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vom 02.01.2017, aktuelle Version,

Memorial Gusen

Hauptartikel: KZ Gusen
Memorial Crematorium KZ Gusen

Das Memorial Gusen in Gusen (Gemeinde Langenstein) im unteren Mühlviertel, unweit Mauthausen an der Donau, zählt zu den bedeutendsten Memorialbauten in Österreich. Es wurde in den Jahren 1961 bis 1965 nach dem Entwurf der bekannten Mailänder Architektengruppe BBPR über den erhaltenen gebliebenen Resten des Krematoriums des Konzentrationslagers Gusen auf private Initiative von Überlebenden der Konzentrationslager Gusen I, II und III aus Italien, Frankreich und Belgien aus Spendenmitteln errichtet.[1] Die Ausführung wurde vom österreichischen Architekten Wilhelm Schütte betreut.[2]

Anlage

Der Memorialbau besteht aus einem, um die ehemaligen Krematoriumsöfen errichteten Kubus, welcher unter Bezugnahme auf den in Resten heute ebenfalls noch bestehenden Steinbrecher der DEST in Gusen, an die industrielle Dimension der Vernichtung von KZ-Häftlingen durch Arbeit erinnert. In diesem Kubus befindet sich eine große Vielzahl an sehr persönlichen Votivtafeln für Opfer der KZs Gusen. Der Kubus wird von einem sogenannten „Ehrenhof“ umschlossen, in welchem Gedenktafeln in verschiedenen Sprachen auf die mehr als 37.000 Opfer der Konzentrationslager von Gusen und das Faktum hinweisen, dass die ehemaligen hiesigen KZ die mörderischsten Konzentrationslager im System von Mauthausen waren.

Inschriften in unterschiedlichen Sprachen erinnern an die Opfer der KL Gusen

Unter Bezugnahme auf die umfangreich im Umfeld der KZ Gusen angelegten unterirdischen Rüstungsfabriken des Großdeutschen Reiches „B8 Bergkristall“ und „Kellerbau“ wird dieser Ehrenhof nicht direkt betreten, sondern über ein angedeutetes Labyrinth, welches die Bezeichnung Letzter Weg der Märtyrer führt und die gitternetzartige Ausprägung der umfangreichen Stollenanlagen symbolisiert. Der Hinweis, auf die großteils unterirdische Dimension des Häftlingseinsatzes in den KL Gusen wird auch durch die Verwendung des Werkstoffes Beton (anstatt Granit) unterstrichen. Der ursprüngliche Gedanke, den Memorialbau nur durch einen unterirdischen Zugang erreichbar zu machen, wurde durch die Architekten der baulichen Einfachheit halber fallen gelassen.[3]

Der Doppel muffelofen des ehemaligen Krematoriums bildet das Zentrum der Anlage

Ein am südlichen Eingang des Labyrinths gelegener Vorplatz führt zu Ehren des im KZ Gusen I zu Tode gefolterten oberösterreichischen Priesters Dr. Johann Gruber den Namen Papa Gruber Platz. Auf ihm findet jährlich um den 5. Mai eine Gedenkfeier statt. An diesem Tag wurden 1945 mit Hilfe des IKRK-Delegierten Louis Häfliger die Häftlinge der KZ Gusen und Mauthausen befreit. Auf diesem Vorplatz befindet sich neben einem Relief der ehemaligen KZ Gusen I & II auch ein Übersichtsplan, der die großflächige Ausdehnung der Arbeitskommandos der KZ Gusen zeigt. Außerdem ein von amerikanischen Befreiern im Jahre 2005 gestifteter Gedenkstein zu Ehren aller, die für die Befreiung Europas und im Holocaust ihr Leben gaben.

Besucherzentrum Gusen und bauliche Eingriffe in das Memorial

Im unmittelbar im Norden anschließenden Bereich errichtete das Bundesministerium für Inneres 2004 ein Besucherzentrum. Bei den Bauarbeiten wurden Reste der ehemaligen Krematoriumsbaracke freigelegt und in den von der Wiener Architektengruppe MSPH geplanten Neubau integriert. Den spiralförmig zu den Krematoriumsöfen führenden Zugangsbereich des Memorials begrenzt eine Umfassungsmauer. Um den Neubau mit dem Memorial zu verbinden, wurde diese durchbrochen und die ursprüngliche Zugangssituation verändert.[4]

Dauerausstellung Konzentrationslager Gusen 1939–1945

2004 bis 2005 richtete das Bundesministerium für Inneres im Besucherzentrum eine Dauerausstellung zur Geschichte des Konzentrationslagers Gusen ein. Das inhaltliche Konzept erstellte ein Kuratorenteam des BMI unter der konzeptionellen Beratung des Historikers Bertrand Perz. Schwerpunkte sind die Themen Zwangsarbeit, Vernichtung und Befreiung. Ein eigener Bereich zeigt Aufnahmen, die den Bau des KZ-Lagers dokumentieren.[5] Die Ausstellungsgestaltung von Bernhard Denkinger bezieht sich auf das Krematorium und die angrenzende Überbauung des ehemaligen KZ-Lagerbereiches.[6][7]

Geschichte des Denkmals

Das Memorial Gusen wurde 1997 durch die Häftlingsorganisation Comité du Souvenir du Camp de Gusen an das österreichische Bundesministerium für Inneres übertragen und wurde von diesem 2001 erstmals renoviert. 2004 wurde auf Initiative des Personenkomitees Gusen das Besucherzentrum eingerichtet.

Das Memorial steht unter Denkmalschutz, es ist Teil des Eintrags Anlagenteile des Konzentrationslagers Gusen.

Literatur

  • Amicale de Mauthausen: Bulletin d´Amicale de Mauthausen No. 102 – No. 121. Paris, 1962–1965.
  • Teo Ducci: Opere di architetti italiani – IN MEMORIA DELLA DEPORTAZIONE. Edizioni Gabriele Mazzotta. Milano, 1997. S. 22-25. ISBN 88-202-1224-2
  • Holger Schaeben, Der Sohn des Teufels – Aus dem Erinnerungsarchiv des Walter Chmielewski, Offizin-Verlag, Zürich 2015, ISBN 978-3-906276-18-2
  Commons: Memorial Gusen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Appel pour l'érection d'un monument du souvenir au camp de Guses par Professeur Roger Heim et Dr. Ermete Sordo.
  2. Entwurfsskizze von BBPR zum Gebäude und Hinweis auf Wilhelm Schütte: mauthausen memorial – KZ Gedenkstätte Gusen. Punkt Zeitleiste. 1965, 8. August: Einweihung Memorial de Gusen, weiterführender Beitrag
  3. Monument dans le camps de Gusen par dr. arch. Lodovico B. Belgioioso, dr. arch. Enrico Peressutti e ar. arch. Ernesto N. Rogers, le 6 Mars 1961
  4. Vorstellung des Besucherzentrums Gusen auf dem Architekturfestival Turn On
  5. Homepage des BMI: mauthausen memorial – KZ Gedenkstätte Gusen. Punkt Ausstellung
  6. Dauerausstellung KZ Gusen 1939-1945 in der Architekturdatenbank nextroom
  7. Gedenkarchitekturen: Memorial und Dauerausstellung als Themen der Architekturtage 2014