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vom 31.03.2018, aktuelle Version,

Max Clara

Max Clara (* 12. Februar 1899 in Völs; † 13. März 1966 in München) war ein österreichisch-deutscher Mediziner. Er war Professor für Anatomie an den Universitäten Leipzig, München und Istanbul sowie Erstbeschreiber der ehemals nach ihm benannten Clara-Zelle (Club-Zelle). Aufgrund seiner Aktivitäten in der NSDAP und dem Gebrauch von Gewebe Exekutierter für seine Forschung hat dieser Namenswechsel 2013 stattgefunden.[1]

Ausbildung und berufliche Tätigkeiten

Von 1917 bis 1918 nahm Clara am Ersten Weltkrieg teil. Er studierte von 1918 bis 1922 Medizin an der Universität Innsbruck und an der Universität Leipzig. Während seines Studiums war er aktiv beim Corps Gothia Innsbruck, dem er bis zu seinem Tode angehörte. Von 1922 bis 1924 war er Assistent für Histologie und Entwicklungsgeschichte in Innsbruck, wo er 1923 auch promoviert wurde. Von 1924 bis 1935 war er praktischer Arzt in Blumau bei Bozen tätig. 1928 wurde er an der Universität Rom für Histologie und Allgemeine Embryologie habilitiert; von 1928 bis 1929 war er als Privatdozent für Medizin an der Universität Padua tätig.

Ab 1929 war er korrespondierendes Mitglied des Museo di storia naturale della Venezia Tridentina in Trient und ab 1930 korrespondierendes Mitglied der Academia scientifica Veneto-Trentino-Istriana in Padua. Clara gehörte ab 1930 als ordentliches Mitglied der Sektion „Innere Medizin“ der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina und ab 1940 der Sächsischen Akademie der Wissenschaften an.[2] 1935 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft und trat im selben Jahr der NSDAP und dem Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbund bei.

Von 1935 bis 1942 war Clara ordentlicher Professor für Anatomie und Direktor der Anatomischen Anstalt der Universität Leipzig. Von 1936 bis 1942 war er Dozentenbundführer der Universität Leipzig, 1941/42 kommissarischer Gaudozentenbundführer in Sachsen. 1938 war Clara politischer Führer der deutschen Abordnung auf der Internationalen Anatomentagung in Mailand. Von 1942 bis 1945 lehrte er als ordentlicher Professor für Anatomie an der Universität München. Beim Bevollmächtigten für das Gesundheitswesen Karl Brandt war Clara ab 1944 noch Angehöriger des wissenschaftlichen Beirates. Laut Gerhard Aumüller war er ein besonders fanatischer Nationalsozialist.[3]

Nach 1945 wurde er als „entlastet“ (Gruppe V) entnazifiziert und arbeitete als praktischer Arzt und Privatgelehrter. Ab 1949 war er Leiter der Abteilung für Experimentelle Morphologie an der Universitätsklinik München. Ab 1950 war Clara als Direktor des Morphologischen Instituts an der Medizinischen Fakultät der Universität Istanbul beschäftigt. Von 1950 bis 1952 war er zudem ausländischer Kontraktprofessor an der Medizinischen Fakultät Istanbul.[4]

Publikation (Auswahl)

  • Entwicklungsgeschichte des Menschen. Quelle & Meyer, Leipzig 1938.
  • Über die Beziehung zwischen dem Epitel und den Blutkapillaren. In: Anatomischer Anzeiger. 1940 Bd. 90, Nr. 13/14, S. 161–172 (darin u. a. auch die Forschungen an Hingerichteten).
  • Das Nervensystem des Menschen. Lehrbuch für Studierende und Ärzte. Leipzig 1942.
  • Die Bestimmung des Geschlechtes beim Menschen. Leipzig 1943.
  • Goethe’s Begriff des Urbildes im Lichte der modernen Entwicklungsgeschichte. Leipzig 1943.
  • Die arterio-venösen Anastomosen. Anatomie, Biologie, Pathologie. Wien 1956.
  • mit Hildegard Debuch: Biochemie der Fette und Lipoide, Methoden der Lipidhistochemie. Stuttgart 1965.
  • mit Kurt Herschel, Helmut Ferner: Atlas der normalen mikroskopischen Anatomie des Menschen. Leipzig 1974.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Richard S. Irwin, Nicki Augustyn, Cynthia T. French, Jean Rice, Victoria Tedeschi: Spread the Word About the Journal in 2013: From Citation Manipulation to Invalidation of Patient-Reported Outcomes Measures to Renaming the Clara Cell to New Journal Features. In: Chest. Band 143, Nr. 1, 1. Januar 2013, S. 1–4, doi:10.1378/chest.12-2762 (sciencedirect.com [abgerufen am 4. August 2016]).
  2. Mitglieder der SAW: Max Clara. Sächsische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 2. Oktober 2016.
  3. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. 2. Auflage. Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 93 f.
  4. Max Clara im Professorenkatalog der Universität Leipzig