unbekannter Gast
vom 01.01.2018, aktuelle Version,

Michael Grünbart

Michael Grünbart (* 5. Mai 1969 in Badgastein) ist ein österreichischer Byzantinist.

Leben

Nach der Matura am humanistischen Zweig des Bundesgymnasium Tamsweg studierte Michael Grünbart von 1988 bis 1992 Byzantinistik, Klassische Philologie und Numismatik an der Universität Wien. 2000 wurde er an der Universität Wien promoviert. Von 1993 bis 2008 war er als Leiter (Oberrat) der Fachbereichsbibliothek Byzantinistik und Neogräzistik an der Universität Wien tätig. Im September 1994 absolvierte er ein Praktikum an der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. 2004 erhielt er das Irene Vaslef Fellowship in Librarianship an der Dumbarton Oaks Research Library and Collection in Washington D.C., 2007 vertrat er die Professur für Byzantinistik an der Universität München. Er übernahm Lehraufträge an den Universitäten Budapest, Ioannina, Rethymno, Wien und Zürich. Im Oktober 2008 nahm er einen Ruf (primo et unico loco) als Professor für Byzantinistik an die Universität Münster an. 2009 schloss er die Habilitation an der Universität München ab.

Seit 2009 ist Grünbart Mitglied im Direktorium des interdisziplinären Instituts für Frühmittelalterforschung (IFMA) an der Universität Münster (seit 2014 im Vorstand des Centrums für Mittelalter- und Frühneuzeitforschung) und Mitherausgeber des Jahrbuchs Frühmittelalterliche Studien. 2010 wurde von ihm die Reihe Byzantinistische Studien und Texte im Lit-Verlag initiiert. 2012 kuratierte er die Ausstellung Gold und Blei – Byzantinische Kostbarkeiten aus dem Münsterland im Ikonen-Museum Recklinghausen (2015 im Archäologischen Museum der WWU Münster "Gold und Blei - Norm und Wert im byzantinischen Alltag"). 2013 wurde er in den Beirat des Mediävistenverbandes gewählt. Seit dem 1. Januar 2014 ist er Mitglied im Expertpanel Cult2: Art and Literature des Fonds Wetenschappelijk Onderzoek – Vlaanderen (FWO). Seit März 2015 ist er im Vorstand der Deutschen Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Byzantinischer Studien (DAFBS).[1] Darüber hinaus arbeitet er bei dem von der DFG geförderten Netzwerk Imitation – Mechanismen eines kulturellen Prinzips im Mittelalter[2] mit. Er leitet das Teilprojekt C02 „Die Rolle des Übernatürlichen in Prozessen herrschaftlichen Entscheidens in Byzanz zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert“ im Rahmen des SFB 1150 Kulturen des Entscheidens[3]. 2017 wird er als Fellow am Käte Hamburger Kolleg "Fate, Freedom and Prognostication" in Erlangen forschen.

Forschungsschwerpunkte

Grünbarts Forschungsschwerpunkte sind byzantinische Literatur (insbesondere Epistolographie), die byzantinische Aristokratie und ihre Selbstdarstellung, die Geschichte des oströmischen Kaisertums, symbolische Kommunikation in Byzanz, Numismatik sowie Alltagskultur (Bibliography on Material Culture and Daily Life). Er hat zahlreiche Artikel im Lexikon des Mittelalters und im Oxford Dictionary of the Middle Ages verfasst. Im Bereich der Geschichte der Byzantinistik hat er zu Jakob Philipp Fallmerayer gearbeitet.

Veröffentlichungen (Auswahl)

Monographien und Aufsätze

  • Epistularum byzantinarum Initia. Olms-Weidmann, Hildesheim 2001, ISBN 3-487-11462-3.
  • Die Briefe von und an Jakob Philipp Fallmerayer. Eine Bestandsaufnahme. Selbstverlag, Wien 2001.
  • Byzantinistische Forschung in Österreich. In: Historicum. Zeitschrift für Geschichte. Winter 2001/02 (Byzanz I), S. 35–41.
  • Formen der Anrede im byzantinischen Brief vom 6. bis zum 12. Jahrhundert. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, ISBN 3-7001-3345-6 (Dissertation).
  • Byzantine Metal stamps in a North American private collection. In: Dumbarton Oaks Papers. Bd. 60, 2006, S. 13–24 (online bei JSTOR).
  • Der Kaiser weint. Anmerkungen zur imperialen Inszenierung von Emotionen in Byzanz. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 42, 2008, S. 89–108.
  • Jakob Philipp Fallmerayer. Bibliographie der Sekundärliteratur 1900–2011. Selbstverlag, Wien 2011.
  • Euglottia. Sprechen als Statusindikator in der mittelbyzantinischen Zeit. In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 45, 2011, S. 211–231.
  • Das byzantinische Reich. WBG, Darmstadt 2014, ISBN 978-3-534-25666-2.
  • Inszenierung und Repräsentation der byzantinischen Aristokratie vom 10. bis zum 13. Jahrhundert. Wilhelm Fink, Paderborn 2015, ISBN 978-3-7705-5551-2.

Herausgeberschaften

  • Theatron. Rhetorische Kultur in Spätantike und Mittelalter – Rhetorical culture in Late Antiquity and the Middle Ages. De Gruyter, Berlin/New York 2007, ISBN 978-3-11-019476-0.
  • Geschenke erhalten die Freundschaft. Gabentausch und Netzwerkpflege im europäischen Mittelalter. Akten des Internationalen Kolloquiums Münster, 19.–20. November 2009 (= Byzantinistische Studien und Texte. Bd. 1). Lit, Berlin 2011, ISBN 978-3-643-10897-5.
  • mit Lutz Rickelt und Martin Marko Vučetić: Zwei Sonnen am Goldenen Horn? Kaiserliche und patriarchale Macht im byzantinischen Mittelalter. Akten der Internationalen Tagung vom 3. bis 5. November 2010 (= Byzantinistische Studien und Texte. Bd. 3 und Bd. 4). Lit, Münster 2011 und 2013, ISBN 978-3-643-11393-1 und ISBN 978-3-643-11540-9.
  • Gold und Blei. Byzantinische Kostbarkeiten aus dem Münsterland. Phoibos, Wien 2012, ISBN 978-3-85161-080-2.
  • mit Katrin Beyer: Urbanitas und ἀστειότης. Kulturelle Ausdrucksformen von Status (10.–15. Jahrhundert). In: Frühmittelalterliche Studien. Bd. 45, 2011, S. 169–389 (online).
  • mit Margaret Mullett, Lioba Theis: Female Founders in Byzantium and Beyond (= Wiener Jahrbuch für Kunstgeschichte. Bd. 60/61). Böhlau, Wien 2013, ISBN 978-3-205-78840-9.
  • mit Sabine Rogge: Medieval Cyprus - a Place of Cultural Encounter (= Schriften des Instituts für Interdisziplinäre Zypern-Studien. Bd. 11). Waxmann, Münster - New York 2015, ISBN 978-3-8309-3360-1.

Tagungen

  • Female Founders in Byzantium and Beyond (23.–25. September 2008, Wien)[4]
  • Geschenke erhalten die Freundschaft (19.–20. November 2009, Münster)[5]
  • Zwei Sonnen am Goldenen Horn? Internationale Tagung am Exzellenzcluster über weltliche und geistliche Macht in Konstantinopel (3.–5. November 2010, Münster)[6]
  • Urbanitas und asteiotes. Kulturelle Ausdrucksformen von Status (10.–15. Jahrhundert)(9.–10. Juni 2011, Münster)[7]
  • Cyprus in Medieval Times. A Place of Cultural Encounter (6.–8. Dezember 2012, Münster)[8]
  • Verflechtungen zwischen Byzanz und dem Orient (Sektion im Rahmen des 32. Deutschen Orientalistentages, Münster 23.–27. September 2013)[9]
  • Figurationen von Macht im byzantinischen Mittelalter (14.-16. Januar 2015, Münster)[10]

Einzelnachweise

  1. Deutsche Arbeitsgemeinschaft zur Förderung Byzantinischer Studien: Vorstand. 25. Februar 2015, abgerufen am 26. Juni 2015.
  2. Imitation – Mechanismen eines kulturellen Prinzips im Mittelalter
  3. Kulturen des Entscheidens
  4. Ankündigung (englisch)
  5. Programm (PDF)
  6. Ankündigung und Programm
  7. Programm (PDF); Ankündigung
  8. Ankündigung
  9. Programm mit Abstracts
  10. Programm