut angenommen, dass ab dem ersten Juli-Wochenende ein drittes Zugpaar eingeführt und parallel verkehrende Buskurse gestrichen wurden. Seit diesem Zeitpunkt wird die Haltestelle Oberhöflein nicht mehr bedient, dafür hält man in Zissersdorf.

Die 100-Jahr-Feier fand am 21. und 22. August 2010 statt. Am letzteren der beiden Tage fuhr zusätzlich zu den Planzügen des Reblaus-Express ein Dampfsonderzug mit der 52 100 von Retz nach Drosendorf und retour. Außerdem wurden eine Sondermarke und eine Festschrift aufgelegt.

Auch nach der Übernahme der Strecke durch das Land Niederösterreich verkehrt der Reblaus-Express ab der Saison 2011 weiterhin an Wochenenden und Feiertagen zwischen Retz und Drosendorf.[3] Als Betreiber fungiert seit Dezember 2010 die NÖVOG. Der Fuhrpark bleibt gleich (Reihe 2143 + Spantenwagen). Der Reblaus-Express war zusammen mit der Waldviertler Schmalspurbahn Thema der 757. Folge der Fernsehserie Eisenbahn-Romantik.[4]

Da die NÖVOG die Strecke übernommen hat und den noch verbleibenden Güterverkehr zwischen Retz und Weitersfeld im Dezember 2010 einstellte, wurde die Strecke unmittelbar nach dem Einfahrsignal vor Retz bis zu Saisonbeginn mit einem Sperrschuh versehen.

Literatur

  • Peter Wegenstein: Die Nordwestbahnstrecke. Verlag Peter Pospischil, Wien 1995 (Bahn im Bild 91, ZDB-ID 52827-4).
  • Wolfdieter Hufnagl: Die Niederösterreichischen Landesbahnen. Verlag Transpress, Stuttgart 2003, ISBN 3-613-71214-8.
  • Gerhard Artl, Gerhard H. Gürtlich, Hubert Zenz: Zwischen Wald- und Weinviertel. 100 Jahre Lokalbahn Retz-Drosendorf. Verlag Fassbaender, Wien 2010, ISBN 978-3-902575-34-0
  Commons: Lokalbahn Retz–Drosendorf  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Tagesneuigkeiten. (…) Neue Eisenbahnvorconcessionen. In: Wiener Landwirthschaftliche Zeitung. Illustrirte Zeitung für die gesammte Landwirthschaft, Nr. 3193/1897 (XLVII. Jahrgang), 4. August 1897, S. 503, oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wlz.
  2. Konzessionsurkunde vom 27. Juli 1908 für die Lokalbahn von Retz nach Drosendorf. In: Reichsgesetzblatt für die im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder, Jahrgang 1908, RGBl 1908/175, S. 611–616. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/rgb.
  3. Nach Presseinformationen des Betreibers abgerufen 5. Februar 2012
  4. Eisenbahnromantik Folge 757 abgerufen 5. Februar 2012